Credit Suisse und die Schattenbanken

Die Schweizer Grossbank soll sich an undurchsichtigen Finanzkonstrukten beteiligen. In den Augen der internationalen Finanzmarktregulatoren sind das fragwürdige Geschäfte mit grossem Risikopotenzial.

Die CS soll mit 331 Milliarden Franken Teil des drittgrössten Schattenbankensystems weltweit sein: Ein Mann vor einem Credit-Suisse-Bürogebäude in Zürich.

Die CS soll mit 331 Milliarden Franken Teil des drittgrössten Schattenbankensystems weltweit sein: Ein Mann vor einem Credit-Suisse-Bürogebäude in Zürich.

(Bild: Keystone)

Mit 331 Milliarden Franken ist die Credit Suisse laut der aktuellen Ausgabe von «Business Law Currents» von Thomson Reuters in diverse Hedge- und Geldmarktfonds investiert. Die Schweizer Grossbank ist damit Teil des drittgrössten Schattenbankensystems weltweit. Auf den vorderen Rängen rangieren die Investmentbanken JP Morgan und Morgan Stanley mit Investitionen von je 384 Milliarden Franken.

Das Ziel der Anlagefonds ist es, mit risikoreichen Finanzprodukten zu handeln und auch Gelder über diverse Finanzvehikel etwa auf den Cayman Islands oder den Bermudas steuerschonend zu parken. Credit Suisse will das auf Anfrage nicht kommentieren.

Das Problem bei solchen Konstrukten: «Sie scheinen nicht transparent in den Büchern auf und sind aus einem Geschäftsbericht nicht herauszulesen», sagt Manuel Ammann, Vorstand des Schweizerischen Instituts für Banken und Finanzen der Universität St. Gallen. Damit unterliegen die indirekt starken Beziehungen der Credit Suisse zur Hedgefondsbranche nicht der gleichen Transparenz wie das gesamte Bankgeschäft in der Schweiz. Das weltweite Volumen von solchen Schattengeschäften, die von der Bankenregulierung nicht erfasst werden, wird auf 60 Billionen US-Dollar geschätzt (56 Billionen Franken).

Ausgelagerte Zweckgesellschaften von Banken, Investment- und andere Finanzmarktfirmen, die keine Banken sind, wickeln dennoch Bankgeschäfte ab. Das wirft kein gutes Licht auf die Credit Suisse. Denn Schattenbanken haben den Ruf, mit grossen Risikopositionen so massiv exponiert zu sein, dass sie auch systemrelevante Finanzinstitute ins Wanken bringen können.

Das Risiko solcher Geschäfte war schon zu Zeiten der Finanzkrise 2008 ein grosses Thema. Damals wurden die Schattenbanken Special Purpose Vehicles genannt, kurz: SPV. Hypotheken und Bankkredite wurden gebündelt, bewertet und als Assets weiterverkauft, die wiederum als Sicherheiten für Kredite dienten. Das Pyramidenspiel ist bekanntermassen als Subprime-Krise aufgeflogen. Das droht sich nun zu wiederholen. Weltweit grösste Drehscheibe für das Schattenbusiness ist der Finanzplatz London, der vergleichsweise wenig reguliert ist.

Vorbeigeschleuste Dividenden

Aber nicht nur aus Risikogründen sind die Schattengeschäfte problematisch. Auch der Versuch, Dividenden institutioneller Investoren in Steuerparadiese zu schleusen, läuft den Finanzregulatoren zuwider. Eine Studie der Nichtregierungsorganisation Bureau of Investigative Journalism (BIJ) hält fest, dass institutionelle Anleger vor allem die Staaten Frankreich, Deutschland und Italien um Steuergelder in der Höhe von bis zu 727 Millionen Franken pro Jahr bringen.

Abgewickelt wird dies ebenfalls über ein Netzwerk diverser Schattenbanken. Ein Hedgefonds oder eine Bank leitet die Dividendenerträge an Finanzinstitutionen weiter, die jeweils ihre Sitze in verschiedenen Steuerparadiesen haben. Über dieses Schattenbankensystem werden die Dividenden schliesslich wieder zum Eigentümer zurückgeleitet, der selbst eine Niederlassung in einem steuerbegünstigten Land unterhält. Auf diesem Weg werden im Schnitt 15 Prozent Dividendensteuer in Europa gespart. Die Credit Suisse soll laut BIJ sogar ein Strategiepapier verfasst haben, das derartige Geldströme im Detail regelt.

Um diese undurchsichtigen und teils riskanten Geldströme transparenter zu machen, will das Financial Stability Board (FSB) mit Sitz in Basel im nächsten Jahr auch die Schweizer Banken verstärkt einbinden. Denn von 24 Mitgliedstaaten des FSB sind bis jetzt nur elf Länder mit an Bord, die Schweiz ist nicht Teil der Arbeitsgruppe.

baz.ch/Newsnet

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