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Axel Weber und die Angst vor einem Schattenbanken-System

Der UBS-Präsident befürchtet, dass der Umbau bei den Investmentbanken die Risiken in nichtregulierte Finanzsektoren verlagert.

Veränderungen sind angesagt: UBS-Sitz am Zürcher Paradeplatz. (Archivbild, 10. August 2012)
Veränderungen sind angesagt: UBS-Sitz am Zürcher Paradeplatz. (Archivbild, 10. August 2012)
Arnd Wiegmann, Reuters
Führt die Grossbank in die Zukunft: Konzernchef Sergio Ermotti. (Archivbild, 7. Februar 2012)
Führt die Grossbank in die Zukunft: Konzernchef Sergio Ermotti. (Archivbild, 7. Februar 2012)
Steffen Schmidt, Keystone
Steht auf dem Prüfstand: UBS-Sitz in New York. (Archivbild, 1. August 2009)
Steht auf dem Prüfstand: UBS-Sitz in New York. (Archivbild, 1. August 2009)
Martin Ruetschi, Keystone
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Am Dienstag wurde bekannt, dass die UBS ihre Struktur umbaut, um Risiken zu minimieren und den neuen regulativen Anforderungen zu entsprechen: der Eigenhandel wird zurückgefahren oder umstrukturiert. Der weltweite Stellenabbau ist nur die eine Seite dieses Beschlusses. Welche neuen Risiken ein solcher Umbau, insbesondere das Gesundschrumpfen des Investmentsektors birgt, darauf deutet UBS-Präsident Axel Weber im Interview mit der «Handelszeitung» hin. (Artikel online noch nicht verfügbar.) Dieser führe zu einem Braindrain im Bankensektor. Konkret wird befürchtet, dass die über Jahre gehätschelten Investmentbanker sich selbstständig machen, eigene Hedgefonds gründen und damit weiter im Bereich der hochspekulativen Finanzgeschäfte tätig bleiben, welche die Grossbanken nach eigenem Bekunden weitgehend einschränken wollen.

Abwanderung in vollem Gang

Die Abwanderung hochbezahlter Finanzspezialisten vom Banken- in den Nichtbankensektor ist an der Wallstreet aber auch bei den Grossbanken schon seit einigen Jahren in Gang. Die ehemaligen sogenannten Goldjungen wollen sich mit den Einschränkungen nicht zufrieden geben, vermissen die Herausforderung der Hochrisikospekulationen. Also gründen sie ihre eigenen, unabhängigen Firmen und bauen damit eine neue Gefahrenkulisse auf, wie UBS-Präsident Axel Weber im Interview mit der «Handelszeitung» erläutert. «Je stärker der Bankensektor reguliert wird, desto grösser ist die Gefahr, dass Aktivitäten in den Schattenbanken- oder nicht-regulierten Bereich abwandern.» Da solche kleinen Finanzsdienstleistungsfirmen keinen Bankenstatus haben, unterliegen sie auch nicht dem Regulierungssystem. Das bedeutet, dass die Grossbanken ihre eigenen Risiken und damit die der Aktionäre zwar reduzieren, die Gefahr für das gesamte Finanzsystem jedoch bestehen bleibt – und durch die Hintertür auch wieder auf die Grossbanken zurückfallen könnte.

Regulierungen greifen nicht im Privatsektor

Die Gefahr wird dadurch noch verstärkt, dass es gerade die am höchsten bezahlten Investmentbanker sind, die bei den Grossbanken von Bord gehen, um sich selbstständig zu machen. Nicht bereit, die schärferen Regulierungen hinzunehmen, in den Privatkundenbereich versetzt zu werden oder mit geringeren Boni leben zu müssen, betreiben sie ihre Geschäfte selbstständig weiter. Kleine, unabhängige Firmen können nämlich nach wie vor hohe Renditen mit Finanzspekulationen verdienen. Allerdings ist das Geschäft auch für kleine Firmen nicht einfacher geworden. Die Märkte sind nach wie vor volatil, auch für bekannte Namen ist es schwieriger geworden, Geld aufzutreiben, weil die Investoren als Reaktion auf die Finanzkrise vorsichtig geworden sind. Kommt dazu, dass selbstständige Investmentbanker auf die Vorteile des Netzwerks einer Grossbank verzichten müssen und als kleine Anbieter von den Konditionen der Broker abhängen. Chicagoer Investmentbanker William Blair in der «Handelszeitung»: «Wenn man eine eigene Firma führt, bleibt längst nicht so viel Zeit zum Investieren, wie man glaubt.»

Auch Weber glaubt, dass die Umstrukturierungen der Grossbanken die Lösung ist. Denn der Kunde, welcher bei einer Grossbank ein Konto habe, sei besser geschützt. Ob dies reicht, um die Risikobereitschaft einzudämmen, ist jedoch fraglich.

mcb

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