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Umfrage bei Top-Managern: Kaum Korruption in der Schweiz

Die Schweiz ist die Ausnahme: Obwohl Korruption weltweit oft noch immer an der Tagesordnung ist, ist die Schweiz nach Ansicht von Top-Managern grosser Unternehmen davon kaum betroffen.

Allerdings wird hierzulande gerne mal ein Auge zugedrückt. 94 Prozent von Schweizer Top-Managern meinen, dass Betrug und Bestechung in der Schweiz oder in ihrer eigenen Branche kein Thema seien. Dies geht aus einer Umfrage des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen Ernst & Young (E&Y) hervor, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Dazu wurden aus 43 Ländern 1750 Finanzchefs, Leiter der Revisionen, Rechtsabteilungen und Abteilungen befragt, die die Einhaltung der Regeln innerhalb der Konzerne überwachen (sog. Compliance Managements). 51 Top-Manager stammten aus der Schweiz. Während hierzulande Korruption kaum als Thema wahrgenommen wird, sind weltweit 4 von 10 Managern der Ansicht, dass Bestechung in ihren Ländern weit verbreitet sei. Möglicherweise zu rosiges Bild «Möglicherweise steckt in der zurückhaltenden Einschätzung der Schweizer Manager zur Verbreitung der Korruption in der Schweiz, ein zu grosses Vertrauen in die Wirksamkeit der Anstrengungen, die man in den letzten Jahren unternommen hat», kommentierte Michael Faske, Leiter der Betrugsabteilung bei E&Y Schweiz. Zwar hätten viele Schweizer Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren Risikoanalysen zur Korruption durchführen lassen und das Thema auch sonst recht entschlossen angepackt. Aber Verstösse gegen die Richtlinien wurden nicht immer geahndet. Nur ein Drittel der Schweizer Unternehmen gab an, bei aufgeflogenen Bestechungsfällen auch Strafen verhängt zu haben. International seien es immerhin 45 Prozent, hiess es. Viele Schweizer Unternehmen hätten Tochtergesellschaften im Ausland, wo andere Massstäbe gelten würden, sagte Faske. Hier gebe es eine Zweiklassengesellschaft: Einerseits Unternehmen mit Nulltoleranz gegenüber Korruption, weil sie mit aufsehenerregenden Fällen schlechte Erfahrungen gemacht hätten. Andererseits seien Unternehmen, die weniger im Fokus der Öffentlichkeit und Publikumsaktionäre stünden, eher geneigt, Korruptionsfälle intern unter den Teppich zu kehren. Bis vor einigen Jahren galt Korruption in der Schweiz als Kavaliersdelikt. Die Bestechungsgelder waren sogar von den Steuern absetzbar. Auge zudrücken? Zu denken geben auch die Antworten auf die Frage, ob die eigene Unternehmensführung nach Einschätzung der Befragten in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten auch einmal ein Auge zudrücken soll. In der Schweiz liegt die Zustimmung dafür bei 59 Prozent, international bei 54 Prozent. Bargeld sei dabei allerdings weitgehend tabu - nur 6 Prozent würden Schmiergeld gutheissen. Weltweit befürworten indes 15 Prozent der Manager Cashzahlungen, um an Aufträge zu kommen. Vor zwei Jahren waren es nur 9 Prozent gewesen. Schlimm ist die Lage in Indonesien, wo 60 Prozent der Befragten Geldzahlungen für akzeptabel halten.

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