Stromanbieter wechseln – das brachte es den Deutschen

Künftig sollen alle Schweizer ihren Stromanbieter wählen dürfen. In Deutschland ist das seit 20 Jahren so. Wurde der Strom billiger? Wie viele wechseln überhaupt?

Wie in Deutschland sollen auch Schweizer Privathaushalte künftig ihren Stromanbieter frei wählen können. Energieministerin Doris Leuthard gab am Mittwochnachmittag Auskunft. (Video: SDA)
Dominique Eigenmann@eigenmannberlin

Es funktioniert ganz simpel: Der Kunde gibt auf einem Vergleichsportal seinen Ort, seine Strombedürfnisse und seine Wünsche an, was den Strommix anbelangt. Und schon erhält er eine grosse Auswahl von Anbietern, Produkten und Preisen.

Ein Wechsel dauert meist nur wenige Minuten und wird innerhalb von wenigen Wochen vollzogen. Der neue Versorger kümmert sich um die Kündigung des alten Vertrags, der Strom fliesst weiter, ohne dass man vom Wechsel etwas spürt oder gar einen Unterbruch der Lieferungen befürchten müsste.

Wer von einem alten Monopolisten auf einen neuen Anbieter wechselt, kann in der Regel mehrere hundert Euro im Jahr einsparen. Selbst der Wechsel von einem Billigversorger zum nächsten wird mit lukrativen Prämien versüsst, sei es mit dreistelligen Bonuszahlungen schon nach 90 Tagen und noch einmal nach einem Jahr – oder auch mit Geschenken wie Tablets oder Fernsehern.

In Deutschland sind Stromanbieter und Stromkonsumenten schon längst miteinander verbunden: Merkel zelebriert mit Spitzenpolitikern den Ausbau des Stromnetzes. Bild: Reuters/Morris MacMatzen/2012

Wer nicht selbst auf die Idee kommt, den Strom von einem anderen Lieferanten zu beziehen, wird daran auch gerne erinnert: Wenn in einem deutschen Haushalt heute das Telefon klingelt, ist oft ein Vergleichsportal oder ein Stromanbieter dran.

Nur jeder neunte wechselt

In den letzten Jahren ist in Deutschland die Zahl der Wechsler ständig gestiegen, von 700'000 im Jahr 2006 auf 4,6 Millionen 2016. Insgesamt ist ihr Anteil aber dennoch gering, 2016 betrug er 11 Prozent. 30 Prozent der Haushalte beziehen auch 20 Jahre nach der Liberalisierung ihren Strom noch vom alten Grundversorger – in der Regel zu besonders hohen Tarifen.

Obwohl sich heute mehr als 450 Anbieter einen harten Wettbewerb liefern, sind die Strompreise für die privaten Kunden seit 1998 nicht gesunken, sondern haben sich vielmehr fast verdoppelt – auf 30 Cent pro Kilowattstunde, die höchsten Preise Europas. Schuld daran ist aber nicht die Marktöffnung, sondern sind die Steuern, Abgaben, Ökoumlagen und Netzentgelte, die drei Viertel des Preises ausmachen.

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