Machtwechsel bei den Anthroposophen

Die Grossaktionäre des Naturkosmetik-Herstellers Weleda greifen durch: Nach einer ausserordentlichen Generalversammlung ist der gesamte Verwaltungsrat zurückgetreten.

Steiniger Weg der Modernisierung: Das Gebäude der Weleda in Arlesheim.

Steiniger Weg der Modernisierung: Das Gebäude der Weleda in Arlesheim.

(Bild: Keystone)

Der Weg der Modernisierung, den Weleda vor ein paar Jahren eingeschlagen hat, scheint steiniger zu sein als erwartet. Nicht nur hat das anthroposophisch geprägte Unternehmen vergangenes Jahr einen Verlust von rund zehn Millionen Franken erwirtschaftet. Am 13. Januar verliess auch der bisherige Firmenchef Patrick Sirdey eher unerwartet seinen Posten, nimmt aber weiterhin gewisse Funktionen wahr.

Nun ist es auch im Verwaltungsrat zu einem Machtwechsel gekommen. In einer – für die Medien nicht zugänglichen – ausserordentlichen Generalversammlung im Goetheanum ist gestern der gesamte Verwaltungsrat zurückgetreten.

Das Kontrollgremium war durchaus prominent besetzt: Neben dem Unternehmensberater Georg Fankhauser (Präsident) sassen dort etwa die ehemalige Basler SP-Regierungsrätin Barbara Schneider (Vizepräsidentin), die ehemalige Max-Havelaar-Chefin Paola Ghillani, der Drogeriemarktunternehmer Götz Werner, einer der reichsten Deutschen und bekannt als Verfechter eines bedingungslosen Grundeinkommens, der Mailänder Arzt Giancarlo Buccheri sowie die Münchner Gräfin Stefanie Maria Wolff-Metternich.

Heilmittelbereich ist defizitär

Sie war erst im Juni 2011 gewählt worden. Zwei Hauptaktionäre Platz gemacht haben die Mitglieder auf Wunsch der beiden Grossaktionäre. Die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft (AAG) sowie die Ita-Wegmann- Klinik kontrollieren mit einem Kapitalanteil von 40 Prozent rund 80 Prozent der Stimmen. Die übrigen Namenaktien sowie die stimmrechts- losen Partizipationsscheine befinden sich in Streubesitz. Anrecht auf Eintragung im Aktienregister haben nur Mitglieder der AAG.

Bisher waren die AAG und die Ita-Wegman-Klinik gemäss Angaben von Weleda im Verwaltungsrat nicht vertreten. In der neuen Zusammensetzung habe sich das nun geändert. Welche Personen künftig dabei sind, will die Firma aber offiziell erst am Montag mitteilen. Wie es in dem Unternehmen nahestehenden Kreisen heisst, gibt es unterschiedliche Auffassungen darüber, wie und wie rasch sich Weleda weiterentwickeln soll. So haben zum Beispiel die Erträge aus dem stark gewachsenen Bereich Naturkosmetik dazu gedient, den defizitären Bereich anthroposophischer Heilmittel quer zu subventionieren.

Letzterem machen nicht nur gestiegene gesetzliche Anforderungen an die Arzneimittel zu schaffen. Ein Problem ist auch, dass es eine sehr breite Palette an Produkten gibt, die aber zum Teil nur in sehr kleinen Serien hergestellt werden, was viel kostet.

Neue Büros in Basel

Im Geschäftsbericht aus dem Jahr 2010 hält das Unternehmen denn auch klar fest, dass die Heilmittelsparte langfristig kostendeckend sein soll. Dazu waren verschiedene Sparmassnahmen nötig, wie zum Beispiel der Entscheid, bis zum Jahr 2014 einen grossen Teil der Arzneimittelproduktion im deutschen Schwäbisch Gmünd zu konzentrieren.

Ebenso wurde eine Bereinigung des grossen Sortiments in Angriff genommen. 2010 wurde ein Umsatz von 385 Millionen Franken erwirtschaftet. Mit einer Ebit-Marge von drei Prozent war die Profitabilität bescheiden. Vor dem Jahr 2011 (für welches der detaillierte Geschäftsbericht noch nicht vorliegt), wurde bereits 2006, 2008 und 2010 ein Verlust ausgewiesen.

Höhere Verschuldung

Für 2011 wurde zudem eine Erhöhung der Verschuldung in Aussicht gestellt. Zu der Erneuerung des Unternehmens gehörte auch ein «frisches» (Zitat Geschäftsbericht) Verpackungsdesign bei der Kosmetik und eine Vereinheitlichung der Marke Weleda. Es gab die Vision, eines Tages so etwas wie die ( Nivea-Herstellerin) «Beiersdorf der Naturkosmetik» zu werden.

Mit der Einrichtung von Büroräumlichkeiten im 2010 beim Bahnhof SBB in Basel haben sich die Gruppenleitung und der Verwaltungsrat räumlich vom Einzugsgebiet des Dornacher Hügels entfernt. Ein Argument für den Umzug war damals die bessere Erreichbarkeit für Pendler.

Basler Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt