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Amazon, die Hipster-Pleitefirma und Donald Trump

Der Internetriese möchte offenbar American Apparel kaufen. Dabei geht es Amazon-Chef Jeff Bezos nicht ums Geschäft, sondern um einen politischen Schachzug.

«Made in USA»: Arbeiter in einer American-Apparel-Fabrik in Los Angeles.
«Made in USA»: Arbeiter in einer American-Apparel-Fabrik in Los Angeles.
Lucy Nicholson, Reuters

Als am 10. November endgültig allen klar war, dass der 45. Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump heissen wird, griff Jeff Bezos in die Tasten. «Ich gratuliere. Ich werde unvoreingenommen sein und wünsche ihm viel Erfolg in seinem Wirken für das Land», schrieb der Amazon-Gründer und -Chef auf Twitter. Es war ein bitterer Moment für ihn. Während des Wahlkampfs hatten er und der republikanische Kandidat sich eine gehässige Schlacht der Worte geliefert. Nun könnte Bezos mit einem Kauf von American Apparel die Wogen auf einfache Weise glätten.

Trump griff Bezos und dessen Konzern auf Twitter immer wieder an. «Wenn Amazon gerechte Steuern zahlen müsste, würde der Aktienkurs abstürzen. Und das Unternehmen würde in sich zusammenfallen wie eine Papiertüte», schrieb er etwa. Ein anderes Mal attackierte der damalige Kandidat und nun bald amtierende Präsident Bezos wegen dessen medialen Engagements. Der Multimilliardär hat die renommierte «Washington Post» gekauft und diese fiel im Wahlkampf mit harten Anti-Trump-Storys auf, in denen oftmals die nicht immer glorreiche Vergangenheit des künftigen Staatspräsidenten ausgeleuchtet wurde. Auch die Aufnahme mit den vulgären Aussagen Trumps über Frauen wurde vom Blatt öffentlich gemacht. «Die ‹Washington Post›, die Millionen verliert, gehört Jeff Bezos – damit er so die Steuern bei seiner gewinnlosen Firma Amazon niedrig halten kann», keifte Trump.

Bezos wünschte Trump ins All

Trump hatte Amazon auch sonst wiederholt frontal angegriffen. Bezos agitiere mit der «Washington Post» gegen ihn, weil er selbst Angst habe. «Er glaubt, ich werde ihn wettbewerbsrechtlich belangen», meinte der Politiker in einem TV-Interview. «Er hat ein grosses Kartellproblem, weil er so viel kontrolliert. Amazon kontrolliert so viel von dem, was sie tun.» Bezos antwortete meist mit Fakten, aber auch mal mit Humor. So schrieb er einmal: «Wurde von Trump vernichtet. Ich reserviere ihm trotzdem einen Sitz in meiner Rakete. #sendDonaldtospace.» Bezos besitzt auch das private Raumfahrtunternehmen Blue Origin.

Für Bezos ist die Wahl Trumps also eine ziemliche Belastung – nicht nur ideell, sondern auch geschäftlich. Und aus diesem Dilemma könnte er nun einen Ausweg gefunden haben. Denn wie die Nachrichtenagentur Reuters schreibt, soll Amazon an einer Übernahme von American Apparel interessiert sein. Das einstige Kult-Modelabel hatte im November Gläubigerschutz beantragt.

Gunst zum Spottpreis gewinnen

Bezos geht es nicht um die schlabbrigen T-Shirts, lässigen Trainerhosen und knappen Unterhosen der Pleitefirma. Mit einer Übernahme von American Apparel könnte er bei Trump punkten, vermutet der «Business Insider». Das Unternehmen hatte es zu seiner Kernbotschaft gemacht, alles in den USA zu produzieren. Und das zu fairen Löhnen und Arbeitsbedingungen. Das ist ganz im Sinne von Trump, der immer und immer wieder versprochen hatte, Jobs in den Vereinigten Staaten zu schützen. Zuletzt hatte das Ford gemerkt. Der Autoriese hat auch unter dem Druck des designierten Präsidenten auf den Bau eines Montagewerks in Mexiko verzichtet. Trump verbuchte das umgehend als seinen Erfolg.

Mit einem Kauf von American Apparel könnten sich Amazon und Bezos als Retter von Tausenden amerikanischen Arbeitsplätzen darstellen – und so die Gunst von Trump zurückgewinnen. Und das zu einem Spottpreis. Der einzige bisher offiziell bekannte Bieter möchte das Modeunternehmen für nur gerade 66 Millionen kaufen. Das ist ein Pappenstiel für den Internethändler. Er hat derzeit Barreserven von 12 Milliarden Dollar. Bezos könnte American Apparel aber auch locker privat kaufen – sein Vermögen wird vom Magazin «Forbes» auf 65 Milliarden Dollar geschätzt.

Baldiger Entscheid erwartet

Noch ist nichts bestätigt. Und der Deal ist erst eine Hypothese. Der Konkursverwalter will bis Mitte Januar darüber entscheiden, wer American Apparel bekommt. Eine grosszügige Offerte könnte Bezos aber helfen, zum Ziel zu kommen.

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