Das wahre Problem der SBB liegt im Führerstand

Dass Zugpassagiere bei grossen Verspätungen Geld verlangen können, ist zu begrüssen. Doch die Massnahme darf nicht vom grossen Problem der SBB ablenken.

Simon Widmer@WidmerSimon

Der Zeitpunkt hätte nicht besser sein können. Wenige Tage nachdem auf dem SBB-Netz unzählige Züge zu spät angekommen waren und teilweise ein Chaos geherrscht hatte, vermochte eine Nachricht des Uvek die Gemüter vorübergehend zu beruhigen. Das Verkehrsdepartement schickte Verordnungen in die Vernehmlassung, gemäss denen die Passagierrechte im öffentlichen Verkehr gestärkt werden sollen.

Bei grossen Verspätungen sollen die Passagiere künftig einen gesetzlichen Anspruch auf gewisse Leistungen erhalten. Geplant sind etwa eine vollständige Rückerstattung des Ticketpreises bei grösseren Abfahrtsverspätungen. Auch müssen Transportunternehmen bei Verspätungen und Ausfällen zwingend informieren und eine Beschwerdestelle einrichten.

Die geplanten Massnahmen sind grundsätzlich zu begrüssen. Allerdings besteht das grösste Problem zurzeit nicht darin, dass Passagiere bei Verspätungen nicht ausreichend entschädigt werden. Sondern, dass die SBB ihren eigenen Ansprüchen bezüglich Pünktlichkeit nicht nachkommen.

Höchstens Symptombekämpfung

Es besteht die Gefahr, dass sich dieses Problem zukünftig noch verschärft. Schon heute fallen Züge aus, weil es an Lokführern fehlt. In den nächsten Jahren wird sich der Personalmangel im Führerstand noch akzentuieren. Zum einen wird die Bahninfrastruktur laufend ausgebaut. Zum anderen wird ein grosser Teil der Lokführer in den nächsten Jahren pensioniert werden. Bereits rekrutieren die SBB Lokomotivführer in Deutschland – mit bislang mässigem Erfolg.

So gesehen, sind die Entschädigungen für Zugpassagiere höchstens Symptombekämpfung. Wichtiger ist es, die Arbeitsbedingungen der Lokomotivführer zu verbessern, damit sich wieder Junge für diesen Beruf begeistern können. Ansonsten werden die SBB ihr Pünktlichkeitsproblem nicht mehr in den Griff bekommen.



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