Zum Hauptinhalt springen

«Das Risiko, arbeitslos zu werden, steigt»

Die Wirtschaft in Europa stagniert. Das könnte Folgen haben für die Schweiz, sagen Ökonomen: Sie warnen vor einer höheren Arbeitslosenquote.

Zahl der Menschen ohne Job könnte steigen: Das Arbeitsvermittlungszentrum in Winterthur. (Archivbild)
Zahl der Menschen ohne Job könnte steigen: Das Arbeitsvermittlungszentrum in Winterthur. (Archivbild)
Keystone

Die europäische Konjunktur gerät ins Stocken und belastet die Schweiz zusehends. «Die heimische Wirtschaft ist nicht mehr so dynamisch wie auch schon und deshalb anfälliger für die Entwicklung in Europa», sagt Jan-Egbert Sturm von der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) gegenüber der «SonntagsZeitung». Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann sagt: «Zwei Drittel unserer Exporte gehen in den Raum der Europäischen Union. Deren Schwächen wirken sich deshalb natürlich auf unsere Wirtschaft aus. Seit dem Frühling hat der Schweizer Konjunkturmotor etwas an Fahrt verloren.»

Laut dem Leiter der Forschungsstelle für Arbeitsmarkt- und Industrieökonomik an der Universität Basel, George Sheldon, bleibt der Abschwung nicht ohne Folgen auf dem hiesigen Arbeitsmarkt. Er warnt: «Das Risiko, arbeitslos zu werden, steigt.» Dies würden Frühindikatoren zeigen. Konkret riskieren schon aus heutiger Sicht 6 bis 7 von 1000 Erwerbstätigen, ihre Stelle zu verlieren. Mitte 2011 waren nur 5 bis 6 Arbeitstätige gefährdet. «Entsprechend werden wir in den kommenden Monaten mit mehr Arbeitslosen respektive mit einer höheren Arbeitslosenquote rechnen müssen», so Sheldon.

Andere Ökonomen sind zuversichtlicher, was den Arbeitsmarkt betrifft. Einer von ihnen ist Andreas Höfert, Chefökonom der UBS. Doch auch er räumt ein: «Sollte sich die Schweizer Wirtschaft abschwächen, steigt das Risiko, dass Arbeitsplätze abgeschafft werden und die Zahl der Arbeitslosen im Inland steigt.»

Grosse Nervosität an den Märkten

An den weltweiten Börsen sorgten die Konjunkturängste derweil für heftige Reaktionen. Die grosse Nervosität an den Märkten spiegelte auch der Volatilitätsindex VSMI, der mit zweitweise 21,65 Punkten den höchsten Wert seit zwei Jahren erreichte. Aufgrund negativer Makrodaten aus der Eurozone sackte der Schweizer Leitindex SMI am Donnerstag gar kurzzeitig unter die Marke von 8000 Punkten, so tief wie noch nie in diesem Jahr. Anleger flüchteten in sichere Investmentkategorien wie amerikanische, deutsche oder eidgenössische Staatsanleihen, aber auch in Gold. Dessen Wert in Franken ist seit Anfang Jahr um 9 Prozent gestiegen, in dieser Zeit hat der SMI nur 0,6 Prozent zugelegt.

Umso stärker richten die Investoren nun ihr Augenmerk auf die anstehenden Quartalsberichte der Unternehmen. Der Industriekonzern Sulzer teilte bereits mit, in den ersten neun Monaten 2014 weniger Aufträge erhalten zu haben als im Vorjahr. Laut Ivo Zimmermann, Sprecher des Verbandes der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie, hat sich die Wirtschaftsdynamik für die ganze Branche verlangsamt. Die Folgen seien, dass immer mehr Unternehmer für die kommenden 12 Monate bezüglich ihrer Geschäftserwartungen weniger optimistisch seien, als noch Anfang Jahr.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch