Transocean-Aktien als Altersvorsorge

Das Bohrinsel-Unglück hat die Aktie zum Risikopapier gemacht. Die meisten Schweizer sind Aktionäre.

Der Ölteppich im Golf von Mexiko: Wegen Transocean sind auch viele Schweizer daran beteiligt.

Der Ölteppich im Golf von Mexiko: Wegen Transocean sind auch viele Schweizer daran beteiligt.

(Bild: Reuters)

Bruno Schletti@tagesanzeiger

Am 20. April wurde an der Schweizer Börse der Handel mit der Aktie des Tiefseebohrspezialisten Transocean aufgenommen. Am 22. April sank im Golf von Mexiko die Bohrinsel Deepwater Horizon. Eine Ölkatastrophe von nicht absehbarem Ausmass ist die Folge. Der Einbruch der Transocean-Aktie um rund 40 Prozent ist im Vergleich dazu ein Klacks. Die meisten Schweizer werden sich davon nicht betroffen fühlen.

Genau das sind sie aber indirekt. Denn viele institutionelle Investoren – etwa Pensionskassen oder Fonds – wählen ihre Anlagen passiv aus. Sie bilden einen Aktienindex ab, indem sie jeden Titel des betreffenden Indexes im Verhältnis seines Gewichtes im Index kaufen. Deshalb sind bereits heute in vielen Portfolios Aktien von Transocean.

«Werden Transocean-Papiere kaufen müssen»

Ab dem 21. Juni dürften weitere Grossanleger Aktien des Tiefseebohrers kaufen. Auf diesen Zeitpunkt hin wird nämlich die Aktie in den SMI hochgestuft – in den Schweizer Aktienindex mit den 20 gewichtigsten Titeln. Das gab die Börse gestern bekannt. Investoren, die den SMI abbilden, sind dann zum Kauf quasi gezwungen – zum Beispiel die Pensionskasse der SBB. Geschäftsführer Markus Hübscher bestätigt: «Wir bilden den SMI-Index ab und werden deshalb Transocean-Papiere kaufen müssen.» Ähnlich ist die Situation bei der Personalvorsorge des Kantons Zürich. BVK-Chef Thomas Schönbächler sagt: «Da über 80 Prozent des Aktienportfolios Schweiz indexnah angelegt werden, müssen wir uns mit Transocean eindecken. Wir haben aber beschlossen, dies gestaffelt zu tun. Es ist ein Titel mit erhöhtem Risiko, aber er kann auch entsprechend stark an Wert zulegen.»

Das Risiko ist kalkulierbar

Gregor Greber, Chef des Vermögensverwalters zCapital, hinterfragt die Anlagerichtlinien: «Oftmals müssen sie passiv den Schweizer Markt abbilden, ohne Ausnahmen. Deshalb müssen auch Aktien gekauft werden, die man vielleicht lieber nicht im Depot hätte, weil sie zum Beispiel als zu risikoreich erachtet werden. Darin liegt eine grosse Schwäche und Gefahr des passiven Anlegens.»

Tatsächlich stellt sich die Frage, ob die Transocean-Aktie nicht ein zu grosses Risiko sei. «Welche Aktie ist das nicht?», reagiert Peter Bänziger lachend. Er ist Anlagechef bei der Fonds- und Vorsorgegesellschaft Swisscanto. Bänziger weist darauf hin, dass Transocean schon heute im SPI ist, dem Gesamtmarktindex für den Schweizer Aktienmarkt. In diesem Index war sie mit einem Gewicht von 2,07 Prozent am gestrigen Nachmittag der elftgrösste Titel.

Wie das Risiko berechnet wird

Um das Risiko zu beurteilen, macht Bänziger folgende Rechnung: Er nimmt an, dass ein institutioneller Anleger 27 Prozent in Aktien anlegt, davon 15 Prozent in Schweizer Aktien. Bezogen auf das Gesamtportfolio sinkt damit der Anteil von Transocean von 2,07 auf 0,31 Prozent. Verglichen mit den potentesten Titeln im Schweizer Aktienmarkt ist das wenig. Nestlé würde im gleichen Portfolio um die 3, Novartis gut 2 Prozent ausmachen.

Vor diesem Hintergrund stuft Bänziger das Risiko der Transocean-Aktie als nicht besonders gross ein: «Wenn ein institutioneller Anleger den Index nachbildet, ist das Risiko vertretbar – selbst wenn die Transocean-Aktie noch einmal ein Viertel verlieren sollte.» Damit wolle er aber nicht gesagt haben, dass er den Titel zum Kauf empfehle.

Tages-Anzeiger

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