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Auch Gold steckt in der Finanzkrise

Der Goldpreis fiel auch heute wieder steil ab. Noch nie war das Edelmetall in diesem Jahr so billig. Taugt selbst Gold nicht mehr als Notreserve?

Vor wenigen Wochen standen die Kunden Schlange vor den Numismatik-Schaltern der Banken, tausendfach legten sich die Menschen Goldbarren und Goldmünzen ins Depot, und die Schmelzereien legten Nachtschichten ein, um die grosse Nachfrage zu bedienen. Es war wie immer, so schien es: Je schlimmer die Finanzkrise wütet, desto eher greifen die Menschen wieder zum Gold – der letzten Sicherheit in turbulenten Zeiten.

Vorbei. Jetzt passiert im Goldmarkt dasselbe wie an den Aktienbörsen: Die Kurse rasseln in den Keller. Heute sackte der Goldpreis im Schweizer Handel vorübergehend unter die Marke von 700 Dollar pro Unze. Noch im Frühjahr war der Preis über der 1000-Dollar-Marke gelegen, derzeit jedoch fällt ein Tiefenrekord nach dem andern. Momentan liegt der Goldpreis auf dem Stand vom Sommer 2007.

Wer es hat, soll es behalten

Für Experten sind die Gründe klar: Der Dollar steigt, und das bringt den Goldpreis wieder unter Druck. Unter anderem können sich die Kunden in wichtigen Schwellenländern - zumal beim Gold-Grossverbraucher Indien - jetzt weniger Edelmetall leisten. Kommt hinzu, dass die anrollende Rezession bald auch beim Gold für einen Dämpfer sorgen dürfte: Sowohl der Industrieverbrauch wie die Nachfrage nach Schmuck sollten dadurch sinken; und dieser Rückgang wird im Goldhandel jetzt vorweggenommen. Obendrein sehen sich mehr und mehr Anleger dazu gezwungen, ihre Goldpapiere zu verkaufen – nachdem sie zuvor mit Aktien, Obligationen oder Fondsanteilen Verluste eingefahren haben. Und vor allem tätigen grosse amerikanische Hedge Funds momentan massive Leerverkäufe.

Kurz: Der Druck auf den Goldpreis ist recht spekulativ. Daraus ergibt sich die gute Nachricht für Goldanleger: Die Gründe für den Preiszerfall beim Edelmetall sind kurzfristiger Natur, grundsätzlich bleibt Gold gefragt - zumal in den ebenso aufstrebenden wie goldverliebten Gesellschaften Asiens. Aui der anderen Seite wird die Produktion des Edelmetalls schwieriger, die Erschliessung neuer Vorkommen aufwändiger.

Wer also ein Golddepot hat, kann damit auch weiter ruhig schlafen. «Der Goldpreis wird wieder steigen», sagt der Ökonomieprofessor und Anlageexperte Walter Wittmann. «Ich habe heute selber begonnen, wieder Gold zu kaufen.»

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