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Adoboli zu sieben Jahren Haft verurteilt

Der ehemalige UBS-Händler Kweku Adoboli wurde in London wegen Betrugs verurteilt. Ob Adoboli die Taten zur persönlichen Bereicherung begangen hat, darüber war sich die Jury uneinig.

Kweku Adoboli wurde hauptschuldig gesprochen des 2,3-Milliarden-Dollar-Handelsverlustes, den die UBS im September 2011 einfuhr. Bild: Adoboli vor dem Gericht am 14. September 2012.
Kweku Adoboli wurde hauptschuldig gesprochen des 2,3-Milliarden-Dollar-Handelsverlustes, den die UBS im September 2011 einfuhr. Bild: Adoboli vor dem Gericht am 14. September 2012.
Reuters
Adoboli arbeitete seit 2008 am ETF-Desk der UBS-Investmentbank in London. Sein verstecktes Buchhaltungssystem soll er ursprünglich in Betrieb genommen haben, um einen Handelsverlust von 400'000 Dollar zu kaschieren. Adoboli buchte dazu fiktive Deals ins System ein. Bild: UBS-Hauptquartier in London, aufgenommen am 15. September 2011.
Adoboli arbeitete seit 2008 am ETF-Desk der UBS-Investmentbank in London. Sein verstecktes Buchhaltungssystem soll er ursprünglich in Betrieb genommen haben, um einen Handelsverlust von 400'000 Dollar zu kaschieren. Adoboli buchte dazu fiktive Deals ins System ein. Bild: UBS-Hauptquartier in London, aufgenommen am 15. September 2011.
Keystone
Adoboli selbst sah sich als Opfer der UBS-«Maschinerie»: Händler wie er seien zum Überschreiten der Limiten regelrecht angestiftet worden. «So lange wir Profit machten, waren alle zufrieden», sagte Adoboli dem Gericht. Er sei kein Schurke, kein «rogue trader», so Adoboli. Bild: Adoboli und seine Verteidiger vor dem Gericht am 10. September 2012.
Adoboli selbst sah sich als Opfer der UBS-«Maschinerie»: Händler wie er seien zum Überschreiten der Limiten regelrecht angestiftet worden. «So lange wir Profit machten, waren alle zufrieden», sagte Adoboli dem Gericht. Er sei kein Schurke, kein «rogue trader», so Adoboli. Bild: Adoboli und seine Verteidiger vor dem Gericht am 10. September 2012.
AFP
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Das Gericht in London hat das Strafmass für den ehemaligen UBS-Händler Kweku Adoboli bekannt gegeben. Adoboli erhält eine siebenjährige Gefängnisstrafe. Mindestens die Hälfte davon wird er absitzen müssen, wie Richter Brian Keith am Southwark Court erklärte. Bei der Urteilsverkündung sagte der Richter zu Adoboli: «In Ihnen schlummert ein Gambler. Sie glaubten, dass die Bankregeln für Sie nicht gelten würden. Das war arrogant von Ihnen.»

Der 32-jährige Ex-Banker wurde von den Geschworenen in zwei von sechs Anklagepunkten für schuldig gesprochen. Die zwei Vorwürfe lauten auf Betrug durch Ausnutzung der persönlichen Position. In vier der sechs anderen Anklagepunkten konnte sich die Jury aber nicht auf ein Urteil einigen. Damit wurden die vier Vorwürfe, die sich auf Bilanzfälschung beziehen, fallen gelassen.

Adoboli bestreitet böse Absichten

Adoboli – gekleidet in einem navyfarbenen Anzug und mit roter Krawatte – habe das erste Urteil mit gesenktem Blick zur Kenntnis genommen, berichtete eine Bloomberg-Gerichtsreporterin am frühen Nachmittag aus London. Das Gericht befand Adoboli in einem ersten Anklagepunkt für schuldig, zwischen dem 31. Mai und dem 17. September 2011 seine Position auf unehrliche Weise ausgenutzt zu haben. Nach einer kurzen Beratung gab die Jury ihr Urteil in den verbleibenden fünf Anklagepunkten bekannt.

Adoboli nickte mit dem Kopf, als der Richter Brian Keith das erste Verdikt verkündete. Gemäss englischem Recht wird Adoboli nun in Gewahrsam genommen. Die Jury befand, Adoboli habe «Gewinne für sich selbst erzielen oder der UBS Verluste einbringen, oder die Bank einem Verlustrisiko aussetzen» wollen. Adoboli hatte zugegeben, die Verluste verursacht zu haben – sagte aber, es sei nicht auf betrügerische Weise geschehen. Wie ein Vertreter der Staatsanwalt später gegenüber Bloomberg sagte, drehe sich die Hauptfrage beim Betrugsvorwurf aber genau um diesen Punkt: Ob Adoboli beim Milliardenverlust der UBS unehrlich gehandelt hatte.

9:1-Urteile nicht zustande gekommen

Nach dem ersten, einstimmigen Verdikt wegen Betrugs im Jahr 2011 zog sich die zehnköpfige Jury zu weiteren Beratungen zurück. Richter Keith hatte den Geschworenen mit auf den Weg gegeben, er würde in den verbleibenden fünf Anklagepunkten auch ein Mehrheitsvotum von neun zu eins akzeptieren. Weil sich unter den Jurymitgliedern bei vier der fünf Aklagepunkten jeweils mehr als eine Gegenstimme fand, liess das Gericht die betreffenden Vorwürfe gegen Adoboli am Nachmittag fallen.

Um Adoboli wegen Bilanzfälschung schuldig zu sprechen, hätte die Jury überzeugt sein müssen, dass Adoboli die versteckten Deals ausschliesslich aus Eigennutzen getätigt hätte. Dies erklärte ein Anwalt von Keystone Law gegenüber Bloomberg News. Das Urteil lässt demnach darauf schliessen, dass mindestens zwei der Geschworenen der Ansicht waren, Adoboli hätte sein «Regenschirm»-System von 2008 bis 2011 in bester Absicht für die UBS betrieben – oder zumindest nicht für die eigene Bereicherung. Adobolis Anwalt Tim Harris wollte unmittelbar nach der Urteilsverkündung keine Stellung nehmen.

Sechs Anklagepunkte

Nach seiner Verhaftung im September 2011 war Adoboli ursprünglich wegen Betrugs sowie in zwei Punkten wegen Bilanzfälschung angeklagt worden. Die zwei Bilanzfälschungsvorwürfe bezogen sich auf die Zeiträume vom Oktober 2008 bis Dezember 2009 sowie vom Januar 2010 bis September 2011. Sie betreffen das Buchen fiktiver ETF-Trades zur Verschleierung des wahren Risikos, das Adoboli im Eigenhandel mit Finanzderivaten eingegangen war. Der vom September 2011 datierende Betrugsvorwurf bezog sich auf Adobolis Tätigkeit als Seniortrader im Bereich Global Synthetic Equities zwischen Januar und September 2011.

Ein vierter Betrugsvorwurf, der sich auf die Zeit zwischen Oktober 2008 und Dezember 2010 bezieht, wurde später zur Anklage hinzugefügt. Im Verlauf des Gerichtsprozesses im September 2012 wurde die Klageschrift ein weiteres Mal angepasst. Hinzu kamen zwei weitere Vorwürfe. Sie betreffen die Bilanzfälschung und beziehen sich auf das sogenannte «Regenschirm»-Konto, das Adoboli und seine Arbeitskollegen am ETF-Desk unterhielten. Laut dem Richter wurden die zwei Punkte «zur Klärung der Vorwürfe» hinzugefügt.

Adoboli plädiert auf unschuldig

Laut der Anklage ist Adoboli Hauptschuldiger am Verlust von 2,25 Milliarden US-Dollar, den die Investmentbank der UBS im Vergangenen September eingefahren hatte. Adoboli arbeitete bis dahin am ETF-Desk der Grossbank in London. Die Anklage zeichnete im Prozessverlauf das Bild eines gewissenlosen Zockers. Von Oktober 2008 bis September 2011 umging er nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft als Händler mit börsennotierten Indexfonds in betrügerischer Absicht systematisch bankinterne Risikovorschriften.

Adoboli stellte sich vor Gericht auf den Standpunkt, die geheimen Konten seien «Gewinn-Puffer» für seine Abteilung gewesen. Der aus Ghana stammende Sohn eines UNO-Diplomaten räumte ein, dass er mit hohen Risiken und verdeckten Konten operierte. Er wies aber jegliche Betrugsabsichten von sich. Er habe immer nur das Beste für die UBS im Auge gehabt, die für ihn so etwas wie seine Familie gewesen sei.

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