Lindt & Sprüngli übertrifft Erwartungen der Analysten

Der Schokoladenhersteller hat in der ersten Jahreshälfte deutlich mehr verdient. Am Standort Schweiz will das Unternehmen trotz des starken Frankens festhalten.

Umsatz und Gewinn im Gleichschritt erhöht: CEO Ernst Tanner während einer früheren Bekanntgabe der Zahlen von Lindt & Sprüngli. (10. März 2015)

Umsatz und Gewinn im Gleichschritt erhöht: CEO Ernst Tanner während einer früheren Bekanntgabe der Zahlen von Lindt & Sprüngli. (10. März 2015)

(Bild: Keystone)

Bei Edelschokolade wie Lindor-Kugeln und Goldhasen greifen die Konsumenten beherzt zu - trotz steigenden Preisen. Das hat bei Lindt&Sprüngli in der ersten Jahreshälfte die Kassen klingeln lassen: Der Reingewinn schoss um 15,6 Prozent in die Höhe.

Der Gewinn belief sich auf 65 Millionen Franken, wie Lindt&Sprüngli am Dienstag mitteilte. Mit dem Gewinnbeitrag der im Sommer übernommenen US-Firma Russell Stover musste die Gruppe etwas mehr Steuern abliefern. Der Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) zog daher mit einem Plus von 17,5 Prozent noch etwas kräftiger auf 90,6 Millionen Franken an - und stieg damit trotz teurerer Rohstoffe im Gleichschritt mit dem Umsatz.

Angesichts der steigenden Preise für Kakaobohnen, Haselnüsse und Mandeln waren die Gewinnzahlen von Branchenbeobachtern gespannt erwartet worden. Die Steigerung des Betriebsgewinns begründet Lindt&Sprüngli nun mit dem Umsatz- und Volumenwachstum, Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen sowie dem erstmaligen Einbezug des Ergebnisses von Russell Stover in die Konzernrechnung.

Sogar noch mehr Betriebsgewinn wäre laut Lindt&Sprüngli mit einem schwächeren Schweizer Franken drin gelegen. Den Währungseffekt aufgrund der Frankenaufwertung nach der Euro-Mindestkursaufhebung im Januar auf EBIT-Stufe beziffert das Unternehmen auf 10,6 Prozent. Lindt&Sprüngli hält aber trotz des starken Frankens am Standort Schweiz fest, wie in der Mitteilung betont wurde.

«Gut, besser, Lindt»

Mit den Gewinnzahlen jedenfalls übertraf der Schokoladenhersteller aus Kilchberg ZH die Erwartungen der Analysten und führte zahlreiche Anleger in Versuchung. Trotz des stolzen Preises von 5730 beziehungsweise 67'000 Franken pro Schein kletterte der Schlusskurs von Partizipationschein und Namenaktie um 2,4 Prozent beziehungsweise 0,95 Prozent auf rekordverdächtige Höhen. «Gut, besser, Lindt», übertitelten etwa die Analysten der Zürcher Kantonalbank ihren Kommentar.

Schon mit den bereits Mitte Juli veröffentlichten Umsatzzahlen hatte das Traditionsunternehmen die Branchenbeobachter beeindruckt. In den ersten sechs Monaten des Jahres kletterte der Umsatz um 17,4 Prozent auf 1,409 Milliarden Franken. Auch unter Ausklammerung von Russell Stover betrug das organische Wachstum noch 9,4 Prozent.

Dazu beigetragen haben sowohl die europäischen Kernmärkte, der weltweit grösste Schokoladenmarkt Nordamerika, die Aufbaumärkte und der Ausbau des eigenen Laden-Verkaufsnetzes, wie Lindt&Sprüngli schrieb. Sogar im weitgehend gesättigten Schweizer Markt seien gute Resultate erzielt worden. Rund 10 Prozent des Umsatzes stammen aus der Schweiz.

Teure Kakaobohnen sorgen Branche

Während Lindt&Sprüngli sich laufend ein grösseres Stück vom Schokoladenmarkt abschneidet, kämpft die Branche mit steigenden Rohstoffpreisen. Die deshalb erfolgten Preiserhöhungen der Industrie haben vielen Konsumenten die Lust auf Süsses verdorben und lassen die weltweite Schokoladennachfrage stagnieren.

Auch Lindt&Sprüngli erhöhte die Preise. Dies zwar vorsichtig, sprich «etwas stärker in den USA als in den europäischen Märkten». Die Konsumenten aber hielt das nicht davon ab, bei den Pralinés und Tafeln von Lindt&Sprüngli herzhaft zuzugreifen. Das Traditionsunternehmen erklärt das mit seinem «langjährigen und erfolgreichen Geschäftsmodell».

Das Unternehmen positioniert sich klar im Premium-Schokoladesegment - und trifft damit einen Geschmacksnerv. Das Premiumsegment weise nach wie vor ein überdurchschnittliches Wachstum aus, schrieb Lindt&Sprüngli im Halbjahresbericht.

Ziele bestätigt

Zwar dürften dem Unternehmen auch künftig die steigenden Rohstoffpreise sowie der starke Franken zu schaffen machen. Dennoch bestätigte die Gruppe ihre mittel- bis langfristigen Ziele. Denn mit dem Weihnachtsgeschäft steht die jährliche Hochkonjunktur für Luxusschokolade erst noch bevor.

In der zweiten Jahreshälfte fallen Umsatz und Profitabilität von Lindt&Sprüngli deshalb üblicherweise höher aus. Für das Gesamtjahr erwartet die Gruppe nun weiterhin ein Wachstum in Lokalwährungen von 6 bis 8 Prozent. Nach erfolgreichem Abschluss der Integration von Russell Stover soll zudem auch die Profitabilität deutlich steigen.

rre/sda

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