5 Fragen zum Angriff auf die Credit Suisse

Wie stehen die Chancen für eine Aufspaltung der CS? Kommt Bank-Chef Thiam unter Druck? Dazu Vontobel-Analyst Andreas Venditti.

Müssen sich gegen einen aktivistischen Investor wehren: CS-Boss Thiam und sein Präsident Rohner.

Müssen sich gegen einen aktivistischen Investor wehren: CS-Boss Thiam und sein Präsident Rohner.

(Bild: Keystone)

Franziska Kohler@tagesanzeiger

Der Hedgefonds RBR Capital Advisors kündigt an, dass er bei der Credit Suisse eine Aufspaltung in Gang setzen will. War so ein Angriff zu erwarten? Es ist nicht das erste Mal, dass im Zusammenhang mit der CS über eine Aufspaltung diskutiert wird. Offenbar hat die Bank ein ähnliches Szenario, wie der Hedgefonds es jetzt präsentiert, selber auch schon durchgerechnet – und verworfen. Auch ich bin vor zwei Jahren in einer Studie zum Schluss gekommen, dass solche Aufspaltungspläne nicht realistisch sind. Meine Meinung hat sich seither nicht geändert.

Der Hedgefonds will die Bank in drei Teile aufspalten: eine Investmentbank, einen Vermögensverwalter und einen Asset-Manager. Sie halten also nicht viel von dieser Idee? Es ist für eine reine Investmentbank schwierig, selbstständig im Markt zu bestehen, unter anderem wegen der Refinanzierung und der Kapitalvorschriften. Eine solche Bank wäre kaum überlebensfähig. Und es würde sie wohl auch niemand übernehmen wollen. Andere ehemalige, reine Investmentbanken wie Goldman Sachs oder Morgan Stanley bewegen sich eher von diesem Geschäftsmodell weg und diversifizieren in andere Bereiche. Goldman Sachs zum Beispiel expandiert im Moment im Kreditgeschäft. Und Morgan Stanley hat das Geschäft mit vermögenden Privatkunden stark ausgebaut.

Will der aktivistische Investor Rudolf Bohli mit seinem Hedgefonds also einfach Staub aufwirbeln und PR in eigener Sache machen? Beim Vermögensverwalter GAM wollte RBR Capital die Macht übernehmen und forderte eine Restrukturierung. An der Generalversammlung im letzten April kamen die Vorschläge zwar nicht durch, aber die Zustimmungsraten waren relativ hoch. RBR konnte also einige andere Investoren von seinem Plan überzeugen und einen Achtungserfolg verbuchen. Das Aktionariat von GAM ist aber extrem konzentriert. Es reichte, relativ wenige Investoren zu überzeugen. Bei der CS mit ihrem total zersplitterten Aktionariat ist die Ausgangslage völlig anders.

Bohli hält laut Berichten nur 0,2 bis 0,3 Prozent der CS-Aktien. Hat er trotzdem Chancen, etwas zu bewirken? Bei der CS wird das extrem schwierig. Und ich halte den Plan selber, ohne die Details zu kennen, für kaum umsetzbar.

Als Tidjane Thiam 2015 als CS-Chef angetreten ist, hat er auch einen Plan für einen Umbau der Bank präsentiert. Kommt er jetzt mit seiner Strategie unter Druck? Der Druck ist natürlich da, es gibt durchaus weiteres Verbesserungspotenzial. Gewisse Ziele hat Thiam schon erreicht. Die Kosten zum Beispiel sinken nach und nach. Die Ertragsseite hängt von den Märkten ab und ist schwierig zu beeinflussen. Thiam verfolgt grundsätzlich die gegenteilige Strategie von der, die Bohli jetzt präsentiert. Er will, dass die einzelnen Einheiten stärker zusammenarbeiten. Man kann sicher über andere, bessere Pläne diskutieren. Aber der von RBR vorgeschlagene scheint mir wie gesagt nicht umsetzbar. Und Thiam hat sich für den Umbau bis 2018 Zeit gegeben. Es bleibt ihm also noch ein Jahr.

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