Geld verdienen mit Zigaretten, aber auch mit Lungenkrebs

Die grösste Schweizer Privatspitalkette Hirslanden wird von einer Dynastie kontrolliert, die auch in Zigaretten investiert. Dies kritisiert jetzt die Lungenliga als «zynisch».

Mittendrin im Tabakgeschäft: Johann Rupert zündet sich vor dem Hauptsitz von British American Tobacco in London eine Zigarette an. (Archivbild)

Mittendrin im Tabakgeschäft: Johann Rupert zündet sich vor dem Hauptsitz von British American Tobacco in London eine Zigarette an. (Archivbild)

Er verfügt über ein geschätztes Vermögen von 5,1 Milliarden Dollar und gehört zu den reichsten Menschen Afrikas: der südafrikanische Unternehmer Johann Rupert. Mit dem Geld seines Familienclans beteiligt er sich an verschiedensten Unternehmen in der ganzen Welt. Zum Beispiel an einem Tabakkonzern – und an der Muttergesellschaft der Privatklinikgruppe Hirslanden. Spitäler und Zigaretten also. Publik gemacht hat diese interessante Investmentkombination die Zeitung «Nordwestschweiz».

Johann Rupert ist Verwaltungsratspräsident der Investmentgesellschaft Remgro. Diese ist seit 2007 Hauptaktionärin der internationalen Klinikgruppe Mediclinic, der wiederum die Schweizer Spitalgruppe Hirslanden – die grösste Privatklinik-Kette der Schweiz – gehört. Gleichzeitig ist der Rupert-Clan eng mit der Zigarettenindustrie verbandelt. Johann Ruperts Vater Anton wurde mit dem Tabakkonglomerat Rembrandt reich, heute besitzt die Familie über die Investmentgesellschaft Reinet auch einen wesentlichen Anteil an British American Tobacco.

«Gegenläufige Interessen im gleichen Haus»

Die Ruperts profitieren also einerseits vom Tabakverkauf. Andererseits verdienen sie Geld damit, dass an den Hirslanden-Standorten Aarau, Bern und Zürich in sogenannten Lungenzentren Patienten mit Raucherkrankheiten behandelt werden. So bieten die Zentren ein Check-up für die meist durch starkes Rauchen verursachte Krankheit COPD an. Ausserdem organisieren sie Lungenrehabilitationsprogramme, die Massnahmen zur Raucherentwöhnung enthalten.

Dass die Ruperts sich am Zigarettenverkauf und der Bekämpfung dadurch verursachter Krankheiten beteiligen, sei «zynisch und widerspricht sich ethisch im höchsten Mass», sagt die Lungenliga Schweiz. Aus ökonomischer Sicht habe sie ein gewisses Verständnis für den Investor, der nur am Geld interessiert sei, sagt Lungenliga-Direktorin Sonja Bietenhard zur «Nordwestschweiz». «Ich finde es aber extrem störend, wenn man gegenläufige Interessen im gleichen Haus vereint.»

Bietenhard fragt sich, ob sich die Hirslanden-Gruppe seit der Übernahme durch Mediclinic 2007 immer noch uneingeschränkt für Nikotinprävention und den Rauchstopp engagieren könne. «Darf sie die Tabakhersteller weiterhin kritisieren?» Die Hirslanden-Gruppe wollte sich zu diesen und weiteren Fragen nicht äussern, genauso wenig wie Johann Rupert.

fko

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