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1,5 Millionen Frauen klagen gegen Wal-Mart

In den USA berät ab heute das Oberste Gericht über die grösste Diskriminierungsklage der Geschichte. Eine Handvoll Frauen hat den Stein ins Rollen gebracht – hunderttausende schlossen sich an.

Vor dem Obersten Gerichtshof der USA hat heute das Verfahren um die grösste Diskriminierungsklage in der Geschichte des Landes begonnen. Die Richter entscheiden seit heute, ob rund 1,5 Millionen aktuelle und ehemalige weibliche Angestellte der Supermarkt-Kette Wal-Mart eine Sammelklage wegen ungerechter Bezahlung anstrengen dürfen.

Konkret soll der Supreme Court bis Ende Juni entscheiden, ob die Sammelklage in dieser Grössenordnung überhaupt zulässig ist. Wal-Mart hat das Oberste Gericht angerufen, nachdem ein Bundesberufungsgericht im US-Bundesstaat Kalifornien im vergangenen Jahr grünes Licht für eine Sammelklage gegeben hat.

Schadenersatzforderungen in zweistelliger Milliardenhöhe

Am Anfang des Rechtsstreits steht eine Klage von nur einer Handvoll weiblicher Wal-Mart-Angestellter, die dem Unternehmen vorwerfen, Frauen systematisch schlechter zu bezahlen als Männer. Die Klägerinnen fordern nun eine rückwirkende Anpassung ihrer Gehälter und Strafzahlungen für Wal-Mart.

Sollte das Verfahren als Sammelklage für alle ehemaligen und aktuellen Arbeitnehmerinnen von Wal-Mart seit 1998 geführt werden, kämen auf die Supermarkt-Kette Schadenersatzforderungen in zweistelliger Milliardenhöhe zu. Das Unternehmen ist der grösste private Arbeitgeber der USA, es betreibt dort 3400 Filialen und setzt weltweit jährlich 400 Milliarden Dollar um.

Angeblich zu unterschiedliche Fälle

Wal-Mart argumentiert, dass die Fälle von hunderttausenden Frauen zu unterschiedlich sind, als dass sie in einer gemeinsamen Klage verhandelt werden könnten. Ausserdem weist das Unternehmen den Vorwurf der systematischen Diskriminierung von Frauen bei der Entlohnung grundsätzlich zurück.

Der Richterspruch aus Washington dürfte weitreichende Auswirkungen auf das Arbeitsrecht in den USA haben. Mit einer Billigung der Sammelklage würden die Richter einen Präzedenzfall schaffen, der eine Flut von Diskriminierungsklagen von Frauen, Behinderten oder Angehörigen von Minderheiten gegen Unternehmen nach sich ziehen könnte. Im Gegenzug befürchten die Klägerinnen, dass bei einer Niederlage die Möglichkeiten von Frauen, sich gegen Diskriminierungen im Arbeitsleben zu wehren, künftig deutlich eingeschränkt sind.

Bei der ersten Anhörung heute zeigten sich vor allem die konservativen Richter in dem neunköpfigen Gremium skeptisch gegenüber einer Sammelklage. Der erzkonservative Richter Antonin Scalia bezweifelte, dass von einer «zentralen Politik» des Unternehmens die Rede sein könne. Auch Richter Anthony Kennedy, der oft den Ausschlag zwischen dem liberalen und dem konservativen Lager im Obersten Gericht gibt, sprach von «Ungereimtheiten» in der Argumentation der Klägerinnen. In der Vergangenheit neigte der Supreme Court bei ähnlichen Verfahren tendenziell der Arbeitgeberseite zu.

AFP/oku

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