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Auch Coop nimmt den Kampf mit Nespresso auf

David gegen Goliath: Coop wird eine Kaffeekapsel ins Sortiment aufnehmen, die mit Nespresso-Maschinen kompatibel ist. Der Grossverteiler riskiert damit einen Rechtsstreit mit Nestlé.

Es ist über ein Jahr her, dass Coop dem Tagesanzeiger bestätigt hat, «unter anderem auch mit Herrn Gaillard von der Ethical Coffee Company in Kontakt zu stehen». Das Westschweizer Unternehmen gehört zur Vielzahl von Firmen, die unterdessen Kaffeekapseln herstellen, welche mit Nespresso-Maschinen kompatibel sind. Die Pläne wurden schliesslich begraben. Letzten Sommer beendete Coop die Zusammenarbeit einseitig.

Das Interesse von Coop, Nespresso-Klone zu verkaufen, ist aber geblieben – und der Markt wird grösser und grösser, zumal Nespresso-Maschinen oft für ein Trinkgeld an den Kaffeetrinker gebracht werden. Doch Coop hat noch immer keine kompatiblen Kapseln im Regal.

Interesse noch vorhanden

Dabei verkauft Coop in Warenhäusern, Megastores und Tochterunternehmen wie Interdiscount oder Fust für Nestlé im grossen Stil Nespresso-Maschinen. Einzig die Coop-Tochter Fust bietet seit Pfingsten die Kapseln Espresso 1882 des italienischen Herstellers Vergnano an. Dagegen hatte Nestlé zwar innert Tagen ein superprovisorisches Verkaufsverbot erreicht, doch dieses wurde Anfang Juli wieder aufgehoben. Seither darf Fust wieder verkaufen.

Coop selbst verhandelte

Kann es sein, dass Coop diesen äusserst lukrativen Markt, der zudem viele Kunden in die Läden bringt, ausgerechnet der Migros und deren Tochter Denner überlässt? Kaum.

Tatsächlich haben Recherchen des Tagesanzeigers ergeben, dass Coop selber mit den Italienern Verhandlungen führte, um die Kapseln in allen Verkaufsstellen der Gruppe zu verkaufen. Der Grundsatzentscheid, die Vergnano-Kapsel überall zu verkaufen, ist auf Gruppenebene denn auch bereits gefällt. Das hat der Tagesanzeiger aus mehreren verlässlichen Quellen erfahren.

Coop-Sprecherin Denise Stadler dementiert dies nicht. Ansonsten bestätigt sie aber nur, dass Fust die kompatiblen Kapseln von Vergnano nach dem gerichtlich erzwungenen Unterbruch wieder verkauft. «Weiter reichende Sortimentsüberlegungen werden aufgrund der Erfahrungen angestellt. Ausserdem ist es eine Frage der Verfügbarkeit.»

Nachfrage grösser, als das Angebot

Damit bestätigt Stadler weitere Recherchen des Tages: Danach hat Coop die Vergnano-Kapseln zunächst lediglich bei Fust in den Verkauf gebracht, weil die Italiener Lieferprobleme haben: Bisher konnten sie Coop noch nicht die grossen Mengen garantieren, die der Detailhändler braucht, wenn er das Produkt in alle Verkaufskanäle bringt. Vergnano arbeitet zwar hart daran, die Produktionskapazitäten zu erweitern, und hat gemäss seiner Website unlängst 5 Millionen Euro in neue Anlagen investiert.

Doch die Nachfrage weitet sich rascher aus, als Vergnano bauen kann. Anfragen des TA zur Expansion und zur Kooperation mit Coop wurden in Italien zwar freundlich entgegengenommen. Beantwortet wurden sie trotz mehrerer Rückfragen allerdings nicht.

Dennoch ist klar: Coop wird schon bald auf breiter Front Vergnano-Kapseln verkaufen. Denn mit jedem weiteren Tag ohne Nespresso-Generika entgeht Coop Umsatz. Das kann sich in diesen schwierigen Zeiten kein Händler leisten.

Coop prüft Nespresso-Shops

Parallel dazu prüft Coop in grösseren Läden und Warenhäusern die Einführung von Nespresso-Shops, die auch Kapseln verkaufen. Die Warenhauskette Manor hat diesen Frühling in Lugano und Genf erste Nespresso-Shops eröffnet, weitere sind geplant. Dies scheint für Coop ebenfalls eine Option zu sein: «Wir sind im Gespräch mit Nespresso», heisst es. Bisher verkaufte Nespresso die Kapseln ausschliesslich in eigenen Boutiquen und übers Internet.

Aus Coop-Kreisen ist zu hören, dass der Detailhändler von Nestlé schon früh gefordert hatte, die Original-Nespresso-Kapseln verkaufen zu können. Schliesslich gehöre man zu den grössten Verkäufern von Maschinen. Da müsse man auch die Kapseln anbieten. Nestlé aber wollte den Verkauf in eigener Regie behalten. Darauf reagierte der Händler mit einer klaren Ansage: Coop werde in das System eindringen, sobald man die nötige Qualität und Menge finde.

Coop riskiert einen Rechtsstreit

Bald wird es so weit sein. Auf Nestlés Reaktion darf man gespannt sein – schliesslich ist Coop der mit Abstand wichtigste Verkäufer von Nestlés Produkten in der Schweiz. Juristen sind sich nicht einig, ob Nestlé gegen Coop als Muttergesellschaft von Fust in der gleichen Sache überhaupt eine neue Klage einreichen kann. Unabhängig davon stellt sich die Frage: Wird der Konzern das auch tun? Vielleicht kommt man auch in Vevey langsam zur Einsicht, dass man sich besser auf die Weiterentwicklung und die Imagepflege des erfolgreichen Produkts konzentriert, statt weltweit juristische Auseinandersetzungen vom Zaun zu reissen. Milliarden setzt Nestlé mit Nespresso so oder so um.

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