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«Der Bund muss bei der UBS möglichst schnell aussteigen»

Der Bund plant, seine UBS-Anteile zu veräussern. Für die Grossbank hätte dies eine positive Signalwirkung, glaubt Bankenexperte Hans Geiger. Die Politik aber würde ein Ausstieg nicht daran hindern, der UBS weitere Auflagen zu machen.

Herr Geiger, laut der NZZ bereitet der Bund den Ausstieg aus der UBS vor. Was ist davon zu halten? Ich würde den Ausstieg begrüssen. Es ist nicht der Zweck des Staates sich an einem privaten Unternehmen zu beteiligen. Der Bund griff der UBS unter die Arme, weil die Bank in einer Notlage war. Zu diesem Zeitpunkt war es zweifellos richtig zu helfen. Aber so etwas sollte nur alle hundert Jahre vorkommen.

Wäre es nicht besser, der Bund würde zuwarten? Immerhin stehen ihm dank der 12,5-prozentigen Verzinsung der Wandelanleihen gut 600 Millionen Franken jährlich zu. Nein. Denn man darf nicht davon ausgehen, dass es künftig an den Märkten nur noch aufwärts geht. Die UBS-Aktie hat ihren Wert seit ihrem Tiefstand verdoppelt, zuletzt ging es wieder ein wenig bergab. Aber sie bewegt sich nun in einem Bereich, in dem es für den Bund finanziell attraktiv ist, die Anleihen abzustossen. Hält der Bund seine Anteile des Geldes wegen weiter, betreibt er Spekulation. Dass sollte er aber tunlichst lassen.

Weshalb? Wichtig ist, dass der Bund einen möglichst schlanken Finanzhaushalt hat und seine Verschuldung minimiert. Er hat im Übrigen von Anfang an erklärt, dass man an einem möglichst raschen Verkauf interessiert sei. Für die lange Laufzeit der Wandelanleihe von 30 Monaten entschied man sich nur aus Gründen der Glaubwürdigkeit. Damit wollte man verhindern, dass die Bank weiter destabilisiert wird. Das Ziel muss aber sein, möglichst schnell wieder ohne Verluste auszusteigen.

Heisst das auch, dass weitere Rettungspakete für die UBS auszuschliessen sind? Nein, das hat damit nichts zu tun. Der Bund hat der UBS 6 Milliarden Franken gegeben. Veräussert er nun diesen Anteil, steht der Bank das Eigenkapital weiterhin zur Verfügung. Nur gehört dieses dann Privaten.

Wie rasch ist es für den Bund überhaupt möglich, seine Anleihen in Aktien zu wandeln und diese dann zu verkaufen – immerhin geht es um 6 Milliarden? In der Tat ist das kein leichtes Unterfangen. Was allerdings dafür spricht: Vergangene Woche wurden in den USA wesentlich höhere Beträge platziert. Von Banken, notabene, die grössere Probleme haben als die UBS. Hinzu kommt: Der Bund könnte die Anleihen auch wandeln und nur einen Teil der Aktien platzieren.

Wie würden die Märkte auf den Ausstieg des Bundes reagieren? Veräussert der Bund seine Anleihen, hätte dies eine positive Signalwirkung. Denn damit würde der Beweis erbracht, dass Investoren viel Geld in die Hand nehmen, um sich bei der UBS zu engagieren. Der Bund hat ja nicht UBS-Anteile gekauft, um ein gutes Geschäft zu machen, sondern weil sich die Bank in einer Notlage befand. Wenn nun Pensionskassen und Hegde-Funds UBS-Aktien kaufen, wäre das ein gutes Zeichen.

Ist zu erwarten, dass die Politik der UBS dann nicht mehr dreinredet? Ja und Nein. Wegbuchen könnte die Bank die – äusserst fragwürdige, aber von der Mehrheit des Parlaments unterstützte – Vertretung des Bundes im Verwaltungsrat. Auch die Boni-Politik der UBS stünde nicht mehr so stark unter Beobachtung wie heute. Vom Tisch ist die Frage nach den Entschädigungen und den Anreizsystemen von Banken deswegen aber noch lange nicht. Es ist damit zu rechnen, dass die Politik den Banken weitere Auflagen machen wird.

Die SVP fordert die Zerschlagung der Grossbanken. Wäre diese Forderung mit dem Ausstieg des Bundes vom Tisch? Nein, überhaupt nicht. Dieses Problem hängt weiterhin über der Credit Suisse und der UBS. Denn für die kleine Schweiz bleiben die Grossbanken ein Risiko. Es darf einfach nicht sein, dass eine Schweizer Bank in den USA Engagements in der Höhe von 1000 Milliarden hat und ihr Nationalbank, Bund und Einlageversicherung unter die Arme greifen müssen, wenn sie in Notlage gerät.

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