Zum Hauptinhalt springen

China riecht das nordamerikanische Gas

Mit neuen Techniken gelingt es Nordamerika immense Energievorräte zu erschliessen. Dies weckt die Investitionsfreude der Chinesen – in den USA bisher vergeblich, doch in Kanada ist nun ein riesiger Energiedeal geplant.

Unter diesem Boden verbergen sich Milliarden Dollar: Gasvorkommen in Parachute, Colorado. (Archivbild)
Unter diesem Boden verbergen sich Milliarden Dollar: Gasvorkommen in Parachute, Colorado. (Archivbild)
Keystone

Die USA haben grosse Mühe ihren Wirtschaftsmotor wieder in Gang zu bringen. Dabei ist der hohe Ölpreis einer der Hauptfaktoren, weshalb dem Land der grosse Befreiungsschlag nicht gelingen will, den auch Barack Obama im Hinblick auf die Wahlen so dringend benötigen würde. Der hohe Energieverbrauch ist seine Achillesferse: China hat die USA inzwischen zwar als weltweit grösster Konsument überholt, doch beim Pro-Kopf-Verbrauch belegt das Land weiterhin den Spitzenplatz. Entsprechend hoch sind die Ausgaben, die die USA gegenüber den ölfördernden Länder zu tätigen haben. Und entsprechend gross ist die Abhängigkeit.

Es ist daher naheliegend, dass sich die Regierung nach alternativen Energiequellen umsieht. Mit Schiefergas – auf englisch Shale Gas – sind Energiefirmen dabei schon länger fündig geworden. Das Problem war und ist der Abbau des Rohstoffes. Denn anders als herkömmliches Erdgas tritt es nicht durch eine einfache Bohrung in den Fels zutage. Das Schiefergas versteckt sich bisweilen tief im Fels, in isolierten Hohlräumen und Spalten im Tonstein. Um es abzubauen, müssen aufwändige und risikoreiche Querbohrungen und Sprengungen vollzogen werden. Mittels Wasserdruck müssen die dazwischenliegenden Gesteinsschichten aufgebrochen werden.

«Amerika steht vor einer gigantischen Rohstoff-Revolution »

Die USA haben das Potenzial des Gases früh entdeckt und deshalb eine Pionierrolle bei der Entwicklung neuer Fördertechniken eingenommen. Inzwischen ist das Land zu den weltgrössten Gasproduzenten aufgerückt. «Amerika steht vor einer gigantischen Rohstoff-Revolution», schreibt etwa das Portal «Welt online». Auch die Rohstoffexperten geben sich enthusiastisch: «Amerika macht 2020 dem Nahen Ost den Rang als führende Energienation streitig», sagt etwa Edward Morse, Rohstoffstratege bei der Citigroup. Oder Alfred Roelli, Chef-Anlagestratege von der Schweizer Privatbank Pictet, sagt: «Die Lage Amerikas verbessert sich heimlich, still und leise».

Nebst der komplizierten Förderung birgt der Abbau von Schiefergas noch ein weiteres Problem: Die Umweltbelastung. Dies ist mit ein Grund, weshalb in Europa die Gewinnung noch nicht so weit fortgeschritten ist. Auf dem alten Kontinent sind die Auflagen strikter: Das deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen beispielsweise hat das Fracking erst einmal verboten, bis gesicherte Erkenntnisse über die Technologie vorliegen, schreibt «Welt online».

Umstrittener Abbau

Gemäss dem deutschen Energieexperten Werner Zittel birgt der Abbau gleich mehrere Risiken. So würden dem Wasser auch giftige Chemikalien beigemischt, damit sich die gebohrten Kanäle nicht wieder schliessen. Zudem könne es auch vorkommen, dass Gas ins Grundwasser gelangt. In mindestens einem Fall sei in den USA bereits ein Haus explodiert, weil beim Öffnen des Wasserhahns Gas in die Räumlichkeiten trat, sagt Zittel gegenüber «N-TV». Ungeachtet dieser Probleme: Schiefergas macht inzwischen rund ein Viertel des in den USA geförderten Gases aus. Tendenz steigend. Experten rechnen damit, dass die USA in Zukunft ihren eigenen Energiebedarf damit gar vollständig decken können.

Auch im benachbarten Kanada besteht Potenzial für eine energiepolitische Unabhängigkeit. Dort heisst das Zauberwort Ölsand, dessen immense Vorkommen ebenfalls nur mit einer sehr umstrittenen Methode abgebaut werden können (Redaktion Tamedia berichtete). Doch diesen Markt haben nun auch die Asiaten entdeckt, die ihren grossen Energiehunger vermehrt mit Investitionen in anderen Kontinenten zu decken versuchen.

China investiert in Ölsand-Vorkommen

Bereits Anfang Jahr wurde bekannt, dass Petro China ein Ölförderprojekt in Kanada übernimmt. Nun setzt der chinesische Ölkonzern CNOOC nach, indem er ankündigt, die kanadische Förderfirma Nexen für 15 Milliarden Dollar zu schlucken. Damit würde sich der von Peking kontrollierte Konzern auf einen Schlag riesige Öl- und Gasvorkommen rund um den Globus sichern. Den Nexen-Aktionären, die noch Ja sagen müssen, wird die Übernahme durch einen satten Preisaufschlag von 61 Prozent zum Schlusskurs von letzter Woche schmackhaft gemacht.

Nach Angaben des «Wall Street Journal» wäre dies damit die grösste Übernahme eines chinesischen Unternehmens im Ausland überhaupt. Nexen beutet unter anderem Ölsand-Vorkommen in seinem Heimatland aus und bohrt in der Tiefsee nach Öl und Gas.

2005 übernahm der chinesische Staatskonzern bereits einen Anteil von 16,7 Prozent an dem Ölsand-Entwickler MEG Energy für rund 120 Millionen Dollar. Im November schloss er den rund zwei Milliarden Dollar schweren Kauf von Opti Canada ab, eines weiteren Ölsand-Ausbeuters. In beiden Fällen stiessen die Chinesen auf keinen Widerstand – anders als in den USA, wo CNOOC 2005 mit dem Versuch scheiterte, den Öl- und Gasproduzenten Unocal für 18,5 Milliarden Dollar zu übernehmen.

Allerdings blockierte die Regierung in Ottawa vor zwei Jahren einen Verkauf des weltgrössten Düngemittelherstellers Potash an den anglo-australischen Bergbaukonzern BHP Billiton.

Mit Material der Nachrichtenagentur SDA.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch