UBS: Chefs vermieden Ärger vor Weihnachten – Dresscode zu hart

Der Unmut über das neue Bewertungssystem bei der UBS ist gross. So gross, dass viele Vorgesetzte die Jahresgespräche nicht mehr wie vorgesehen begannen.

Die Feststimmung sollte nicht durch die Jahresgespräche gestört werden: UBS-Hauptsitz am Zürcher Paradeplatz.

Die Feststimmung sollte nicht durch die Jahresgespräche gestört werden: UBS-Hauptsitz am Zürcher Paradeplatz.

(Bild: Keystone)

Matthias Chapman@matthiaschapman

Vorgesetzte der UBS haben es dieser Tage schwer. Sie müssen ihre Mitarbeiter nach einem neuen Bewertungssystem beurteilen. Und das sieht die Einteilung in fünf Stufen vor: «Hervorragende Leistung», «aussergewöhnliche Leistung», «gute Leistung», «verbesserungsbedürftig» und «ungenügende Leistung». Nun werden sämtliche Angestellten gemäss einer statistischen Normalverteilung in die Gruppen eingeteilt. Im Klartext: Auch wenn ein Vorgesetzter mit sämtlichen Mitarbeitern zufrieden ist, muss er für einige schlechte Bewertungen vergeben. Auch das Umgekehrte könnte der Fall sein.

Bei der Belegschaft sorgt dieses System nun offenbar für Unmut. «Das neue System zur Leistungsbeurteilung wurde letztes Jahr vorgestellt. Wir von der Arbeitnehmervertretung haben schon bei der Lancierung auf mögliche Schwächen aufmerksam gemacht», sagt Dieter Biegger, oberster Arbeitnehmervertreter bei der UBS, zu baz.ch/Newsnet.

Vergleich mit dem Büronachbar

Mit Schwächen meint Biegger den Umstand, dass durch das neue System eine relative Bewertung zu den Arbeitskollegen entsteht und so ein verstärktes Konkurrenzverhältnis innerhalb von Abteilungen provoziert wird. Oder wie es Denise Chervet vom Bankpersonalverband gestern gegenüber «10vor10» sagte: Durch die neue Methode würden «Kollegen zu Konkurrenten» – und dies sei letztlich auch für die UBS negativ.

«Wir haben kritisiert, dass von einer absoluten zu einer relativen Bewertung gewechselt wird. Das heisst, dass die Leistung eines Mitarbeiters mit Mitarbeitern einer Vergleichsgruppe verglichen wird und eine Bewertung aufgrund dieser Resultate zustande kommt», erklärt dazu Biegger.

Negatives Feedback

Die Umstellung auf das neue System begann bereits 2010. «Anfangs Jahr sitzt der Vorgesetzte mit dem Mitarbeiter zusammen. Gemeinsam werden Zielvereinbarungen beschlossen. Im Herbst wird das Erreichte vom Mitarbeiter und Vorgesetzten bewertet», so der Vertreter der UBS-Angestellten weiter.

Der grosse Unmut begann nun offenbar mit den Jahresendgesprächen. «Die bisherigen Feedbacks von Mitarbeitern zeigen, dass die bemängelten Elemente nun zutage treten und das neue Bewertungssystem bei vielen UBS-Angestellten nicht gut ankommt», sagt Biegger. Heikel wurde es nun um die Weihnachtszeit. «Die abschliessenden Bewertungsgespräche haben vor Weihnachten begonnen und ziehen sich bis ins neue Jahr hinein. Viele Vorgesetzte sind vor Weihnachten aber diesbezüglich nicht mehr aktiv geworden. Warum versteht sich von selber.»

Nicht in Stein gemeisselt

Biegger sorgt sich um die Stimmung in der Belegschaft. «Die Gefahr besteht, dass unzufriedene Leute die Bank verlassen oder innerlich kündigen.» Der Angestelltenvertreter setzt sich dafür ein, dass man das bestehende System nochmals kritisch anschaut. «Wir haben Signale erhalten, dass man basierend auf den diesjährigen Erfahrungen prüfen wird, ob und inwiefern Anpassungen vorgenommen werden.» Das bestätigt auch Gery Brüderlin von UBS Human Resources: Man werde nötigenfalls «Anpassungen vornehmen», so der Personalmanager gegenüber «10vor10».

baz.ch/Newsnet

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