Umstrittene Geschäfte im Umfeld der Pensionskasse Phoenix

Gegen Serge Aerne, Gründer der Pensionskasse Phoenix, sind gleich mehrere Gerichtsverfahren hängig.

Schwere Vorwürfe: Gegen Phoenix-Gründer Serge Aerne sind mehrere Gerichtsverfahren im Gang.

Schwere Vorwürfe: Gegen Phoenix-Gründer Serge Aerne sind mehrere Gerichtsverfahren im Gang.

(Bild: Keystone)

Die aargauische Pensionskasse Phoenix befindet sich derzeit in einer schwierigen Lage: In internen Untersuchungsberichten wurden etliche Ungereimtheiten festgestellt. Die Phoenix zählt mit über 3000 Versicherten (Stand Ende 2017) zu jener Gruppe der kleineren und auf Wachstum ausgerichteten Pensionskassen, die von Aufsichtsstellen und Experten zum Teil mit Sorge beobachtet werden. Bisher nicht bekannt war, dass gegen Phoenix-Gründer Serge Aerne mehrere Gerichtsverfahren im Gang sind. Dabei geht es um schwere Vorwürfe wie Bilanzfälschung, Urkundenfälschung, versuchte Erpressung und ungetreue Geschäftsführung. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Die Gründe für die Verfahren sind im weiteren Geschäftsumfeld der Phoenix zu finden. Serge Aerne hat unter anderem auch die Nova Vorsorge AG mit Sitz in Schwyz gegründet. Auch die Schwyzer Kantonalbank beteiligte sich an der Nova. Dass eine Kantonalbank mit an Bord war, wirkte vertrauensfördernd. Die auf Verwaltung von Pensionskassen spezialisierte Assurinvest AG folgte nicht zuletzt deshalb dem Ruf Aernes. Auf Anfang 2015 kam es zum Zusammenschluss: Neu sollte die Assurinvest ihre Dienstleistungen unter dem Dach der Nova anbieten. Letztere wurde zu einer Holding. Zu den Aufgaben der Assurinvest zählte neu auch die Verwaltung der Phoenix. Ungereimtheiten festgestellt.

Ein pikantes Detail

Wie verschiedene Quellen schildern, schöpfte bei der Assurinvest anfänglich niemand Verdacht. Wenn Aerne Kontrollaufgaben übernahm, wurde das zunächst als zuvorkommendes Engagement interpretiert. Doch bald habe es je länger, desto mehr Hinweise auf Ungereimtheiten gegeben. Schliesslich stellte die Assurinvest Bilanz- und Urkundenprobleme fest. Ein Beispiel sind dem Vernehmen nach der Verdacht doppelt aktivierter Werte für IT-Infrastruktur in der Übernahmebilanz 2014. Pikant dabei: Ohne diese Aktivierungen wäre die Übernahmebilanz der Nova überschuldet gewesen, wie informierte Kreise berichten. Oder anders interpretiert: Die Assurinvest und die Schwyzer Kantonalbank sind beim Zusammenschluss von falschen Zahlen ausgegangen, wenn der Verdacht sich erhärten sollte.

Aernes Kommunikationsberater Hans Klaus weist den Vorwurf der Bilanzfälschung als «haltlos» zurück. Dies bestätige ein Gutachten der Wirtschaftsprüferin KPMG. Ein Gutachten der Gegenparteien kommt jedoch zu einem anderen Schluss.

Niemand wünscht sich strafund zivilrechtliche Verfahren. Wie verschiedene Quellen berichten, reagierte Aerne darauf, indem er ein Mitglied des Bankrats der Schwyzer Kantonalbank kontaktierte. Es steht der Vorwurf im Raum, dass er einen Rückzug der Klagen gegen ihn verlangte. Andernfalls würde er seinerseits gegen die Schwyzer Kantonalbank ein Verfahren wegen Verletzung des Bankkundengeheimnisses initiieren. Eine solche Verletzung hätte für eine Bank nicht nur rechtlich unangenehme Folgen, auch der Ruf würde leiden.

Als Belege habe Aerne eine Kundenliste angeführt, die er von der Schwyzer Kantonalbank erhalten habe. Die Schwyzer Kantonalbank leitete daraufhin gegen Aerne ein weiteres Strafverfahren wegen versuchter Erpressung ein. Die Bank betont auf Anfrage, dass sie das Bankkundengeheimnis keinesfalls verletzt habe. Aufgrund des laufenden Verfahrens will sie den Fall aber nicht weiter kommentieren. Aus dem gleichen Grund lehnten auch die Verantwortlichen von Nova und Assurinvest Stellungnahmen ab.

Strafuntersuchung ist hängig

Hans Klaus sagt, der Vorwurf der versuchten Erpressung stimme nicht. «Der angezeigte Sachverhalt wurde bis jetzt von der Staatsanwaltschaft nicht untersucht und ist faktisch sistiert.» Verschiedene Quellen bestätigen, dass die Staatsanwaltschaft in dieser Angelegenheit bisher tatsächlich noch wenig bis nichts unternommen habe. Doch von Sistierung kann keine Rede sein. Auf Anfrage bestätigt Marco Breu von der Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsstraffälle und organisierte Kriminalität des Kantons Thurgau, dass in diesem Fall eine Strafuntersuchung hängig ist. Offenbar wollte die Staatsanwaltschaft zuerst das Zivilverfahren abwarten.

Schliesslich kauften die Schwyzer Kantonalbank und die Assurinvest Aerne 2015 seine Anteile an der Nova ab. Über die Summe wurde Stillschweigen vereinbart. Gemäss informierten Kreisen geht es um einen Betrag in der Höhe von mehreren Millionen Franken.

Aerne ist auch Mitglied von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung der börsenkotierten BFW Liegenschaften. Deren Geschäftsführer Beat Frischknecht sagt, die Verfahren seien schon vor mehreren Jahren sistiert und erst auf Intervention der Gegenpartei weiterverfolgt worden. Der aktuelle Stand des Verfahrens sei ihm nicht bekannt.

Zum Vorwurf der Bilanzfälschung gibt es Gutachten, die zu verschiedenen Schlüssen kommen.

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