Joint Venture zwischen der Pharma und Hasch-Gegnern

US-Pharmakonzerne finanzieren die Gegner der Cannabis-Liberalisierung. Sie befürchten, dass ihre opiathaltigen Schmerzmittel vom Markt verdrängt werden.

Ungehinderter Marihuanakonsum: Die Legalisierung in zwei Bundesstaaten passt der Pharmabranche nicht. Foto: (Keystone)

Ungehinderter Marihuanakonsum: Die Legalisierung in zwei Bundesstaaten passt der Pharmabranche nicht. Foto: (Keystone)

Walter Niederberger@WaltNiederberg

Polizeigewerkschaften, Gefängnisunternehmen, Bierbrauer und Familienverbände haben im Kampf gegen die Can­na­bis­frei­gabe in den USA einen finanzkräftigen Verbündeten gefunden: Auch etliche Hersteller von starken opiat­haltigen Schmerz­mitteln widersetzen sich der Liberalisierung oder fordern ­rigide Regeln für den privaten Konsum. Der ist seit dieser Woche auch im Bundes­staat Washington problemlos möglich: Nach Colorado hat der Staat im Nordwesten der USA den Verkauf von Cannabis ebenfalls legalisiert.

Angeführt wird die Opposition von Patrick Kennedy, Sohn des verstorbenen Senators Ted Kennedy. Patrick Kennedy litt an Alkohol- und Drogenproblemen und setzte 2006 seinen Ford Mustang in die Sicherheitsschranken vor dem Capitol in der US-Hauptstadt Washington. Er gab zu, ein rezeptpflichtiges Schmerzmittel mit opiathaltigen Wirkstoffen konsumiert zu haben.

Heute ist der 46-Jährige wieder suchtfrei. 2013 gründete er die Bewegung Smart Approaches to Marijuana (SAM) als Antwort auf den Entscheid der Stimmbürger in Colorado und Washington, den Handel und Konsum mit Canna­bis­produkten freizugeben.

Eine tödliche Suchtwelle

SAM und anderen Oppositionsgruppen geht es nicht allein um Aufklärung von Jugendlichen. Ein vertrauliches Dokument der Partnership for Drug-Free Kids zeigt, dass mehrere Pharmafirmen die Kampagnen gegen die Haschfreigabe mitfinanzieren. Das Magazin «The Nation» berichtet gestützt auf das Dokument, dass Purdue Pharma und Abbott Laboratories zu den grössten Spendern der Partnership gehören. Bekannt ist auch, dass Pharmafirmen und Polizei­gewerkschaften in Kalifornien bis zur Hälfte der Spenden an Anti-Hasch-Abstimmungskomitees beisteuerten.

Purdue zählt zusammen mit der Pharmafirma Alkermes auch zu den Geldgebern der Community Anti-Drug Coalition of America (CADCA). Weitere Financiers der Anti-Hasch-Bewegung sind gemäss «The Nation» Pfizer sowie die Johnson-&-Johnson-Tochter Janssen.

All diesen Unternehmen ist gemeinsam, dass sie starke Schmerzmittel herstellen, die aus Opium gewonnen werden oder synthetisches Opium enthalten. Die Präparate sind entsprechend suchtgefährlich. Patrick Kennedy selber hatte das Purdue-Präparat Oxycontin geschnupft, als er den Autounfall in Wa­shing­ton verursachte. Alkermes sorgte dieses Frühjahr für einen stürmischen Protest, als es das angeblich zehnmal stärkere Schmerzmittel Zohydro auf den Markt warf.

Diese Opiate in Form von Schmerzmitteln sind in den USA für eine enorme Suchtwelle verantwortlich. Die staat­lichen Center for Disease Control und Prevention sind höchst besorgt: Jährlich sterben über 16'000 Abhängige an einer Überdosis solcher Schmerzmittel. Das sind mehr Menschen, als jedes Jahr ­wegen Heroin und Kokain den Tod finden. Zwar versuchen die Hersteller, den Missbrauch zu verhindern, indem sie die Pillen mit einer Schutzschicht versehen, die es unmöglich machen soll, sie zu ­einem schnupftauglichen Pulver zu zerreiben. Doch insbesondere in den ärmlichen Regionen des Südens ist die Oxycontin-Suchtwelle akut.

Für die Hersteller sind die Schmerzmittel ein grosses Geschäft. Purdue machte seit 1996 mehr als 27 Milliarden Umsatz mit Oxycontin. Im Strassen­handel erzielen opiathaltige Präparate Höchstpreise. Diese Woche wurde der Chefapotheker eines New Yorker Spitals des Drogenhandels angeklagt, weil er 200'000 Oxycontin-Pillen mit einem Schwarzmarktwert von 5,6 Millionen Dollar entwendet hatte.

Hasch ist auch Schmerzmittel

Von der Schmerzmittelgefahr ist in den Aufklärungsbroschüren der Anti-Marihuana-Gruppen wenig zu sehen. In ­ihren Kampagnen richten sie sich einzig gegen die Freigabe und fordern stark einschränkende Konsumvorschriften. Dies, obwohl Marihuana für Chronischkranke als Alternative zu den Opiat-­Schmerzmitteln verschrieben wird. Es sei heuchlerisch, sich nicht zu den ­Risiken der suchterzeugenden Schmerzmittel zu äussern und dabei Marihuana auf der Liste der gefährlichsten Drogen behalten zu wollen, kritisieren Ärzte­gruppen wie die Physicians for Responsible Opioid Prescribing. Es stelle sich somit die Frage, ob diese Gruppen von ihren Geldgebern aus der Pharma­branche beeinflusst würden.

Eine Antwort lässt sich vom Widerstand gegen die Zulassung des Schmerzmittels Zohydro ableiten. 42 Dro­gen­aufklärungs­gruppen unterschrieben im Frühjahr den Protestbrief an die Zu­lassungs­behörde. Doch die Partnership for Drug-Free Kids und die Anti Drug Coalition (CADCA) fehlten auf der Liste der Unterzeichner.

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