«Hier arbeiten definitiv Leute und ich bin nicht der Briefkasten»

Die Firma Transocean wird von BP für die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko mitverantwortlich gemacht. Beim Hauptsitz in Zug ist es jedoch sonderbar still.

Die Firma Transocean mit Sitz in Zug ist Eigentümerin der Unglücks-Öl-Plattform im Golf von Mexiko.

Die Firma Transocean mit Sitz in Zug ist Eigentümerin der Unglücks-Öl-Plattform im Golf von Mexiko.

(Bild: Keystone)

Denise Jeitziner@tagesanzeiger

Wenn man die Nummer von Transocean in Zug wählt, klingelt es erst ein Weilchen. «Transocean, Marica speaking», sagt eine Dame am anderen Ende der Leitung. Beim Nachfragen entpuppt sie sich als Deutsche, die freundlich bestimmt auf die Medienabteilung in Houston verweist.

Sie sei nicht berechtigt, Auskunft zu geben, weder über den Unfall im Golf von Mexiko noch über den Sitz in Zug. So mag sie auch nicht sagen, wie viele Personen in Zug für die Firma Transocean arbeiten, die weltweit 18’500 Mitarbeitende zählt. Den Vorwurf, es handle sich bloss um eine Briefkastenfirma, lässt sie nicht gelten. «Hier arbeiten definitiv Leute und ich bin nicht der Briefkasten.» Später schreibt der Konzernmediensprecher Guy Cantwell in einem Mail aus Houston, dass rund 35 Personen in der Schweiz arbeiteten. In Zug sei unter anderem das Hauptsekretariat untergebracht.

Post geht an Anwaltskanzlei von Peter Hess

Einen richtigen Briefkasten gibt es im Hauptsekretariat von Transocean aber offenbar nicht. Die Post wird an die Anwaltskanzlei «Reichlin & Hess» in Zug geschickt, die Kanzlei des früheren CVP-Nationalrats Peter Hess. Dieser habe jedoch überhaupt keine Verbindung zur Firma Transocean, lässt man bei «Reichlin & Hess» verlauten. Man habe dem Unternehmen einzig Domizil gewährt, also die Postadresse. Weshalb, wie die Verbindungen der Kanzlei zur Firma Transocean sind und warum die Post nicht direkt an den Sitz in Zug geschickt wird, wollte Dr. Paul Thalmann mit Verweis auf das Anwaltsgeheimnis nicht sagen.

Gestern hat der «Blick» versucht, mehr über die Firma zu erfahren, wurde jedoch an der Tür abgewiesen. Medien hätten keinen Zutritt. Seit der Ölkatastrophe dürfe niemand mehr das Büro in Zug betreten, wird eine Transocean-Sekretärin zitiert. Lediglich rund sechs Mitarbeitende sollen in Zug arbeiten. Ein Grossteil der gemieteten Parkplätze in der Tiefgarage werde nie benutzt.

Topmanager leben offenbar in der Schweiz

Ende 2008 wurde der Hauptsitz von Transocean, der als grösster Tiefsee-Ölbohrkonzern weltweit gilt, von den Cayman Islands nach Zug verlegt. Gemäss Konzernsprecher Guy Cantwell lebt das gesamte zehnköpfige Topmanagement um CEO Steven L. Newman und Senior Vice President Eric Brown in der Schweiz, Brown in Nyon mit Sicht auf den Genfersee, Newman in Versoix. Als Grund für den schweizerischen Firmensitz gibt Guy Cantwell den «wettbewerbsfähigen Steuersatz» an sowie die Möglichkeit, die Firmengeschäfte von der Schweiz aus besser managen zu können, da man anderen Gebieten der Welt so geografisch näher sei. Der Grossteil der Angestellten sitzt jedoch weiterhin in Texas.

Die Schuldfrage im Fall der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ist momentan noch nicht geklärt. Der britische Ölkonzern BP hat die Bohrungen zwar veranlasst, die Bohrinsel jedoch hat BP von Transocean geleast. So schiebt BP-Unternehmenschef Tony Hayward die Schuld am Unglück auf Transocean ab. «Die Untersuchungen sind im Gang. Wir warten auf Fakten, bevor wir irgendwelche Schlüsse ziehen», schreibt Guy Cantwell im Mail an baz.ch/Newsnet. Wie hoch die allfälligen Kosten für die Zuger Firma ausfallen könnten, darüber mag der Medienverantwortliche nicht spekulieren.

baz.ch/Newsnet

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