Finma-Chef Branson teilt aus, ohne jemandem wehzutun

Die Banker beherrschen die Risiken nicht, findet der neue Direktor der Finanzmarktaufsicht. Namen nennt er keine.

Erster grosser Auftritt in der Öffentlichkeit: Finma-Chef Mark Branson. Foto: Keystone

Erster grosser Auftritt in der Öffentlichkeit: Finma-Chef Mark Branson. Foto: Keystone

Bruno Schletti@tagesanzeiger

Mark Branson steht unter besonderer Beobachtung. Weil er als neu gewählter Direktor der Finanzmarktaufsichts­behörde (Finma) auf einem exponierten Posten sitzt. Weil er als ehemaliger UBS-Banker im Ruch steht, als Bankenbeaufsichtiger befangen zu sein. Und weil Patrioten befürchten, als Brite werde er die Interessen des Schweizer Finanzplatzes mit zu wenig Herzblut vertreten. Sein erster grosser öffentlicher Auftritt in seiner neuen Funktion an der gestrigen Jahresmedienkonferenz der Finma wurde deshalb mit Argusaugen verfolgt.

Branson hielt eine bemerkenswerte Rede, in der er die Schwachstellen des Schweizer Bankenplatzes schonungslos antippte. Die wichtigsten sind:

Die Bankbranche, die wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig auf Vertrauen angewiesen sei, habe dieses Vertrauen weitgehend verloren – nach 2008 durch die Finanzkrise, dann durch «wiederkehrende Probleme im Geschäftsverhalten vieler Banken».

Es gab «viele Beispiele für unakzeptables Geschäftsverhalten» – von den Milliarden-Fehlspekulationen Adobolis in London über Steuerdelikte bis zu Devisenmanipulationen. Die Gemeinsamkeiten dieses Fehlverhaltens sieht Branson in «nicht beherrschten operationellen Risiken, oft im Compliance-Bereich». Konkret nannte er «unangemessene Arbeits- und Kontrollprozesse, unterschätzte Rechtsrisiken oder Fehlverhalten von Angestellten».

Der Finma-Direktor beobachtet «verhaltensgetriebene Probleme». Vor diesem Hintergrund fordert er die Banken auf, nicht nur Weisungen und Reglemente zu erlassen, sondern diese auch zu kontrollieren und durchzusetzen. Anreizsysteme dürften unangemessenes Verhalten nicht begünstigen. Belohnt werden dürften «nicht nur reine Performance-Kennzahlen, Neugeldzuflüsse oder Gewinne», sondern auch «korrektes Verhalten, das vorsichtige Managen von Risiken und sorgfältig durchgeführte interne Kontrollen».

«Recht hat er, der Branson!», muss man dazu sagen. Das Problem seiner Analyse ist nur, dass sie zu sehr nach Sonntagspredigt riecht. Kaum einer wird ihm widersprechen. Nicht Sergio Ermotti, nicht Axel Weber, das Duo an der UBS-Spitze. Und auch nicht ihre Pendants bei der Credit Suisse, Brady Dougan und Urs Rohner. Die gleiche Bank, die in den USA eben erst zur Zahlung einer 2,5-Milliarden-Franken-Busse verdonnert worden ist, schreibt ihren Kunden, sie habe sich «zu höchsten ethischen Grundsätzen und zur Erfüllung sämtlicher regulatorischer Vorschriften verpflichtet».

Jeder Satz in Bransons Rede ist so formuliert, dass sich niemand direkt angesprochen fühlen muss. Zudem wissen alle, dass auch Branson einst von den UBS-Boni profitiert hat. Und sie wissen, dass die Finma zwar ein Auge auf die Anreizsysteme hat, diese aber in all den Jahren im grossen Ganzen durchgewinkt hat. Branson verlangt von den Bankmanagern nach den Worten Taten. Taten statt Worte ist auch das, was man sich von der Finma wünscht.

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