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Schweizer Tourismus schlittert in die Krise

Erstmals seit 40 Jahren erwartet die hiesige Tourismusbranche eine negative Bilanz. Verbandschefs planen einen Krisengipfel mit Wirtschaftsminister Schneider-Ammann.

Branche auf Talfahrt: Der Überschuss aus dem Tourismus ist gewaltig geschrumpft. (Archiv)
Branche auf Talfahrt: Der Überschuss aus dem Tourismus ist gewaltig geschrumpft. (Archiv)
Keystone

Seit Jahrzehnten erwirtschaftet die Schweiz im Tourismus jedes Jahr einen schönen Überschuss. Ausländische Gäste gaben hierzulande regelmässig mehr aus, als Schweizer Touristen im Ausland liegen liessen. Doch im Jahr 2015 ist dieser traditionelle Überschuss auf kümmerliche 0,2 Milliarden geschrumpft – der schlechteste Wert seit vierzig Jahren. Das zeigen provisorische Zahlen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zur Fremdenverkehrsbilanz, die nicht gesondert veröffentlicht werden und die die «Schweiz am Sonntag» ausgewertet hat.

2010 waren es noch ein Überschuss von 3,7 Milliarden gewesen. In diesem Jahr wird der negative Trend wohl angehalten haben. «Nach allem was wir wissen, war es ein schlechter Winter», sagt der emeritierte St. Galler Professor Franz Jaeger. Er geht davon aus, dass die Schweiz dieses Jahr erstmals eine negative Fremdenverkehrsbilanz haben wird. «Ich wäre positiv überrascht, wenn es anders käme.» Der Tourismus komme nicht zurecht mit der Frankenüberbewertung. «Die Branche bemüht sich redlich, aber sie hat schlicht weniger Möglichkeiten sich anzupassen als andere Branchen.»

Tourismus-Krisengipfel absehbar

Am Fest zum 125-Jahre-Jubiläum von Gastrosuisse bot Bundespräsident Johann Schneider-Ammann der Tourismusindustrie überraschend Hand für einen Krisengipfel. «Mein Angebot haben Sie», versprach der Bundespräsident Mitte dieser Woche den 600 anwesenden Hoteliers und Gastwirten in der Stadthalle von Olten SO.

«Zur Vorbereitung wird zunächst innerhalb der Branche in kleinen Arbeitsgruppen über leicht umsetzbare Massnahmen diskutiert», sagt Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer in der «Schweiz am Sonntag». Gleichzeitig erwarte er natürlich auch Vorschläge vom Bundespräsidenten selbst. «Immerhin verfügt sein Departement über riesige Ressourcen.» Einen festen Termin für den Krisengipfel gebe es zwar noch nicht. «Aber er wird mit Sicherheit noch vor den Sommerferien stattfinden.»

Starken Franken thematisieren

Platzer erhofft sich eine Entlastung durch einen Bürokratieabbau oder klügere gesetzliche Regeln, die beispielsweise Parallelimporte ermöglichen sollen. Diskutieren will er die Geldpolitik der Nationalbank. «Es sollte geprüft werden, ob die SNB nicht mehr für die Schwächung des Frankens tun kann.» Er habe Signale von anderen Verbänden aus dem Handel und der Industrie erhalten, die ebenfalls solche Massnahmen besprechen wollen.

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