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China sucht den Supermanager

China spielt gerne den Klassenbesten: Die Regierung möchte um jeden Preis die grössten Konzerne der Welt im eigenen Land wissen. Dafür wird jetzt eine neue Riege von Supermanagern gesucht.

Kompetente Manager sind gefragt: Grosses Eröffnungsfest des zweiten Ritz-Carlton-Hotels in Shanghai mit den Geschäftsführern, Juni 2010. (Bild:AFP)
Kompetente Manager sind gefragt: Grosses Eröffnungsfest des zweiten Ritz-Carlton-Hotels in Shanghai mit den Geschäftsführern, Juni 2010. (Bild:AFP)

Die Meldung ist gerade zwei Wochen alt: Mit atemberaubenden Wachstumsraten hat China Japan als zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt hinter den USA abgelöst. 133 Billionen Dollar betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) allein im zweiten Quartal. Doch damit nicht genug will die Regierung in Peking den Rest der Welt offenbar auch in der Rangordnung der effizientesten und wettbewerbsstärksten Konzerne überholen - und sucht eine neue Riege von Supermanagern.

Die staatliche Aufsichtsbehörde SASAC veröffentlichte eine zweiseitige Ausschreibung in der «China Daily», der grössten englischsprachigen Tageszeitung der Volksrepublik: Gesucht werden «Kandidaten aus der Heimat ebenso wie aus dem Ausland». Zu haben sind Top-Posten in zwölf der grössten staatseigenen Unternehmen, unter anderem beim grössten Atomkonzern China National Nuklear, dem grössten Baukonzern China State Construction Engineering und bei Dongfeng Motor, dem lokalen Partner des japanischen Autobauers Nissan.

«Peking möchte 30 bis 50 Staatsbetriebe mit starker internationaler Wettbewerbsfähigkeit schaffen», sagte SASAC-Chef Li Rongrong den chinesischen Medien bereits im Juli. Plan der Regierung sei es, ihre Unternehmen weltweit zu «absoluter Dominanz» in Industrien wie Energie, Telekommunikation, Luftverkehr oder Schifffahrt zu treiben, erklärte Li.

Peking behält das letzte Wort

Staatskonzerne wie China Telecom oder der Ölriese PetroChina - nach Exxon Mobil der zweitgrösste Konzern weltweit - arbeiten bereits hart daran, so profitabel wie möglich zu wirtschaften. Spannungen mit der Regierung sind dennoch nicht selten, denn immer wieder durchkreuzt Peking die Effizienzanstrengungen der Manager. Die Politiker haben eigene - kostenintensive - Ideen, so die Förderung ärmerer Regionen oder den Entwurf einer dritten Generation von chinesischen Mobiltelefonen.

Aus Sicht von Albert Louie, einem altgedienten Wirtschaftsberater in Peking, wird die zukünftige Managerriege diesen politisch motivierten Entscheidungen Vortritt lassen müssen. «Das Anwerben von neuen Talenten bedeutet nicht, ihnen auch gleichzeitig Autorität zu übertragen», sagt Louie. «Die endgültigen Entscheidungen trifft weiterhin die Regierung.»

Privatwirtschaft auf dem absteigenden Ast

Dass die chinesische Industrie von den Initiativen aus Peking profitiert, ist nicht von der Hand zu weisen. Mit der Vorgabe zum Bau neuer Autobahnen blühen vor allem staatlich dominierte Bereiche wie die Stahl- und Zementindustrie auf. Unterzugehen droht jedoch mehr und mehr die Privatwirtschaft. Ohne staatliche Unterstützung werden die Unternehmen immer schwächer. Um diese Kluft zu beschreiben, hat die chinesische Presse bereits ein Sprichwort gefunden: «Guo jin, min tui», was soviel bedeutet wie: «Der Staat wächst, der private Sektor schrumpft.»

Sich einen Platz in der chinesischen Wirtschaftswelt zu erkämpfen, scheint schier unmöglich. Denn die SASAC überwacht 123 Unternehmen, darunter der weltweit grösste Mobilfunkanbieter China Mobile, die Bank of China, der Versicherer China Life Insurance und der Ölriese ChinaPetro. Allein im ersten Halbjahr erwirtschafteten die Konzerne zusammen einen Umsatz von etwa 79,5 Milliarden Dollar - 60 Prozent mehr als im vergangenen Jahr.

dapd Joe McDonald/ AP/bru

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