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Die grosse Angst an den Börsen

Der Pessimismus hat die Börsen fest im Griff. Die Rezessionsgefahr in Europa wächst. Schuld ist die Europäische Zentralbank.

Miese Stimmung an den Börsen weltweit. Nach schlechten Vorgaben aus Asien (Nikkei minus 2,75 Prozent) brachen am Morgen auch in Europa die Kurse ein. Die neusten Arbeitslosenzahlen aus den USA sorgten am Nachmittag für einen weiteren Dämpfer: Anstatt wie erwartet 5,8 Prozent sind in den USA bereits 6,1 Prozent der Arbeitnehmer ohne Job. Die ohnehin schon verunsicherten Investoren reagierten mit weiteren Verkäufen. Der SMI lag am Abend bei -1,53 Prozent, der Dax bei 2,42 Prozent im Minus.

Der Pessimismus hat die Börsen derzeit fest im Griff. Waren sinkende Ölpreise bis vor kurzem noch Grund für steigende Aktienkurse, ist jetzt das Gegenteil der Fall. Der fallende Ölpreis wird jetzt als Zeichen einer baldigen Rezession gedeutet und wirkt nicht mehr als Kauf-, sondern als Verkaufssignal. Die nach wie vor nicht bereinigte Situation an den Finanzmärkten belastet die Bankentitel, die nach wie vor sinkenden amerikanischen Immobilienpreise zerstören die Hoffnungen auf einen baldigen Konjunkturaufschwung in den USA.

Erst Anzeichen der Besserung

Dabei hat es gerade in den USA erste Anzeichen für eine Besserung gegeben. Am 28. August wurde revidierten Wachstumszahlen des Bruttoinlandprodukts veröffentlicht. Zur allgemeinen Überraschung war die US-Wirtschaft im zweiten Quartal um 3,3 Prozent gewachsen. Es handelt sich dabei jedoch offensichtlich um ein Strohfeuer. Die neusten Prognosen der Notenbank lassen wenig Gutes erhoffen.

Warum aber gerät auch Europa immer stärker in eine rezessive Spirale? Eine grosse Schuld daran trägt die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrer Geldpolitik. Am vergangenen Dienstag hat sie sich erneut geweigert, die Leitzinsen zu senken. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat zudem nicht zu erkennen gegeben, dass er an eine baldige Zinssenkung denkt, sondern im Gegenteil die Zinsen bis auf weiteres bei 4,25 Prozent belassen will.

Harte Politik als Belastung

Die harte Geldpolitik der EZB wird immer stärker zu einer Belastung für die europäische Wirtschaft. Im vergangenen Jahr hat der Euro gegenüber den wichtigsten anderen Währungen rund 14 Prozent zugelegt. «Der Effekt dieses Aufwertungsschocks auf die Profite der Unternehmen in der Eurozone ist etwa gleich gross wie die Folgen des Ölpreisschocks» stellt der Ökonom Paul De Grauwe in der «Financial Times» fest.

Die Euro-Wirtschaft wird gleichzeitig von zwei Seiten gebeutelt. Zuerst hat der steigende Euro die internationale Wettbewerbsfähigkeit vermindert. Jetzt hat der Anstieg des Dollars den Erholungseffekt des sinkenden Ölpreises teilweise zunichte gemacht. Kein Wunder, steigt in Euroland die Wut auf die EZB und ihre sture, einzig auf Inflationsbekämpfung ausgerichtete Geldpolitik.

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