Der neue Ölriese aus China

Petro China hat Exxon Mobil als grössten Ölproduzenten der Welt abgelöst. Das chinesische Unternehmen schnappt westlichen Firmen rund um die Erde Ölfelder weg. Für den Westen ist dies nicht zwingend negativ.

Betreibt eine aggressive Expansionspolitik: Arbeiter von Petro China auf einem Ölfeld in China.

Betreibt eine aggressive Expansionspolitik: Arbeiter von Petro China auf einem Ölfeld in China.

(Bild: Keystone)

Exxon Mobil ist nicht länger der weltgrösste an der Börse gehandelte Ölproduzent. Der chinesische Konkurrent Petro China erklärte, er habe im vergangenen Jahr 2,4 Millionen Barrel Rohöl pro Tag gefördert, und damit 100'000 mehr als Exxon. Das chinesische Staatsunternehmen steigerte die Fördermenge 2011 um 3,3 Prozent, während die von Exxon um fünf Prozent zurückging. Die Ölproduktion von Exxon fiel damit auch hinter die des russischen Rosneft-Konzerns zurück.

China rief Petro China vor dreizehn Jahren ins Leben, um die Ölversorgung des Landes zu sichern. Im vergangenen Jahrzehnt wuchs die Firma in einem rasanten Tempo, berichtet die Nachrichtenagentur AP. Petro China übertrumpfte regelmässig westliche Unternehmen im Rennen um Ölfelder in Kanada, dem Irak, Australien, Afrika und Katar. Seit 2010 hat Petro China so rund sieben Milliarden US-Dollar in die Neuakquisitionen investiert, doppelt so viel wie Exxon.

Chinesen überbieten jeden

Der steile Aufstieg des Unternehmens zeigt, wie die grossen Ölproduzenten unterschiedlich mit den knapper werdenden Vorkommen und den steigenden Produktionskosten umgehen. Während westliche Firmen wie Exxon ältere und weniger rentable Ölfelder regelmässig abstossen, holt Petro China alles aus seinen Quellen. Das Unternehmen setzt beispielsweise alles daran, möglichst viel Öl aus den Quellen im nordchinesischen Grasland zu holen. Dabei unterhält die Firma Bohrlöcher, deren Anstich teilweise auf die 1950er zurückdatiert werden kann. Nach dem heutigen Industriestandard sind sie somit uralt.

Doch Petro China ist nicht das einzige chinesische Unternehmen, das die weltweite Branche aufmischt. Die Akquisitionen von Unternehmen aus China stiegen von 2 Milliarden Dollar 2002 auf fast 48 Milliarden Dollar 2010. Oftmals bezahlen diese Firmen ein Vielfaches vom durchschnittlichen Preis, um an Ölfelder zu kommen. Ihre Bereitschaft, Mitbewerber um jeden Preis zu überbieten, hat mittlerweile im gesamten Markt die Preise für neue Felder in die Höhe schnellen lassen.

Mehr billiges Öl auf dem Markt

Dies hat bei weitem nicht nur negative Folgen für den Ölmarkt, meint Energieexperte Michael Levi gegenüber «Associated Press». Langfristig werde der Westen von Chinas globaler Expansion profitieren können. Dadurch, dass die chinesischen Firmen Ölfelder im grossen Stil und selbst in politisch instabilen Regionen erschliessen, werde auf die Dauer der Nachschub an Öl steigen.

«Sind wir doch ehrlich: Je risikofreudiger die Produzenten sind, desto mehr Öl wird auf den Markt kommen und desto billiger werden die Preise für Rohöl», meint Levi.

kpn

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