Mieter, fordert euer Geld!

Zu wenige beharren auf den ihnen zustehenden Zinssenkungen. Dabei könnten sie handeln. Jetzt.

Andrea Fischer@tagesanzeiger

Höchstwahrscheinlich bezahlen Sie mehr Miete, als Sie eigentlich müssten. Denn: Zwei Drittel der Mieterinnen und Mieter fordern keine Mietzinsreduktion, obwohl sie darauf Anspruch haben. Sie verschenken damit Geld an ihre Vermieterinnen. Diese verdienen durch die Untätigkeit ihrer Mieter jährlich mehrere Milliarden Franken zusätzlich – Geld, das ihnen nicht zusteht.

Dabei sind die Vermieter verpflichtet, die Mieten dem jeweils geltenden Referenzzinssatz anzupassen. Zwar müssen sie das nicht von sich aus tun, wohl aber, wenn ihre Mieterinnen dies verlangen. Und diese können jederzeit eine Mietzinsanpassung einfordern. Ja: Sie brauchen nicht zuzuwarten, bis der Referenzzinssatz erneut sinkt. Ein Blick in die Mietzinsunterlagen genügt, um herauszufinden, ob Sie dazu berechtigt sind. Der derzeit geltende Referenzzinssatz liegt bei 1,5 Prozent. Basiert der Mietzins für Ihre Wohnung auf einem höheren Satz, haben Sie Anspruch auf eine Reduktion. Schon ein Unterschied von nur 0,25 Prozent berechtigt zu einer rund 3 Prozent tieferen Miete. Das mag auf den ersten Blick nicht viel sein, über mehrere Jahre hinweg betrachtet, läppern sich aber ansehnliche Beträge zusammen.

Was tun? Fürs Erste reicht ein höfliches Schreiben an die Vermieterin. Darin erkundigt man sich nach einer Anpassung des Mietzinses an den tieferen Satz. Die Vermieterin kann ihrerseits gestiegene Kosten für den Betrieb oder den Unterhalt geltend machen, muss diese aber belegen. Gelingt ihr das nicht und lehnt sie eine Mietzinsreduktion dennoch ab, kann der Mieter an die Schlichtungsbehörde gelangen. Das kostet nichts und hat zudem den Vorteil, dass man nach einer Einigung in der Schlichtungsverhandlung während dreier Jahre vor einer Kündigung geschützt ist. Auch ohne Schlichtungsverhandlung darf der Vermieter nicht einfach kündigen, nur weil ein Mieter seine Rechte wahrnimmt. Die Furcht vieler Mieterinnen und Mieter vor negativen Konsequenzen ist somit unbegründet.¨

Manche Mieter rechtfertigen ihre Untätigkeit mit dem guten Einvernehmen, das sie mit der Vermieterin hätten.

Warum scheut dennoch die Mehrheit davor zurück, ihre Ansprüche geltend zu machen? Einige geben vor, mit ihrem Mietzins zufrieden zu sein; ehrlicher wäre wohl zu sagen, dass man den Aufwand scheut. Dieser hält sich im Rahmen. Aber es ist nun mal so, dass man selber aktiv werden muss, wenn einem die eigenen Rechte nicht automatisch gewährt werden.

Manche Mieter rechtfertigen ihre Untätigkeit mit dem guten Einvernehmen, das sie mit der Vermieterin hätten. Sie fürchten, dieses aufs Spiel zu setzen, wenn sie eine Mietzinssenkung fordern. Diese Mieter müssen sich indes die Frage gefallen lassen, wie gut es um dieses Verhältnis tatsächlich bestellt ist, wenn ihnen der Vermieter die Ansprüche vorenthält, die ihnen zustehen.

Aus blosser Rücksichtnahme auf den netten Vermieter die eigenen Rechte hintanzustellen, ist weder nötig noch ratsam. Vermieterinnen und Vermieter haben genug Möglichkeiten, die Mietzinse so festzulegen, dass sie auf ihre Rechnung kommen. Aber: Es ist gerade auch die Untätigkeit der Mieter, die dazu beiträgt, dass das nicht gerade tiefe Mietzinsniveau hierzulande höher ist, als es sein könnte.

Würden Mieterinnen und Mieter künftig vermehrt von ihrem Recht Gebrauch machen und ihnen zustehende Mietzinsreduktionen verlangen, könnte dies auch dazu führen, dass die Vermieter fortan eher von sich aus die Senkungen gewähren.

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