Für den Untergang sind UBS und CS zu vernetzt

Nicht nur für die Schweiz, auch für das internationale Finanzsystem sind die beiden Grossbanken UBS und CS von grosser Bedeutung. Im Notfall würde sie die US-Notenbank Fed daher retten.

Die beiden Schweizer Grossbanken wurden vom Fed bereits kräftig unterstützt: Die UBS- und CS-Gebäude am Zürcher Paradeplatz. (Archivbild)

Die beiden Schweizer Grossbanken wurden vom Fed bereits kräftig unterstützt: Die UBS- und CS-Gebäude am Zürcher Paradeplatz. (Archivbild)

(Bild: Keystone)

«Too big to fail» – an diesen vier Worten haben sich die Schweizer Parlamentarier bereits mehrere Sessionen die Zähne ausgebissen. Sie umschreiben die volkswirtschaftliche Bedeutung der Grossbanken für die Schweiz. «Too connected to fail» – diese weit reichendere Bezeichnung benutzt nun ETH-Forscher Stefano Battiston, um kurz und bündig zu verdeutlichen, dass die Banken nicht zu gross, sondern zu vernetzt sind, um unterzugehen.

Er hat in einer ETH-Studie zur Finanzkrise 2008 bis 2010 aufgezeigt, dass die Schweizer Grossbanken UBS und CS aus genau diesem Grund in den USA faktisch eine Staatsgarantie geniessen, wie die Zeitung «Sonntag» berichtet. Die Vereinigten Staaten könnten sich einen Kollaps der beiden Geldinstitute schlicht nicht leisten.

Finanzsystem wäre ohne das Fed kollabiert

So hat die US-Notenbank Fed gemäss der Untersuchung die UBS und die CS in der Finanzkrise mit Notkrediten in der Höhe von maximal 77,2 respektive 60,8 Milliarden Dollar versorgt. Die Institute zählen zum systemkritischen Kern, die vom Fed unterstützt wurden. Wie die Studie aufzeigt, wäre nämlich das internationale Finanzsystem im Verlauf der Subprime-Krise kollabiert, wenn das Fed neben den betroffenen lokalen Instituten nicht auch einem Kern von insgesamt 22 internationalen Banken mit Notkrediten unter die Arme gegriffen hätte. Wären sie ihren Verpflichtungen nicht mehr nachgekommen, hätte dies die Vernichtung von 70 Prozent ihrer Vermögenswerte zur Folge gehabt, analysieren die Forscher um Battiston.

Die Schulden sind jedoch nur ein Aspekt der Systemrelevanz. Dazu kommen gemäss «Sonntag» die gegenseitigen finanziellen Verpflichtungen, über die sich Zahlungsprobleme fortpflanzen und verstärken. Die Studie zeigt auf, dass ein Abschreiber von zehn Prozent so zu einem Verlust von 60 Prozent anwachsen kann.

Kein nationales Problem

Dieser Befund relativiert gemäss «Sonntag» die Annahme, dass ein Kollaps der Banken vorab für die Schweizer Volkswirtschaft verheerend wäre und darum vom Steuerzahler gerettet werden muss. Das Problem sei ein internationales und liege bei der Vernetzung, nicht bei der Grösse: Laut ETH-Forscher Battiston kann durch die gegenseitigen Abhängigkeiten ein einzelnes Institut das ganze System kollabieren lassen. Und das würde die Wirtschaftsmacht USA verhindern.

Forscher Battiston bemängelt die Anstrengungen der Regulatoren, die problematischen Abhängigkeiten zu reduzieren. Stattdessen würden falsche Anreize gesetzt: «Für die Banken ist es attraktiv, sich immer stärker zu vernetzen.» Die jetzt verlangten Kapitalerhöhungen würden von den Grossbanken dazu genutzt, sich noch stärker zu verknüpfen. Das belege das aktuelle Beispiel der CS: Die Investoren, die das frische Geld einschiessen, sind selber Teil eines rund 150 Unternehmen umfassenden, eng vernetzten Kerns der Weltwirtschaft. Im Notfall würden die Banken daher als Teil dieses Kerns von den Notenbanken gerettet werden.

rbi

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