Bessere Regeln im Geschäft mit der Vorsorge

Interessenkonflikte in Pensionskassen können Versicherte gefährden. In gewissen Fällen braucht es strengere Auflagen.

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Sammeleinrichtungen beruhen eigentlich auf einer guten Idee: Un­abhängig von grossen Versicherungen sollten Arbeitgeber in solchen Ein­richtungen die Altersvorsorge ihrer Angestellten auf ein solides Fundament stellen können und das angesparte Kapital von Fachleuten verwalten lassen. Deren Bedeutung wächst, da sich kleinere Vorsorgewerke zusammenschliessen und weil das Geschäft mit Vollversicherungen darbt. Per Ende 2017 war bei steigenden Zahlen rund jeder fünfte Angestellte bei einer Sammeleinrichtung. Von der Politik bisher weitgehend unbemerkt, gibt es aber auch besorgniserregende Entwicklungen. Das Beispiel der aargauischen Sammel­einrichtung Phoenix illustriert, zu welchen Interessenkonflikten es kommen kann. Die dort festgestellten Geschäfte mit Nahestehenden sind keine Seltenheit.

Es gibt schwarze Schafe, die nach dem Prinzip handeln: Erlaubt ist, was nicht verboten ist.

Meist gehen Pensionskassen verantwortungsvoll mit Vorsorgegeldern um. Doch es gibt auch schwarze Schafe, die nach dem Prinzip handeln: Erlaubt ist, was nicht verboten ist. Die von der Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge vorgeschlagene Weisung, die derzeit diskutiert wird, zielt in die richtige Richtung. Sie würde darauf hinwirken, dass Vorsorgeeinrichtungen mit höherem Risikoprofil strengere Auflagen erfüllen müssten.

Unabhängig davon braucht es schleunigst eine gesetzliche Vorgabe, die den Interessenkonflikt beim Geschäft mit Provisionen unterbindet. Gemäss einer Studie der Pensionskassen­beraterin C-Alm zahlen Vorsorgeeinrichtungen jährlich 300 Millionen Franken an Vermittler – sogenannte Broker –, die ihnen im Auftrag von Arbeitgebern Versicherte zuschanzen. So gerät ein Broker in Versuchung, die attraktivste Provision auszuwählen, anstatt die für den Arbeitgeber ideale Lösung zu finden. Das erinnert an die Kickbacks, die Vermögensverwalter lange Zeit bei Wertschriftengeschäften kassierten. Dieser Praxis haben Gerichte einen Riegel vorgeschoben. Wenn solche Geschäfte beim Wertschriftenhandel nicht mehr toleriert werden, müssen sie bei der existenz­sichernden Altersvorsorge erst recht unterbunden werden.

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