Swisscom muss sich warm anziehen

In der Telecombranche bahnt sich eine Übernahme an. Was hiesse das für die Konsumenten? Und wie würde Swisscom reagieren? Die Antworten.

Netzbetreiber Swisscom muss mit schlagkräftiger Konkurrenz rechnen. Foto: Carlo Reguzzi (Keystone)

Netzbetreiber Swisscom muss mit schlagkräftiger Konkurrenz rechnen. Foto: Carlo Reguzzi (Keystone)

Jon Mettler@jonmettler

Was ist dran an den Gerüchten zu einer Übernahme von UPC durch Sunrise?
Sunrise hat heute Mittwoch auf jüngste Spekulationen um eine Übernahme des Kabelnetzbetreibers UPC Schweiz reagiert. Die Nummer zwei im Schweizer Telecommarkt bestätigte Gespräche mit der UPC-Muttergesellschaft Liberty Global um einen möglichen Kauf. Sunrise hat klare Vorstellungen zum Geschäft: Es werde lediglich zu einer Transaktion kommen, wenn diese strategisch überzeuge und nachweislich Wert für die Aktionäre schaffe. Es gebe zudem keine Gewissheit, dass es zu einer Einigung kommt.

Falls die Übernahme zustande kommt, was würde mit Sunrise und UPC passieren?
Vermutlich würden die zwei Unternehmen zu einem neuen Telecombetreiber verschmolzen. Es entstünde ein schlagkräftiger Vollanbieter mit Mobilfunk, Festnetztelefonie, Internet und digitalem Fernsehen im Angebot. Denn beide Unternehmen würden ihre Netze und Dienstleistungen einbringen: Sunrise das Mobilfunknetz. Und UPC das Kabelnetz mit Zugang zu 2,9 Millionen Haushalten sowie das digitale TV-Angebot mit exklusiven Inhalten wie Liveübertragungen von Schweizer Eishockey.

Was würde der Kauf für die Konsumenten bedeuten?
Im bereits gesättigten Schweizer Telecommarkt würde sich der Wettbewerb verschärfen. Swisscom und der neue Anbieter würden versuchen, sich gegenseitig Kunden abzujagen. Die Nutzer könnten mit attraktiveren Promotionen und besseren Angeboten rechnen.

Die Swisscom erhielte einen ebenbürtigen Konkurrenten.

Was würde die Akquisition für die Branche heissen?
Aus volkswirtschaftlicher Sicht würden zwei Anbieter verschwinden und dafür ein neuer starker Betreiber entstehen. Es gäbe also weniger Konkurrenz. Inwiefern das mit Blick auf die Marktmacht von Swisscom sinnvoll ist, ist eine Frage, mit der sich die Wettbewerbshüter auseinandersetzen müssten.

Was würde die Übernahme für Marktführer Swisscom bedeuten?
Der blaue Riese ist die unangefochtene Nummer eins im Schweizer Telecommarkt. Swisscom profitiert unter anderem von ihrer Grösse und der geringen Wechselbereitschaft der hiesigen Kunden. Sollte Sunrise den Kabelnetzbetreiber UPC Schweiz tatsächlich kaufen, erhielte Swisscom einen ebenbürtigen Konkurrenten. Der neue Vollanbieter hätte beispielsweise mehr finanzielle Mittel zur Verfügung, um in den Ausbau seiner Infrastruktur zu investieren.

Was ist mit Salt?
Die Nummer drei im Mobilfunkmarkt ist seit fast einem Jahr ein Vollanbieter. Allerdings tut sich Salt bislang schwer damit, den Anschluss an Sunrise und UPC Schweiz zu finden. Eine neue schlagkräftige Nummer zwei würde den Druck auf den kleinen Mobilfunkbetreiber massiv erhöhen, sich im hart umkämpften Markt zu behaupten.

UPC-Kunden nutzen heute das Swisscom-Netz.

Welche Rolle spielt 5G?
Derzeit versteigert die Eidgenossenschaft die Frequenzen für den neuen Mobilfunkstandard 5G. Sunrise, Salt und Swisscom bieten mit, jedoch nicht UPC. Dem Vernehmen nach nimmt die britische Vodafone als vierter Anbieter an der Auktion teil. 5G gilt als Treiber für künftige Innovationen im Telecomgeschäft. Es ist deshalb davon auszugehen, dass Sunrise alles daran setzt, um an die begehrten Lizenzen zu kommen. Damit könnte das Unternehmen eine wichtige Mitgift in eine mögliche Ehe mit UPC Schweiz bringen.

UPC bietet doch seit Januar 2019 Mobilfunk neu über das Netz von Swisscom an. Was würde bei einer Übernahme durch Sunrise passieren?
Die neue Besitzerin dürfte versuchen, die UPC-Kunden aufs Sunrise-Mobilfunknetz zurückzuholen.

Was halten die Aktionäre von Sunrise von den Übernahmegesprächen?
Eine Sprecherin des Sunrise-Grossaktionärs Freenet sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Freenet halte eine Konsolidierung der Branche für richtig, würde einen möglichen Deal prüfen, und eine Zustimmung sei nicht ausgeschlossen. Freenet kontrolliert knapp ein Viertel der Sunrise-Aktien.

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