7 Fragen zur Pleite auf dem Zürcher Finanzplatz

Die Traditionsbank Hottinger ist am Ende: Wie konnte das geschehen? Erhalten die Kunden ihr Geld zurück?

Der Finanzplatz am Zürichsee verliert eine Traditionsbank: Blick über Zürichs Innenstadt.

Der Finanzplatz am Zürichsee verliert eine Traditionsbank: Blick über Zürichs Innenstadt.

(Bild: Keystone)

Als Traditionsbank zurückgehend auf eine jahrhundertealte Familiendynastie präsentiert sich die Bank Hottinger. Die Tradition ist nun zu Ende. Die Bank wird liquidiert, die Finma hat den Konkurs eröffnet. Rund 50 Mitarbeiter verlieren die Stelle, einige Kunden möglicherweise Geld.

Gestolpert ist die Bank über stetige Verluste und ungelöste Rechtsfälle, wie es in einer Mitteilung der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) vom Montag heisst. Was für Rechtsfälle das waren, konnte nicht ausfindig gemacht werden. Bei der Bank war niemand erreichbar. Bei der Finma durfte man dazu nichts sagen.

Was ist passiert? Offenbar zehrten die Rechtsfälle und die Verluste an der Substanz. Das Kapital wurde knapp. «Die Finma verfolgte die Kapitalsituation bei der Bank seit längerem eng», sagte FINMA-Sprecher Tobias Lux der Nachrichtenagentur sda. Die Situation habe sich im Sommer akzentuiert.

Warum gibt es keine Rettung? Eine Sanierung wurde gemäss Finma «intensiv geprüft». Die Bank versuchte eine Kapitalerhöhung durchzuführen. Doch der Versuch scheiterte. Irgendwann hatte die Bank weniger Kapital als gesetzlich vorgeschrieben. Ein geeigneter Investor zur Übernahme fehlte. Es habe keine Aussicht auf eine Sanierung gegeben, schreibt die Finma.

Warum greift die Finma ein? Die Bank muss aus oben genannten Gründen liquidiert werden. Dies bringt Kosten mit sich, weshalb eine Überschuldung möglich ist. Aus diesem Grund hat die Finma den Konkurs über die Bank eröffnet.

Erhalten Kunden Geld zurück? Primäres Ziel sei der Schutz der Einleger, schreibt die Finma. Der Konkursliquidator wird daher als erstes die Kundenguthaben bis 100'000 Franken zurückerstatten. Gemäss heutigen Berechnungen könnten diese privilegierten Einlagen mit den vorhandenen Mitteln vollumfänglich ausbezahlt werden.

So präsentiert sich die Bank im Web.

Was passiert mit Spargeldern über 100'000 Franken? Einige Kunden der Bank Hottinger hatten mehr als 100'000 Franken Bargeld auf dem Konto. Laut Lux betrifft dies etwa 200 Personen. Ob auch sie ihr gesamtes Geld zurückerhalten, ist noch nicht sicher. Um dies herauszufinden, müssen zuerst alle Forderungen erfasst werden. Das kann einige Zeit dauern.

Was passiert mit Aktien im Depot? Viele Kunden haben aber nicht ihr gesamtes Vermögen in bar auf dem Konto liegen, sondern einiges beispielsweise in Aktien angelegt. Diese Wertschriften erhalten die Kunden auf jeden Fall zurück.

Muss die Einlagensicherung einspringen Die Einlagensicherung der Schweizer Banken, Esisuisse, müsse nicht einspringen, teilte die Finma mit. Esisuisse würde sicherstellen, dass bei einem Bankenkonkurs alle Kunden bis zu 100'000 Franken ihrer Ersparnisse zurückerhalten, falls die Mittel der Bank dafür nicht ausreichen.

Gegründet wurde die Bank Hottinger im Jahr 1968. Ihre Wurzeln reichen aber weiter zurück: Seit über zwei Jahrhunderten sei die Familie Hottinger in der europäischen Banken- und Finanzwelt ein Begriff, heisst es auf der Homepage der Bank.

Zuletzt beschäftigte die Bank noch rund 50 Angestellte. Sie werden die Stelle verlieren. Kunden hatte die auf Vermögensverwaltung spezialisierte Bank rund 1500. Die Bank hat ihren Sitz in Zürich und eine bedeutende Filiale in Genf. Daneben gibt es Niederlassungen in Basel, Sitten, Brig und New York. Die Bilanzsumme beträgt ungefähr 145 Millionen Franken.

sda

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