Credit-Suisse-Aktie im freien Fall

Die zweitgrösste Schweizer Bank schreibt tiefrote Zahlen und streicht 4000 Stellen. Die Börse reagiert heftig auf die schlechten Nachrichten.

Die Bank in einem «besonders schwierigen Umfeld»: Grafik mit Aktienkursverlauf der Credit Suisse.

Die Bank in einem «besonders schwierigen Umfeld»: Grafik mit Aktienkursverlauf der Credit Suisse.

Das erste Jahr unter dem neuen Chef Tidjane Thiam endet für die Credit Suisse mit einem grossen Verlust. Wie erwartet verbucht die Bank eine Abschreibung auf den Goodwill in der Investmentbank. Aber auch Kosten für den Umbau der Bank und weitere Rückstellungen belasten das Ergebnis.

Zum Handelsstart haben die Papiere der Credit Suisse massiv an Wert eingebüsst. Am Schluss notierten sie bei -11 Prozent auf 14,73 Franken. Im Tagestief ging es bis auf 14,36 Franken hinab.

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Analysten konsterniert

In Analystenkreisen zeigt man sich erschüttert, was die Geschäftsentwicklung im Schlussquartal anbetrifft. Die Erträge seien dem Unternehmen regelrecht weggebrochen, so heisst es. Als «Fels in der Brandung» wird die Universalbank Schweiz bezeichnet.

In allen anderen Geschäftszweigen seien die Erträge und der Beitrag vom Vorsteuerergebnis deutlich schwächer als erwartet ausgefallen. Selbst unter Ausklammerung einmaliger Belastungen wie Goodwill-Abschreibungen, Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten oder Restrukturierungskosten habe die Credit Suisse die Konsensschätzungen klar verfehlt, so lautet der Tenor.

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Im vierten Quartal 2015 fuhr die CS einen Vorsteuerverlust von 6,44 Milliarden Franken ein. Für das Gesamtjahr beträgt diese Kennzahl 2,4 Milliarden Franken. Nach Steuern beträgt das Minus allerdings 2,9 Milliarden Franken.

Zudem kündigte die CS einen Abbau von «etwa 4000 Stellen» an. Zu diesem Schritt habe man sich wegen «des besonders schwierigen Umfelds» entschieden. Die beschlossenen Sparmassnahmen sollen die Fixkosten um jährlich 500 Millionen Franken senken.

Ein Sprecher der Bank konnte auf Anfrage von baz.ch/Newsnet nicht präzisieren, in welchen Bereichen und Ländern der Stellenabbau durchgeführt wird. Er verwies jedoch auf eine Aussage des CS-Chefs vom vergangenen Oktober. Damals kündigte Thiam an, man streiche 1600 Jobs in der Schweiz und 1800 in London. Die heutige Ankündigung beinhaltet diese insgesamt 3400 Stellen. Der bereits laufende Schrumpfungsprozess wird nun nach Angaben des CS-Sprechers akzentuiert. 600 weitere Stellen fallen Sparmassnahmen zum Opfer.

Flaues Handelsgeschäft der Investmentbank

Ein Grossteil der Wertberichtigungen im Umfang von 3,8 Milliarden Franken geht auf den im Jahr 2000 getätigten Kauf der amerikanischen Investmentbank Donaldson, Lufkin&Jenrett (DLJ) zurück, wie die Credit Suisse heute mitteilte. Zu den Goodwill-Abschreibungen dazu kommen noch bereits im vierten Quartal verbuchte Kosten für den Umbau der Bank in der Höhe von 355 Millionen Franken und 821 Millionen Franken Rückstellungen für Rechtsfälle.

Ohne diese Sondereffekte hätte die Credit Suisse 2015 einen bereinigten Vorsteuergewinn von 4,2 Milliarden Franken erzielt. Im Vorjahr belief sich dieser Wert noch auf 6,3 Milliarden Franken. Die Geschäftsregion Asien, das Private Banking in der internationalen Vermögensverwaltung und das Schweizer Geschäft haben gemäss CS operativ gute Ergebnisse erzielt.

Der Vorsteuergewinn im Handelsgeschäft der Investmentbank dagegen reduzierte sich von 2,7 Milliarden Franken 2014 auf 1,1 Milliarden Franken, was laut CS vor allem auf die Turbulenzen an den Börsen und Verlusten im Anleihengeschäft zurückzuführen ist. Auch im Beratungsgeschäft der Investmentbank reduzierten sich der Gewinn.

rub/sda

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