Aktionäre zwingen Ölmulti zu mehr Klimaschutz

In einer historischen Abstimmung haben die Anteilshaber von ExxonMobil der Unternehmensführung eine Niederlage zugefügt.

Zwei Drittel stimmten dafür: Ein Arbeiter bei der ExxonMobil-Raffinerie im kalifornischen Torrance. (Archiv)

Zwei Drittel stimmten dafür: Ein Arbeiter bei der ExxonMobil-Raffinerie im kalifornischen Torrance. (Archiv)

(Bild: Keystone Chuck Bennett)

Der US-Energieriese ExxonMobil soll nach dem Willen seiner Aktionäre die Geschäftsplanungen künftig stärker an Klimaschutzzielen ausrichten. Die Aktionsversammlung des Öl- und Gaskonzerns fasste heute in Dallas mit der Mehrheit von 62,3 Prozent einen entsprechenden Beschluss.

Das Votum war eine Niederlage für die Unternehmensführung, die vergeblich argumentiert hatte, der Klimaschutz werde bereits ausreichend berücksichtigt. Noch vor einem Jahr fand die Forderung die Unterstützung von 38 Prozent der Aktionäre. Die Konzernleitung ist an das Votum der Anteilseigner allerdings nicht gebunden. Unternehmenschef Darren Woods sagte, der Konzern werde nun im Licht des Aktionärsbeschlusses seine Planungen nochmals sorgfältig «überprüfen». Die spektakuläre Entscheidung der Exxon-Mobil-Aktionäre kam zu einem Zeitpunkt, zu dem mit Hochspannung auf die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump zum Pariser Klimaschutzabkommen gewartet wird.

ExxonMobil hat seine Haltung zum Klimaschutz bereits seit einigen Jahren revidiert. Früher stellte der Energiegigant die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum menschengemachten Klimawandel in Frage. Heute gehört der Konzern zu den vielen US-Unternehmen, die für den Verbleib der Vereinigten Staaten im Pariser Abkommen plädieren.

Auch Aussenminister Rex Tillerson, der den Konzern mehr als ein Jahrzehnt lang leitete, setzt sich innerhalb der Regierung dafür ein, dass die USA dem Vertrag treu bleiben.

Mehr in Erneuerbare investieren

Bei der Aktionärsversammlung führte die ExxonMobil-Führung nun ins Feld, dass eine Korrektur des Unternehmenskurses im Hinblick auf den Klimaschutz nicht nötig sei. Der Konzern berücksichtige in seinen Planungen bereits, dass künftig möglicherweise immer striktere Vorgaben aus der Politik zu erfüllen seien, lautete das Argument. Dass die Unternehmensspitze mit dieser Argumentation scheiterte, war ein grosser Erfolg für Umweltorganisationen, die seit Jahren fordern, dass ExxonMobil seine Investitionen in die Ölförderung zurückfährt und verstärkt in erneuerbare Energien investiert.

Umweltaktivisten unter den Aktionären konnten nun offenbar die mächtigen US-Investmentfonds Blackrock und Vanguard auf ihre Seite ziehen, welche die grössten Anteilseigner bei ExxonMobil sind. Beide Fonds hatten im Vorfeld der Abstimmung signalisiert, dass sie ihre früheren Positionen zu überdenken bereit seien. Eingebracht wurde der Beschlussentwurf zum Klimaschutz vom Pensionsfonds des Bundesstaates New York. Durch die Resolution wurde der Konzern aufgefordert, jährlich darüber Rechenschaft abzulegen, ob seine Planungen mit verschiedenen politischen Szenarien zum Klimaschutz vereinbar sind.

nag/sda

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