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Der Migros-Präsident rüttelt am Tabu

Claude Hauser, Verwaltungspräsident der Migros, plädiert für Wein in den Regalen des Detailhändlers. Damit bricht er mit den Regeln des Gründers Gottlieb Duttweiler.

Nur Wein, kein Bier: Claude Hauser bei einer Jubiläumsansprache.(25. August 2007)
Nur Wein, kein Bier: Claude Hauser bei einer Jubiläumsansprache.(25. August 2007)
Keystone

Migros-Verwaltungspräsident Claude Hauser plädiert im Interview mit der Zeitung «Der Sonntag» für den Verkauf von Alkohol in Migros-Filialen. Damit bricht Hauser das wohl grösste Tabu des Gottlieb «Dutti» Duttweiler gegründeten Unternehmens. «Der Wein ist nichts Schädliches, zumindest bei ihm – ich spreche nicht von Bier oder Spirituosen – gibt es eigentlich keine Rechtfertigung für ein Verbot.»

Es gäbe zwar Genossenschafter, die das Alkoholverbot als Wert schätzen würden. Er teile diese Meinung aber nicht. «Problematisch finde ich, wenn Coop den Jungen in ihren Shops auch spät in der Nacht Alkohol verkauft. Aber Wein in den Regalen zu haben, mit Schweizer Weinbauern zusammen arbeiten: Das wäre absolut unproblematisch», sagt Hauser im «Sonntag».

Bereits heute verkauft die Migros über verschiedene Kanäle Alkohol – von Migrolino, Globus bis hin zu Denner und LeShop. «Das ist der Kompromiss, den wir gefunden haben: Im orangen M gibt es keinen Alkohol», sagt der Romand im «Sonntag», der Ende Juni das Präsidium nach zwei Amtszeiten altershalber abgibt.

Keine Zigaretten

Füllt die Migros ihre Regale also schon bald mit Bordeaux- und Fendant-Flaschen? Schliesslich müsste dieser Schritt von den Migros-Delegierten gutgeheissen werden. «Das ist schwer zu sagen. Aber die Zeiten ändern sich. Heute gibt es noch Genossenschafter, die Duttweiler persönlich erlebt haben. Meine Enkel werden zwar noch etwas von ihm hören, aber die Migros wird keine Religion mehr sein.»

Den Verkauf von Tabak – ein weiteres Dutti-Tabu – lehnt Hauser entschieden ab: «Das ist etwas ganz Anderes. Tabak gefällt mir nicht, jede Zigaratte schadet der Gesundheit.» Ausserdem kritisiert der Migros-Präsident im «Sonntag» das aggressive Vorpreschen der deutschen Harddiscounter Aldi und Lidl scharf: «Das sind Kriegsmaschinen.» Sie würden stets nach dem gleichen Schema expandieren. «Sie kommen, kaufen Land und stellen ihr Konzept auf 1000 Quadratmetern Verkaufsfläche und 100 Parkplätze hin.»

Es habe in jedem Land Platz für einen Harddiscounter, und in der Schweiz hätten Aldi und Lidl heute vier bis fünf Prozent Marktanteil. «Viel mehr sollten es aber nicht werden.»

Keine Senkung der Zollfreigrenze

Ein weiteres Problem für die Migros ist der Einkaufstourismus. Eine Senkung der Zollfreigrenze würde aber nichts bringen, glaubt Claude Hauser. Dies hatte Coop-Chef Joos Sutter vorgeschlagen, um den Schweizer Detailhandel von den Folgen der Frankenstärke zu schützen.

Als Lösung, wie Schweizer Läden preislich mit der Konkurrenz im grenznahen Ausland mithalten kann, sieht Hauser das Freihandelsabkommen mit Europa im Agrarbereich. Die Einkommensverluste für die Schweizer Bauern, die der Freihandel für Agrarprodukte mit sich brächte, müssten mit höheren Direktzahlungen ausgeglichen werden.

Stark steigen würden die Subventionen für die Schweizer Landwirtschaft dadurch in seinen Augen aber nicht. «Schon heute zahlen wir knapp 3 Milliarden Fr. für die Landwirtschaft. Es bräuchte wohl gar nicht viel mehr, sondern vor allem einen besseren Einsatz der Mittel», sagte Hauser. Die Schweiz könne langfristig nicht damit leben, dass ihre Landwirtschaft doppelt so teuer produziere wie das Ausland.

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