Huawei-Mitarbeiter erhalten Bonus für Widerstand gegen Trump

Um loyale Angestellte während des Handelskonflikts mit den USA bei Laune zu halten, zahlt der chinesische Telecomausrüster Sonderprämien. Auch Schweizer Mitarbeiter profitieren.

Huawei beschäftigt weltweit 194'000 Mitarbeiter, darunter rund 350 in der Schweiz.

Huawei beschäftigt weltweit 194'000 Mitarbeiter, darunter rund 350 in der Schweiz.

(Bild: Keystone)

Jon Mettler@jonmettler

Huawei zahlt umgerechnet 283 Millionen Franken an ausserordentlichen Boni an seine Mitarbeiter aus – aber nicht, weil sie gut gearbeitet haben. Sondern weil die Angestellten dem chinesischen Telecomkonzern während des Handelskonflikts mit den USA treu geblieben sind. Das berichten chinesische und japanische Medien.

Die dreistellige Millionensumme verteilt Huawei einerseits in Form eines zusätzlichen Lohns an alle Mitarbeiter. Andererseits erhalten Fachkräfte nebst dem regulären Bonus eine weitere Bargeldprämie.

Seit Mai hat die Regierung von US-Präsident Donald Trump Huawei praktisch verboten, Geschäfte mit amerikanischen Unternehmen zu tätigen. Das beeinträchtigt die Fähigkeit des weltweit grössten Telecomausrüsters, Schlüsselteile für seine Produkte wie Netzwerkkomponenten zu beziehen.

Huawei versucht deshalb fieberhaft, Alternativen zu Hardware und Software aus den USA zu finden. Beispielsweise hat der Konzern damit begonnen, ein eigenes Betriebssystem für seine Smartphones zu entwickeln. Bislang konnte Huawei auf Android von Google zurückgreifen.

Hintergrund des Konflikts sind Spionagevorwürfe des Westens an die Adresse von Huawei. Das Unternehmen streitet ab, dass sich das kommunistische Regime einmischt.

«Sonderpreis für Hingabe»

Huawei unternimmt deshalb alles, um die weltweit 194'000 Mitarbeiter bei Laune zu halten. Laut Medienberichten hat die Firma die Bonizahlungen in einer internen E-Mail angekündigt. Darin heisst es: «Im Jahr 2019 standen und stehen das Unternehmen und alle Angestellten vor ausserordentlich grossen externen Herausforderungen.» Das Management habe entschieden, einen «Sonderpreis für Hingabe» auszuzahlen.

Als Ideengeber für den Geldsegen gilt der umstrittene Firmengründer Ren Zhengfei. Er soll enge Kontakte zur Regierung in Peking unterhalten. Branchenbeobachter sehen die Sonderzahlungen als weitere PR-Massnahme, um das weltweit angeschlagene Image von Huawei aufzupeppen.

In den Genuss der Prämie kommen nur Mitarbeiter, die keine ungenügende Leistungsbewertung aufweisen und nicht gegen Sicherheitsbestimmungen verstossen haben. Die Höhe des Bonus entspricht dem Basissalär jedes Angestellten im Oktober und soll mit dem November-Lohn ausbezahlt werden.

Darüber hinaus sollen Forscher, Entwickler und Ingenieure von Huawei von einem zusätzlichen Bonus von umgerechnet knapp 14'000 Franken profitieren.

Boni für Schweizer Mitarbeiter

Die rund 350 Huawei-Mitarbeiter in der Schweiz erhalten den doppelten Lohn ebenfalls. «Das ist eine Massnahme unseres Hauptsitzes in China», sagt ein Firmensprecher. «Die konkreten Details der Umsetzung für die Schweiz werden im Moment ausgearbeitet.»

Hierzulande hat sich Huawei vor zehn Jahren niedergelassen. Der Hauptsitz befindet sich in Köniz bei Bern. Das ist kein Zufall, da die Chinesen beim Markteintritt bewusst die Nähe zum Schweizer Marktführer suchten. Huawei liefert der Swisscom Komponenten, um das Internet auf den herkömmlichen Kupferleitungen zu beschleunigen.

Aktuelles Prestigeprojekt ist aber das ultraschnelle 5G-Mobilfunknetz, das Huawei für Sunrise baut. Im Oktober 2019 eröffneten die beiden Unternehmen ein 5G-Innovationszentrum im zürcherischen Opfikon.

Wie diese Woche bekannt wurde, hat Sunrise die Partnerschaft mit Huawei neu beurteilt. In einem Bericht an die Aktionäre vom September 2019 bezeichnete der zweitgrösste Telecomanbieter der Schweiz die Abhängigkeit vom chinesischen Zulieferer als «hoch».

Dies «könnte unsere Fähigkeit beeinträchtigen, unser Netzwerk zuverlässig zu warten und zu betreiben», heisst es weiter. Entsprechend sei Sunrise daran, den Umfang der Geschäftsbeziehungen zu Huawei zu überprüfen.

Die Analyse ist inzwischen abgeschlossen. Sunrise kommt zum Schluss, dass die von und durch Huawei verbauten oder betriebenen Elemente des 5G-Netzes keine US-Technologien beinhalten. Sie seien somit von möglichen Sanktionen der USA nicht betroffen.

Auch Salt als drittgrösster Mobilfunkbetreiber des Landes ist ein Abnehmer von Huawei-Ausrüstung.

Der Nachrichtendienst des Bundes betrachtet die US-Warnungen vor den Chinesen als Teil eines Wirtschaftskriegs zwischen Amerika und China. Bislang liegen dem Schweizer Geheimdienst keine Beweise vor, dass China über 5G-Technik seine Spionageaktivitäten vorantreibt. Die Bundesbehörde will jedoch genau kontrollieren, ob 5G für Spionage missbraucht wird.

baz.ch/Newsnet

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