CS soll grösster Geldgeber von umstrittener Pipeline sein

Greenpeace wirft der Bank vor, mit der Mitfinanzierung einer Ölpipeline durch Sioux-Gebiet eigene Richtlinien zu verletzen. Die CS weist die Vorwürfe zurück.

Verletzte Indigenen-Rechte: Proteste gegen die Pipeline in North Dakota.

Verletzte Indigenen-Rechte: Proteste gegen die Pipeline in North Dakota.

(Bild: Keystone)

Vincenzo Capodici@V_Capodici

Nach einem Dekret von US-Präsident Donald Trump haben Anfang Februar die Bauarbeiten an der Dakota Access Pipeline (DAPL) wieder begonnen. Menschenrechtler und Umweltschützer kritisieren das Pipeline-Projekt, weil es die Gebietsrechte der Sioux verletze, ihre Trinkwasserreserven gefährde und die Klimakrise befeure. In der Pipeline steckt auch Geld der Schweizer Grossbanken UBS und CS. Dabei geht es um deutlich mehr Schweizer Geld, als bisher bekannt gewesen war, wie Recherchen von Greenpeace Schweiz zeigen.

Insgesamt habe die CS fast 1,4 Milliarden Dollar in das Pipeline-Projekt in North Dakota und die daran beteiligten Firmen investiert, hält Greenpeace fest. Besonders stossend an der CS-Finanzierung sei, dass «die eigenen Geschäftsrichtlinien solche Beteiligungen eigentlich klar ausschliessen».

CS weist Vorwürfe entschieden zurück

Auf Anfrage von baz.ch/Newsnet hat CS Stellung genommen zu den Vorwürfen von Greenpeace: «Die Credit Suisse ist nicht an der Projektfinanzierung der Dakota-Access-Pipeline beteiligt. In diesem Zusammenhang erhobene Vorwürfe sind falsch und werden von der Bank entschieden zurückgewiesen.»

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Gemäss Greenpeace erfolgt die Finanzierung der schätzungsweise 3,8 Milliarden Dollar teuren Pipeline «teilweise über verschlungene Pfade». Ein Konsortium von 17 Banken habe einen Kredit von 2,5 Milliarden direkt an die Bau- und Betreiberfirma der DAPL gewährt. Obwohl in dem Konsortium keine Schweizer Banken vertreten seien, stecke dennoch Geld von der UBS und vor allem der CS in der DAPL. Die beiden Grossbanken hätten je rund 340 Millionen in Firmen investiert, die an der Pipeline beteiligt sind.

Recherchen von Greenpeace ergaben, dass die CS einen Kredit von 850 Millionen Dollar an die Energy Transfer Equity getätigt habe. Und dieses Geld sei direkt in das DAPL-Projekt geflossen, wie ein Bericht der US-Börsenaufsicht zeige. Die komplette Kreditsumme der CS belaufe sich damit und mit weiteren, kleineren Krediten auf fast 1,4 Milliarden. Laut Greenpeace ist die CS die grösste Geldgeberin der Pipeline.

Greenpeace-Mediensprecher Thomas Mäder kritisiert, dass die eigenen Richtlinien der CS «nicht mehr als ein Deckmäntelchen sind, mit dem die Grossbank der Öffentlichkeit nachhaltiges Wirtschaften vorgaukelt». Die CS habe Greenpeace und der Gesellschaft für bedrohte Völker in privaten Gesprächen zugesichert, ihre Beteiligung an der Pipeline sei «unbedeutend», und sie verurteile die Situation in Standing Rock, wo im Herbst 2016 Sicherheitskräfte gewaltsam gegen Demonstranten vorgegangen waren. «Die Aussagen der CS sind also blosse Lippenbekenntnisse», sagt Mäder. Greenpeace Schweiz fordert, dass die CS die Indigenen-Rechte respektiert und sich aus der Finanzierung zurückzieht.

Präsident Donald Trump hob den Baustopp seines Vorgängers Barack Obama auf. Pipeline-Arbeiten im US-Bundesstaat North Dakota. Foto: Keystone

Protestlager in den USA geräumt

In den USA ist inzwischen das Protestcamp gegen die Dakota Access Pipeline auf Anordnung der Behörden geräumt worden. Die meisten Demonstranten verliessen das Camp am Mittwoch freiwillig. Zehn Aktivisten, die sich einem Ultimatum zur Räumung des Lagers widersetzten, wurden nach Behördenangaben festgenommen. Das Camp befand sich auf einem öffentlichen Grundstück zwischen einem Reservat des Sioux-Stamms Standing Rock und der Pipeline-Route.

Nach monatelangen erbitterten Protesten von Ureinwohnern und Umweltschützern hatte die Regierung von Ex-Präsident Barack Obama das Pipeline-Projekt im Dezember vorläufig gestoppt. Sein Nachfolger Donald Trump ordnete jedoch kurz nach seinem Amtsantritt im Januar per Dekret den Weiterbau an. Die knapp 1900 Kilometer lange Pipeline soll Ölfelder in North Dakota an der kanadischen Grenze mit einem Pipeline-Knotenpunkt in Illinois verbinden.

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