Schweizer fühlen sich von Siri & Co. schlecht verstanden

Besonders Bündner und Walliser haben so ihre Mühe mit den digitalen Helfern.

Verständigungsprobleme: Sprachassistenten wie Apples Siri haben offenbar Mühe mit den Schweizer Dialekten.

Verständigungsprobleme: Sprachassistenten wie Apples Siri haben offenbar Mühe mit den Schweizer Dialekten.

(Bild: Keystone)

Jorgos Brouzos@jorgosbrouzos

Sie hören immer mit – und wenn sie richtig angesprochen werden, sollen sie einem weiterhelfen. Sprachassistenten werden bald in fast jeder Stube sein, ist sich die IT-Branche sicher. Schon in drei Jahren sollen mehr als die Hälfte aller US-Haushalte einen solchen Helfer angeschafft haben.

Die Schweiz dürfte dem etwas hinterherhinken, doch auch hier soll die Verbreitung zunehmen. Die Geräte von Google und Amazon sind auch in der Schweiz für wenig Geld zu haben. Zudem sind die Sprach-Suchen von Apple Siri und Google Assistant auf den meisten Smartphones, Tablets oder Computern als eigenständige Software installiert.

Die Schweizer stehen der Technologie aber noch zurückhaltend gegenüber. Laut dem Beratungsunternehmen Deloitte hat etwa ein Drittel einen Sprachassistenten bereits ausprobiert. Aber nur ein Zehntel nutzt diesen täglich auf dem Smartphone. In China sollen es bereits rund 24 Prozent sein, die den digitalen Helfer regelmässig einsetzen.

Schlechte Noten für Verständlichkeit

Ein wichtiger Grund für den zurückhaltenden Einsatz dürfte relativ simpel sein: Zwar hat sich die Spracherkennung in den letzten Jahren deutlich verbessert, doch haben viele Schweizer tatsächlich das Problem, dass sie von den Geräten nicht verstanden werden – selbst wenn sie Hochdeutsch sprechen. Dies zeigt ein Auszug einer Studie der Universität Luzern , die gemeinsam mit der Kommunikationsagentur Farner durchgeführt wurde.

Mehr als 1000 Schweizer wurden gefragt, ob sie auf den Sprachassistenten verzichten würden, weil er sie nicht versteht. Besonders Nutzer aus den Kantonen Wallis und Graubünden verzweifeln an der Sprachsuche. Am besten kommt sie hingegen bei den Tessinern, Freiburgern und Genfern an. Doch auch sie fühlten sich nicht besonders gut verstanden. Auf einer Skala von 1 bis 5 gab es bei den Tessinern für die Verständlichkeit im Schnitt eine 3.

Die Detailergebnisse der Studie werden in den nächsten Wochen veröffentlicht. Dort werden weitere Erkenntnisse über die Einsatzmöglichkeiten und die Bedenken der Schweizer gegenüber den Sprachassistenten beschrieben. Interessierte können sich hier/ für den Newsletter anmelden und die Studie bestellen.

Laut einer im Herbst publizierten Untersuchung des deutschen Energieversorgers Eon sind die digitalen Assistenten bislang besonders für Recherchen, Wettervorhersagen oder Anrufe gefragt. Doch die Systeme werden immer ausgefeilter: Amazons Alexa kann Hausmittel gegen den lästigen «Pfnüsel» empfehlen, und der Google-Assistent soll eigenständig Hotels buchen oder Flüge einchecken können. Bei Amazon soll sich der Sprachassistent künftig besonders für das Einkaufen eignen.

Dauerüberwachung

Sprachassistenten sind aber nichts anderes als intelligente Mikrofone. Nutzer müssen sich über die «Dauerüberwachung» im Klaren sein und sich mit den damit verbundenen Nachteilen beschäftigen, heisst es in einem Merkblattdes deutschen Datenschutzbeauftragten.

Die Hersteller entgegnen darauf, dass die Systeme zwar permanent auf Befehle warten, die Umgebungsgeräusche aber nicht aufgezeichnet würden. Jungfirmen erkennen im Datenschutz aber bereits ein Geschäftsmodell. Das US-Unternehmen Snips will Sprachassistenten anbieten, die keine Aufnahmen speichern.


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