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«Die dümmsten Banker der Welt»

Frühere Händler der Credit Suisse müssen in den USA mit Haftstrafen wegen Betrugs rechnen. Ihnen hat nun ein Bloomberg-Kolumnist einen wenig schmeichelhaften Titel verliehen.

Ärger mit den amerikanischen Justizbehörden: CS-Niederlassung in New York.
Ärger mit den amerikanischen Justizbehörden: CS-Niederlassung in New York.
Keystone

«Es ist eine Schande, dass die TV-Serie ‹Amerikas dümmste Kriminelle› vor mehr als einem Jahrzehnt eingestellt worden ist», schreibt der Kolumnist Jonathan Weil in einem Beitrag für die Nachrichtenagentur Bloomberg. Denn der Fall um die früheren CS-Händler Salmaan S. und David H. – beide Spezialisten für komplexe Hypotheken-Bonds – hätte laut Weil wunderbaren Stoff geliefert, um zu zeigen, wie die Hochfinanzbranche bisweilen «verbrecherisch hirntot» handelt. Doch der Reihe nach.

Verluste versteckt, um Boni zu steigern

Salmaan S. und David H. sowie zwei weitere Ex-Investmentbanker und -Trader der Credit Suisse stehen im Verdacht, in der Subprime-Krise im Jahr 2007 Wertpapiere in betrügerischer Absicht überbewertet zu haben. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ging es den Angeklagten darum, Verluste im US-Immobilienmarkt zu verstecken und die persönlichen Boni zu steigern.

Der frühere Hypothekenanleihen-Händler Salmaan S. und David H., einst Leiter Hedge Trading bei der CS in den USA, haben sich inzwischen vor einem Gericht in New York für schuldig erklärt. Anfang Februar legte David H. ein Geständnis ab, wie die «Huffington Post» und andere US-Medien berichteten. Salmaan S. und David H. drohen Haftstrafen von bis zu fünf Jahren.

Offene Telefongespräche und Geschäfts-Mails

Die Ex-CS-Banker seien die «dümmsten Trader der Welt», schreibt Bloomberg-Journalist Jonathan Weil in einem sarkastischen Kommentar. Beim Delinquieren begingen sie offenbar amateurhafte Fehler. So diskutierten die Angeklagten bei Telefongesprächen offen über die Manipulation von Wertpapierpreisen – und hinterliessen damit Beweismaterial, das gegen sie verwendet werden konnte. Dass die Telefonate von den Kontrolleuren des Arbeitgebers aufgezeichnet werden, hätten sie eigentlich wissen müssen.

Ebenso amateurhaft verhielten sich die Banker beim Umgang mit E-Mails. Sie kommunizierten über das Geschäfts-Mail – und lieferten damit weitere Beweise für ihre Betrügereien. Dümmer gehe es kaum, meint Weil in seiner Kolumne. Mit dem Resultat, dass die Credit Suisse die Unregelmässigkeiten entdeckte und die mutmasslichen Delinquenten bei den Strafverfolgungsbehörden anzeigte.

Milliardenabschreibungen und Entlassungen

Der Betrugsfall führte dazu, dass die Schweizer Grossbank im Februar 2008 überraschend Abschreibungen von 2,65 Milliarden Dollar ankündigte und dabei mehrere Händler entliess. Auch Salmaan S. und David H. gehörten zu den Entlassenen. Sie sagten der Staatsanwaltschaft, sie seien von ihrem Chef, der ebenfalls angeklagt wurde, zu dem Betrug angehalten worden. Sie hätten regelmässig den Auftrag erhalten, die Bond-Preise so zu verändern, dass Tages- und Monatsgewinnziele erreicht und Verluste versteckt werden konnten.

Der Vorgesetzte Kareem S. hatte bei der Credit Suisse bis Anfang 2008 den weltweiten Handel mit strukturierten Krediten geleitet. Er hält sich in England auf und zeigt bisher kein Interesse, sich der US-Justiz zu stellen.

Artikel mit Material der Nachrichtenagentur SDA

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