Schweizer Espirito-Tochter gerät ins Fadenkreuz

Die Bankentochter der zusammengekrachten portugiesischen Finanzgruppe soll im grossen Stil Geld der Kunden in die eigene Gruppe investiert haben. Involviert ist auch ein ehemaliges Führungsmitglied der Finma.

Verbandelt mit der Schweiz: Die portugiesische Krisenbank Espírito Santo.

Verbandelt mit der Schweiz: Die portugiesische Krisenbank Espírito Santo.

(Bild: AFP)

Die am Mittwoch von der Finanzmarktaufsicht bekannt gemachte Untersuchung gegen die Schweizer Privatbank Espírito Santo könnte Brisantes zutage fördern. Laut einem Insider soll ein Grossteil der Kundengelder, die von der Schweizer Banque Privée Espírito Santo verwaltet wurden, in Schuldpapiere der Gruppe investiert worden sein, zu der das Bankhaus gehört.

Die Finma gab am Mittwoch bekannt, dass sie die Rolle der Schweizer Tochter beim «Vertrieb von Wertpapieren und Finanzprodukten der Gruppe Espírito Santo» untersuchen werde. Die Formulierung bezieht sich auf die vorgeschriebene Sorgfaltspflicht bei der Beratung von Kunden. Die Frage lautet somit, ob die Espírito-Santo-Berater in der Schweiz die Kunden über den Inhalt und die Risiken der Wertpapiere genügend aufgeklärt hatten.

Kunden mit geringen Vermögen betroffen

Die Ermittlungen der Schweizer Finanzmarktaufsicht bestätigen, was bisher in Umrissen bekannt war. Die mächtige portugiesische Besitzerfamilie der Espírito-Santo-Gruppe verpackte Schulden in Wertschriften, die den Kunden der Bank Espírito Santo schmackhaft gemacht wurden.

Unter den Bankkunden sollen sich auch viele aus dem sogenannten Retailgeschäft befinden, also Kunden mit einem geringen Vermögen. Das hat im Heimmarkt Portugal starke Emotionen ausgelöst. Die Regierung und die Zentralbank griffen wohl auch deshalb Ende Juli rigoros durch und teilten die Bank Espírito Santo in einen guten und einen schlechten Teil auf und investierten dafür knapp 5 Milliarden Euro öffentliche Gelder.

Dass die Schweiz im Espírito-Santo-Skandal ins Zentrum gerät, hat sich in den letzten Wochen immer stärker abgezeichnet. Zunächst geriet die Lausanner Finanzfirma Eurofin in den Strudel. Laut dem «Wall Street Journal» soll Eurofin für die Espírito-Gruppe Wertpapiere gezimmert haben, mit denen Schulden der Mutter an Bankkunden verkauft werden konnten.

Die Eurofin hat diese Vorwürfe in der Zwischenzeit dementiert. Auch die Credit Suisse wurde vom «Wall Street Journal» als wichtige Partnerin der Espírito Santo ans Tageslicht gezerrt. Die Grossbank bestätigte, dass sie mehrere Finanzvehikel für die Gruppe entwickelt habe, und dies bis Anfang dieses Jahres. Sie erklärte aber auch, die Produkte nicht selbst vertrieben zu haben.

Persönliche Verstrickungen mit der Skandalbank

Das grösste Problem bei der Aufarbeitung der Wirren um das zusammengekrachte Finanzimperium hat aber die Berner Finanzmarktaufsicht (Finma) selbst. Eines ihrer langjährigen Mitglieder an der Spitze sass nämlich bis zuletzt im Verwaltungsrat der Schweizer Espírito-Santo-Bank.

Die Rede ist von Jean-Baptiste Zufferey, einem Rechtsprofessor an der Universität Freiburg. Zufferey gehörte insgesamt 13 Jahre zur Bankenaufsicht. Bei der Vorgängerorganisation Bankenkommission hatte er bis Ende 2008 das Vizepräsidium inne. Mit dem Start der Finma Anfang 2009, zu der neu auch die Überwachung der Versicherungsbranche gehörte, wurde Zufferey Mitglied des neuen Verwaltungsrats der Grossbehörde.

Dass Zufferey als wichtiger Mann der Finanzaufsicht gleichzeitig im VR einer unterstellten Bank sass, gab schon früher zu reden. Die Finma und Zufferey kamen überein, dass der Professor spätestens 2015 entweder aus der Behörde ausscheiden oder sein Mandat bei der Espírito-Privatbank aufgeben müsste. Aus dem «Soft Landing» wurde nichts.

Schwieriges Gebiet für die Finma

Ende 2013 und dann immer intensiver im Frühling dieses Jahres gerieten die Espírito-Muttergesellschaften – davon gibt es mehrere – in die Kritik. Zunächst war von möglichen Kreditverlusten über mehr als 5 Milliarden Dollar beim Espírito-Bankableger in Angola die Rede, danach stürzte der Aktienkurs der Bank Espírito Santo in die Tiefe. Anfang Juli drohte, ausgelöst von Gerüchten rund um eine Überschuldung, der ganzen Espírito-Gruppe eine europäische Bankenkrise. Die Titel der grossen Finanzplayer, darunter jene der UBS und der Credit Suisse, gerieten unter starken Abgabedruck.

Die Krise konnte dank der Intervention der portugiesischen Zentralbank abgewendet werden. Doch wie es überhaupt dazu gekommen ist, wird die Behörden, auch die strafrechtlichen, noch lange beschäftigen. Die Finma bewegt sich dabei in besonders schwierigem Gebiet. Einer ihrer wichtigsten Köpfe war persönlich mitten im Skandal drin. Die Berner Aufsicht muss beweisen, dass sie unabhängig von eigenen Fehlern schonungslos allfällige Missstände aufdecken wird.

baz.ch/Newsnet

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt