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Blatter wusste offenbar von umstrittener 10-Millionen-Zahlung

Wie eine E-Mail den Fifa-Skandal in die höchste Etage von Südafrikas Regierung trägt.

Sollen die umstrittene Zahlung an Concacaf-Chef Jack Warner vereinbart haben: Fifa-Chef Sepp Blatter (links) und der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki. Im Bild: Übergabe der Fairplay-Flagge zur WM-Austragung 2010.
Sollen die umstrittene Zahlung an Concacaf-Chef Jack Warner vereinbart haben: Fifa-Chef Sepp Blatter (links) und der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki. Im Bild: Übergabe der Fairplay-Flagge zur WM-Austragung 2010.
Jon Hrusa, Keystone

Der Inhalt einer der Johannesburger ­Wochenzeitung «Sunday Times» zugespielten E-Mail von Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke an den ehemaligen südafrikanischen Vizefinanzminister Jabu Molekedi ist brisant. Er zeigt, dass die umstrittene Zahlung von 10 Millionen Dollar an den damaligen Concacaf-Chef Jack Warner zwischen dem südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki und Fifa-Chef Sepp Blatter selbst vereinbart worden war. Valcke schrieb am 7. Dezember 2007: «Ich wüsste gern, wann der Transfer vonstattengehen kann. Er basiert auf Diskussionen zwischen Fifa und der südafrikanischen Regierung und zwischen unserem Präsidenten und Seiner Exzellenz Präsident M’Beki» (sic!).

Nach Auffassung der US-Staatsanwaltschaft und der Aussage des ehemaligen Fifa-Verantwortlichen Chuck Blazer handelt es sich bei dieser Zahlung um Schmiergeld für Warner, der dafür seine Stimme und die zweier weiterer Concacaf-Funktionäre für die Ausrichtung der WM 2010 in Südafrika in die Waagschale warf. Dagegen behauptet die südafrikanische Regierung, bei dem Geld handle es sich um die Unterstützung der afrikanischen Diaspora in der Karibik, dem sogenannten Diaspora-Vermächtnis-Programm.

Laut US-Staatsanwaltschaft leitete Warner einen Grossteil der Summe in seine eigene Tasche oder wusch die Gelder über befreundete Unternehmen – fast 5 Millionen Dollar über die Trinidader Supermarktkette JTA. Fast 1,6 Millionen Dollar benutzte der 2011 als stellvertretender Fifa-Präsident zunächst suspendierte und dann zurückgetretene Sportfunktionär, um persönliche Kredite zu bezahlen. Fast eine halbe Million Dollar wurde von Warner nahestehenden Personen abgehoben.

Weitere Eskalation erwartet

Südafrikas Regierung behauptet, von den Machenschaften Warners nichts gewusst zu haben. «Wir hatten es mit einem ehrlichen Mann zu tun», sagte Sportminister Fikile Mbalula: «Wenn er sich später als Schurke herausstellt, ist das nicht unsere Schuld.» Warner war allerdings bereits zum damaligen Zeitpunkt durch einen Betrugsfall mit Eintrittskarten ins Gerede gekommen. Die entscheidende Frage ist jedoch, ob die Südafrikaner die 10 Millionen Dollar tatsächlich im Glauben nach Trinidad überwiesen, dass es sich dabei um Unterstützung des karibischen Fussballs handelte. Oder ob es sich um eine getarnte Schmiergeldzahlung handelte. Die 10 Millionen Dollar wurden Warner «ohne Bedingungen» zugeleitet, räumte die südafrikanische Regierung jüngst ein.

Ob es das Diaspora-Vermächtnis-Programm ausser auf dem Papier tatsächlich gab, ist zumindest umstritten. Zwei Ex-Minister, die inzwischen den regierenden ANC verlassen haben, sagten in der vergangenen Woche, von dem Programm niemals gehört zu haben. In öffentlichen Erklärungen der südafrikanischen Regierung oder des Fussballverbandes Safa schlug sich die ungewöhnlich grosszügige Überweisung nicht nieder. Präsident Mbeki sprach lediglich in allgemeinen Worten von der Notwendigkeit, auch die afrikanische Diaspora in anderen Teilen der Welt von der ersten Fussballweltmeisterschaft auf afrikanischem Boden profitieren zu lassen.

Unterdessen hat der Skandal unter leitenden Mitgliedern des damaligen örtlichen Organisationskomitees der WM (LOC) einen heftigen Streit ausgelöst. In der Sonntagspresse warf LOC-Präsident Molefi Olifant dem damaligen Generalsekretär Danny Jordaan «Verrat» vor, weil er einen Brief Olifants über die Überweisung des Geldes der Presse zugespielt habe, während er einen eigenen Brief, den er in derselben Sache drei Monate früher geschrieben hatte, zurückgehalten habe. Auch Jordaans Brief wurde inzwischen der Presse zugespielt. Südafrikas Regierung hatte versucht, den Streit unter der Decke zu halten. Dass der Skandal weiter eskaliert, scheint nur eine Frage der Zeit zu sein.

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