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Das grosse Leiden in der Chucks-Fabrik

In einer indonesischen Fabrik von Nike wurden offenbar Arbeiter misshandelt. Der Standort stellt die beliebten Converse-Schuhe her. Der Sportartikelhersteller betont, wenig Einfluss auf die Zustände zu haben.

Von Nike 2003 aufgekauft: Converse-Schuhe in einem Laden in Jakarta, Indonesien.
Von Nike 2003 aufgekauft: Converse-Schuhe in einem Laden in Jakarta, Indonesien.
Keystone

Bei der Herstellung von Converse-Schuhen sind Arbeiter in indonesischen Fabriken misshandelt worden. Der Sportartikelhersteller Nike, dem Converse gehört, sieht sich damit erneut mit Vorwürfen konfrontiert, dass Partnerfirmen internationale Arbeitsstandards ignoriert und Angestellte unwürdig behandelt haben. 2001 hatte der US-Sportartikelhersteller angekündigt, jegliche Kooperation mit solchen Betrieben einzustellen.

Arbeiter indonesischer Zulieferer erklärten, sie würden von ihren Vorgesetzten mit Schuhen beworfen, ins Gesicht geschlagen und als Hunde und Schweine bezeichnet. Letzteres sind im grössten muslimischen Land der Welt schwere Beleidigungen. Nike räumte die Vorfälle ein, erklärte jedoch, wenig dagegen tun zu können.

Inspektionen verhindert

Die Vorfälle traten in Fabriken von Zulieferern auf, die Converse-Schuhe herstellen. Den Hersteller der Trendschuhe Chucks hatte Nike 2003 gekauft. Nike teilte mit, dass alte Verträge das Unternehmen davon abhielten, Fabriken zu inspizieren und seinen Verhaltenskodex vollständig durchzusetzen.

Recherchen der AP zeigen jedoch, dass das die Misshandlungen nicht vollständig erklären kann: Auch in einer Fabrik im indonesischen Sukabumi kam es zu Misshandlungen, die Produktion von Converse-Schuhen wurde dort erst 2007 begonnen.

«Etwas sagen und gefeuert werden»

«Wir sind machtlos», sagt eine Frau, die dort arbeitet. «Unsere einzige Wahl ist: Bleiben und leiden oder etwas sagen und gefeuert werden.» Die 10'000 überwiegend weiblichen Arbeiter der Fabrik verdienen etwa einen halben Dollar pro Stunde. Von der Nachrichtenagentur AP interviewte Arbeiter berichteten, geschlagen und bis zum Bluten gekratzt worden zu sein. Weitere erklärten, nach Beschwerden entlassen worden zu sein.

Nike hat sich nach eigenen Angaben in den vergangenen beiden Jahren darum bemüht, auch die Converse-Fabriken in das Programm zur Einhaltung von Standards des Konzerns zu integrieren. Experten bezweifeln jedoch, dass Nike alles in seiner Macht stehende tut, um Misshandlungen zu unterbinden.

«Ich halte es für unmöglich, dass eine Firma mit der Grösse und Marktmacht von Nike nicht in der Lage ist, eine lokale Fabrik in Indonesien oder sonst wo von ihrem Verhaltenskodex zu überzeugen», sagte ein Professor für Unternehmensstrategie an der City University in New York, Prakash Sethi.

Um neue Verträge bemüht

Eine Nike-Sprecherin erklärte, dass die Firma sich bei jeder Gelegenheit bemüht habe, neue Verträge abzuschliessen, die eine Einhaltung des Verhaltenskodex ermöglichten. Nike war nach jahrelanger Kritik 2005 der erste grosse Bekleidungshersteller, der die Namen und Standorte aller Fabriken offenlegte. Bis Ende des Jahres plant Nike das auch für alle Tochterfirmen zu tun.

Die jüngsten Berichte stützen sich auf Interviews der AP mit Dutzenden indonesischen Arbeitern und einen internen Bericht, den Nike der Nachrichtenagentur auf Anfrage zur Verfügung gestellt hat.

dapd/kpn

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