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Credit Suisse bleibt im Sturmtief gefangen

Die Grossbank zieht sich warm an. Sie erwartet Winterstürme. In den Büchern stehen noch Risikopapiere im Wert von 31,5 Milliarden Franken.

Die Beteuerung klang auch schon frischer: Die Credit Suisse werde ihre Position der relativen Stärke nützen – aber erst dann, wenn der Markt drehe. Dies gelte nach der Kapitalerhöhung von letzter Woche erst recht, sagte CS-Chef Brady Dougan gestern anlässlich der Präsentation der Neunmonatszahlen.

Seine Bank hatte letzte Woche mit dem Verkauf von Aktien aus eigenen Beständen ihr Kapital um 10 Milliarden Franken aufgestockt. Dies war nach dem September-Crash eine vertrauensbildende Massnahme, die Ruhe und Verlässlichkeit signalisieren sollte. Finanzchef Renato Fassbind wiederholte gestern, dass die Credit Suisse den jüngsten Krisenausbruch auch ohne Kapitalspritze durchgestanden hätte. Jetzt stehe die Credit Suisse da als die wohl am stärksten kapitalisierte Grossbank weltweit.

Die hohe Kapitalisierung sei im Moment ein Konkurrenzvorteil. Die Lehman-Pleite habe die Bank ohne nennenswerte Blessuren überstanden, sagte Fassbind weiter. Dies im Gegensatz zu den Kunden, denen die Credit Suisse Lehman-Papiere massenweise verkauft hatte, die jetzt aber mit einem Totalausfall konfrontiert sind.

Nach einem 2,5-Millionen-Abschreiber und einem Minus im Handel hat die Bank im vergangenen Quartal 1,26 Milliarden Franken Verlust geschrieben. Seit Anfang Jahr bedeutet dies ein Minus von 2Milliarden. Auch wenn es Brady Dougan gestern nur darum ging, die seit letzter Woche bekannten Quartalszahlen zu präzisieren, war die Reaktion der Börse heftig: Die Aktie brach zeitweise um über 10 Prozent ein. Was ist passiert?

Die Credit Suisse erwartet in den kommenden Monate keine Beruhigung der Märkte. «Es gibt keinen Anlass für eine Entwarnung oder gar kurzfristigen Optimismus», sagte Dougan. Seine Bank stelle sich deshalb vorsichtig, um nicht zu sagen sehr vorsichtig auf. Dougan bekräftigte, was er letzte Woche im TA-Interview gesagt hatte: Dass die Credit Suisse darauf verzichte, gegenüber der Marktentwicklung eine Position einzunehmen. Es gehe darum, das Geschäft konservativ zu betreiben und die Risiken zu reduzieren. Für Luftsprünge an der Börse sei damit kaum Raum vorhanden.

Was den Aktienkurs gestern zusätzlich belastete? Es ist klar geworden, dass bis Ende Jahr weitere Abschreiber anstehen – sofern sich die Märkte nicht erholen. Betroffen sind die Bereiche Geschäftshypotheken und Übernahmefinanzierung, die bis weit in die Krise hinein als widerstandsfähig galten. Hier ist die Credit Suisse mit 24,7 Milliarden Franken exponiert, abgesichert sind 7 Milliarden. Vor allem im Juli und August wurden diese Positionen um 4,3 Milliarden abgebaut.

Die dritte bittere Pille: Verschiedene Grossinvestoren zeigen der CS die kalte Schulter. Aus dem Asset Management flossen Kundenvermögen von 16,5 Milliarden Franken ab. Die von der Credit Suisse insgesamt verwalteten Vermögen reduzierten sich damit innerhalb eines Jahres um 13 Prozent auf 1370 Milliarden Franken.

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