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Das Finanzsystem hat den Test nicht bestanden

Solle die Investmentbank Lehman Brothers tatsächlich untergehen, so würde dies zu einem Symbol des Niedergangs der Supermacht USA. Eine Analyse.

Verlierer der Finanzkrise: Lehman Brothers, New York. Die Traditionsbank, 158 Jahre alt, hat Gläubigerschutz beantragt. Sie wird wegen Fehlinvestitionen im amerikanischen Hypothekenmarkt wohl ihre Unabhängigkeit verlieren, wenn nicht sogar Bankrott gehen.
Verlierer der Finanzkrise: Lehman Brothers, New York. Die Traditionsbank, 158 Jahre alt, hat Gläubigerschutz beantragt. Sie wird wegen Fehlinvestitionen im amerikanischen Hypothekenmarkt wohl ihre Unabhängigkeit verlieren, wenn nicht sogar Bankrott gehen.
Keystone
Verlierer der Finanzkrise: Marcel Ospels UBS. Keine europäische Bank wird so tief in den Subprime-Strudel gerissen wie die UBS, nach fast 40 Milliarden Franken an Abschreibungen wird ihr Chefarchitekt Marcel Ospel wird zu einem schmählichen Rücktritt gezwungen.
Verlierer der Finanzkrise: Marcel Ospels UBS. Keine europäische Bank wird so tief in den Subprime-Strudel gerissen wie die UBS, nach fast 40 Milliarden Franken an Abschreibungen wird ihr Chefarchitekt Marcel Ospel wird zu einem schmählichen Rücktritt gezwungen.
Keystone
Gewinner der Finanzkrise: Die Credit Suisse mit Brady Dougan. Zwar muss auch die zweitgrösste Schweizer Bank Abschreiber verbuchen, aber im Vergleich zur Konkurrenz sind sie mässig: Unter Brady Dougan, der vor seiner Ernennung zum CEO das Investmentbanking leitete, blieb die CS vorsichtiger. Das zahlte sich in der Krise aus. So wurde die CS auch zur Bank, die nun im Private Banking die grössten Zuflüsse an Kundengeldern verbuchen kann.
Gewinner der Finanzkrise: Die Credit Suisse mit Brady Dougan. Zwar muss auch die zweitgrösste Schweizer Bank Abschreiber verbuchen, aber im Vergleich zur Konkurrenz sind sie mässig: Unter Brady Dougan, der vor seiner Ernennung zum CEO das Investmentbanking leitete, blieb die CS vorsichtiger. Das zahlte sich in der Krise aus. So wurde die CS auch zur Bank, die nun im Private Banking die grössten Zuflüsse an Kundengeldern verbuchen kann.
Keystone
Verlierer der Finanzkrise: Stanley O'Neal, CEO von Merrill Lynch. Als erster Chef einer Grossbank musste er wegen des Subprime-Debakels den Hut nehmen. Im Oktober 2007 trat er nach rund 8 Milliarden Abschreibungen zurück - wenig später folgte ihm Citigroup-Chef Charles Prince in die Zwangspension. O'Neal war der erste Afro-Amerikaner an der Spitze einer grossen US-Bank. Jetzt, im September, wurde unabwendbar, dass Merrill Lynch seine Unabhängigkeit verliert.
Verlierer der Finanzkrise: Stanley O'Neal, CEO von Merrill Lynch. Als erster Chef einer Grossbank musste er wegen des Subprime-Debakels den Hut nehmen. Im Oktober 2007 trat er nach rund 8 Milliarden Abschreibungen zurück - wenig später folgte ihm Citigroup-Chef Charles Prince in die Zwangspension. O'Neal war der erste Afro-Amerikaner an der Spitze einer grossen US-Bank. Jetzt, im September, wurde unabwendbar, dass Merrill Lynch seine Unabhängigkeit verliert.
Keystone
Gewinner der Finanzkrise: George Soros. Der Investor sah in den ersten Monaten des Jahres 2007 voraus, dass die Immobilienblase demnächst platzen wird. Er stiess alle entsprechenden Positionen ab, baute teilweise Short-Positionen auf und steigerte bis zum Jahresende den Wert seines Soros Fund um fast 3 Milliarden Dollar. Damit konnte er – nach viel politischer Kritik zuvor – seinen Ruf als Midas unter den Spekulanten und herausragender Finanzmarkt-Analytiker zementieren.
Gewinner der Finanzkrise: George Soros. Der Investor sah in den ersten Monaten des Jahres 2007 voraus, dass die Immobilienblase demnächst platzen wird. Er stiess alle entsprechenden Positionen ab, baute teilweise Short-Positionen auf und steigerte bis zum Jahresende den Wert seines Soros Fund um fast 3 Milliarden Dollar. Damit konnte er – nach viel politischer Kritik zuvor – seinen Ruf als Midas unter den Spekulanten und herausragender Finanzmarkt-Analytiker zementieren.
Keystone
Verlierer der Finanzkrise: Bear Stearns. Die 1923 gegründete Investmentbank mit Sitz in New York und 13000 Angestellten geriet im März in Schieflage: Nach ernsthaften Liquiditätsproblemen drohte ihr der Konkurs. Unter Führung der Zentralbank Fed kam es zu einem Notverkauf an JP Morgan.
Verlierer der Finanzkrise: Bear Stearns. Die 1923 gegründete Investmentbank mit Sitz in New York und 13000 Angestellten geriet im März in Schieflage: Nach ernsthaften Liquiditätsproblemen drohte ihr der Konkurs. Unter Führung der Zentralbank Fed kam es zu einem Notverkauf an JP Morgan.
Keystone
Gewinner der Finanzkrise: Josef Ackermann. Seine Deutsche Bank, obwohl global präsent und ein wichtiger Mitspieler im Investmentbanking, wurde kaum angeschlagen durch die Turbulenzen an den Märkten. Im Jahr der Branchenkrise 2007 fuhr Deutschlands grösste Bank einen Rekordgewinn ein.
Gewinner der Finanzkrise: Josef Ackermann. Seine Deutsche Bank, obwohl global präsent und ein wichtiger Mitspieler im Investmentbanking, wurde kaum angeschlagen durch die Turbulenzen an den Märkten. Im Jahr der Branchenkrise 2007 fuhr Deutschlands grösste Bank einen Rekordgewinn ein.
Keystone
Verlierer der Finanzkrise: Die Dresdner Bank. Das deutsche Traditionshaus schrieb letztes Jahr tiefrote Zahlen, vor allem wegen Einbussen bei ihrem Investmentbanking-Arm. Ende August verkaufte das Mutterhaus Allianz ihr Sorgenkind an die Commerzbank. Die Dresdner Bank soll nun als eigenständiges Haus verschwinden.
Verlierer der Finanzkrise: Die Dresdner Bank. Das deutsche Traditionshaus schrieb letztes Jahr tiefrote Zahlen, vor allem wegen Einbussen bei ihrem Investmentbanking-Arm. Ende August verkaufte das Mutterhaus Allianz ihr Sorgenkind an die Commerzbank. Die Dresdner Bank soll nun als eigenständiges Haus verschwinden.
Keystone
Verlierer der Finanzkrise: Fannie Mae und Freddie Mac. Die beiden Hypothekenbanken – die grössten Baufinanzierer der USA – provozierten letzte Woche die US-Regierung zu einem Staatseingriff. Um ihren Zusammenbruch zu verhindern, nahm die Regierung Fannie und Freddie unter ihre Fittiche. Die beiden Institute garantieren mehr als die Hälfte aller amerikanischen Hypotheken.
Verlierer der Finanzkrise: Fannie Mae und Freddie Mac. Die beiden Hypothekenbanken – die grössten Baufinanzierer der USA – provozierten letzte Woche die US-Regierung zu einem Staatseingriff. Um ihren Zusammenbruch zu verhindern, nahm die Regierung Fannie und Freddie unter ihre Fittiche. Die beiden Institute garantieren mehr als die Hälfte aller amerikanischen Hypotheken.
Keystone
Gewinner der Finanzkrise: Die Zürcher Kantonalbank. In der Schweiz mussten die Kantonal- und Regionalbanken wegen der internationalen Probleme ebenfalls Rückgänge im Handelsgeschäft verbuchen, doch sie profitierten von der Verunsicherung: Kunden von Grossbanken wanderten zu ihnen ab. So flossen der ZKB im ersten Halbjahr 2008 über 6 Milliarden Franken an neuen Kundengeldern zu.
Gewinner der Finanzkrise: Die Zürcher Kantonalbank. In der Schweiz mussten die Kantonal- und Regionalbanken wegen der internationalen Probleme ebenfalls Rückgänge im Handelsgeschäft verbuchen, doch sie profitierten von der Verunsicherung: Kunden von Grossbanken wanderten zu ihnen ab. So flossen der ZKB im ersten Halbjahr 2008 über 6 Milliarden Franken an neuen Kundengeldern zu.
Keystone
Verlierer der Finanzkrise: Northern Rock. Das englische Institut wird zur ersten europäischen Bank, die wegen der US-Krise zusammenbricht. Im September 2007 muss Northern Rock eingestehen, dass Liquiditätsprobleme drohen. Als die Kunden panikartig ihre Konto auflösen, droht der Konkurs. Northern Rock wird verstaatlicht.
Verlierer der Finanzkrise: Northern Rock. Das englische Institut wird zur ersten europäischen Bank, die wegen der US-Krise zusammenbricht. Im September 2007 muss Northern Rock eingestehen, dass Liquiditätsprobleme drohen. Als die Kunden panikartig ihre Konto auflösen, droht der Konkurs. Northern Rock wird verstaatlicht.
Keystone
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Wenn Finanzminister Hank Paulson über das Wochenende arbeitet, wird es für den amerikanischen Steuerzahler teuer: Die Hilfsaktion von Bear Stearns hat gegen 30 Milliarden Dollar gekostet, die Rettung von Fannie Mae und Freddie Mac könnte auf mehr als 200 Milliarden Dollar zu stehen kommen.

Angesichts des drohenden Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers empfehlen deshalb Witzbolde Paulson, er solle sich an diesem Wochenende entspannen. Er solle seinem Hobby, dem Beobachten von Vögeln frönen, aber bitte, bitte, ja nicht arbeiten.

An Wallstreet ist inzwischen jedoch den meisten das Lachen vergangen. Die Entwicklung der Subprimekrise ist zu einer Krise des modernen Kapitalismus geworden. Das ist zum einen sehr teuer: Die ersten Schätzungen gingen von einem Schaden von 100 Milliarden aus. Inzwischen sind 500 Milliarden verloren.

Der Internationale Währungsfonds rechnet mit Kosten in der Höhe von 1000 Milliarden und der Crash-Prophet Nouriel Roubini ist bereits bei 2000 Milliarden angelangt. Dummerweise hat Roubini mit seinen Prognosen bisher stets Recht gehabt.

Krise zerstört Jobs en masse

Die Krise vernichtet zudem im grossen Stil Arbeitsplätze. Im ersten Halbjahr 2008 sind im Finanzsektor 83'000 Arbeitsplätze vernichtet worden. Die Übernahme von Bear Stearns durch JP Morgan allein hat 7000 Banker den Job gekostet, bei Lehman stehen jetzt nochmals 23’000 Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Was doppelt bitter ist: Wer seine Stelle verliert, kann sich häufig auch noch seine Pension ans Bein streichen. Diese war nämlich zum grössten Teil in Aktien der eigenen Banken angelegt worden und diese Aktien sind praktisch wertlos geworden.

Die Krisen des 20. Jahrhunderts fanden an der Peripherie statt, in Mexiko, Indonesien oder Russland. Diesmal ist das Herz des Systems betroffen. Das wirft grundsätzliche Fragen auf: So erklärt der ehemalige Präsident der amerikanischen Notenbank, Paul Volcker: «Einfach gesagt, unser wunderschönes neues Finanzsystem mit all seinen talentierten Teilnehmern und seinen reichen Belohnungen – hat den Test im Markt nicht bestanden.»

Ende des Neoliberalismus

Dieses Marktversagen wird auf verschiedenen Ebenen politische Konsequenzen haben. Zum einen ist es eine Absage an den Neoliberalismus. Um eine langjährige Wirtschaftkrise wie in Japan zu verhindern, wirft die konservative US-Regierung ihre Überzeugungen über Bord und setzt den Staat ein, um den Kollaps der Wirtschaft zu verhindern.

Dabei nimmt sie keine Rücksichten auf die Staatsfinanzen: 150 Milliarden Dollar für ein Ankurbelungsprogramm, 200 Milliarden für die Sicherung der Hypotheken, etc.

Das weckt andernorts Begehrlichkeiten. Bereits will auch die notleidende Autoindustrie 50 Milliarden Dollar für die Entwicklung neuer Autos, das ist weit mehr als die Sanierung von Chrylser in den Achtzigerjahren gekostet hat.

Auswirkungen wird dies auch auf die Geopolitik haben. Militärisch sind die USA zwar noch lange die unbestrittene Nummer eins. Die Finanzkrise kratzt jedoch immer stärker am Image der Supermacht.

Wenn der Finanzminister jedes Wochenende eine Bank oder einen multinationalen Konzern retten muss, fördert das weder das Vertrauen noch den Respekt gegenüber den USA. So gesehen sollte sich Hank Paulson vielleicht wirklich ein freies Wochenende gönnen.

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