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Schweiz verliert an Wettbewerbsfähigkeit

Im internationalen IMD-Ranking fällt die Schweiz zurück. Was das mit der Masseneinwanderungsinitiative zu tun hat.

Immer noch wettbewerbsfähig, aber nicht mehr so dominierend wie einst: Die Schweiz und ihre Unternehmen wie der Werkzeugmaschinenhersteller Tornos.
Immer noch wettbewerbsfähig, aber nicht mehr so dominierend wie einst: Die Schweiz und ihre Unternehmen wie der Werkzeugmaschinenhersteller Tornos.
Keystone

Das ist die Schweiz nicht gewohnt. In Studien zur Wettbewerbsfähigkeit von Ländern rangiert sie eigentlich immer ganz vorne. Das Weltwirtschaftsforum WEF kürte sie in ihrem «Global Competitiveness Report» zuletzt neunmal in Folge zur konkurrenzfähigsten Volkswirtschaft weltweit. Und auch im Ranking der Elitehochschule IMD aus Lausanne belegte sie in den vergangenen beiden Jahren jeweils den zweiten Rang.

Doch jetzt hat die Schweiz ihren scheinbar reservierten Spitzenplatz eingebüsst. Im «World Competitiveness Ranking 2018» von IMD ist sie von Singapur, den Niederlanden und den USA überholt worden und liegt nur noch auf Rang 5. Die USA lassen unter Präsident Donald Trump derweil Hongkong als wettbewerbsfähigste Volkswirtschaft der Welt hinter sich und führen die Rangliste neu an.

Das IMD hat 63 Länder anhand von 258 Indikatoren untersucht, die zur Wettbewerbsfähigkeit eines Landes beitragen. Sie lassen sich in vier Hauptkategorien zusammenfassen: volkswirtschaftliche Leistung, politische Effizienz, wirtschaftliche Effizienz und Qualität der Infrastruktur. Die Rückkehr der USA an die Spitze der Rangliste ist vor allem auf ihre Stärke in der erst- und letztgenannten Kategorie zurückzuführen, wo sie derzeit besser abschneiden als alle anderen Länder.

Die Schweiz liegt in keiner dieser Hauptkategorien ganz vorne, bietet aber den besten institutionellen Rahmen für die Wirtschaft, ein starkes Finanzwesen sowie hohe Standards bei der Infrastruktur und dem Gesundheitssystem.

Bei Indikatoren wie dem Aussenhandel, die zur volkswirtschaftlichen Leistung beitragen, sieht es hingegen schlecht aus: Hier findet sich die Schweiz im Mittelfeld des internationalen Vergleichs wieder oder im Fall ihrer hohen Preise sogar erst auf dem 53. Platz.

Das IMD begründet den Abstieg der Schweiz im Ranking insbesondere mit einem «Rückgang der Exporte, des Beschäftigungswachstums und von internationalen Investitionen». Obwohl der Schweizer Aussenhandel im vergangenen Jahr zugelegt habe, müsse man jederzeit mit «Schwankungen» rechnen, sagen die Studienautoren auf Nachfrage.

Eine entscheidende Rolle spielten zudem mittel- und langfristige Entwicklungen bei der Einwanderungspolitik und auf dem Arbeitsmarkt sowie «stärkere Ängste vor der Verlegung von Forschungs- und Entwicklungsstandorten ins Ausland». Das zeigen die Ergebnisse einer Meinungsumfrage unter Führungskräften, die ebenfalls in die Bewertung einflossen.

Die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative im Jahr 2014 schadete dem guten Ruf der Schweiz als besonders offenes und innovatives Land demnach nachhaltig. Auch wenn sich einige Befürchtungen hinsichtlich der wirtschaftlichen Auswirkungen der Initiative inzwischen verflüchtigt haben, schätzen die befragten Manager die Schweiz nicht mehr als gleich wettbewerbsfähig ein wie in den Vorjahren.

Dass sie trotz gewisser Ängste vor einer Abschottung ihres Arbeitsmarkts insgesamt gut bewertet wurde und in den Top 5 des Rankings landete, verdankt die Schweiz vor allem ihrer politischen Stabilität und dem hohen Ausbildungsstand der Arbeitskräfte.

Jeweils über 60 Prozent der Befragten bezeichneten diese Faktoren als entscheidend für die Attraktivität des Standorts. Auch mit ihrer ausgezeichneten Infrastruktur, einem hohen Investitionsniveau im Bereich von Forschung und Entwicklung sowie ihrem unternehmerfreundlichen Umfeld kann die Schweiz bei vielen Führungskräften punkten.

Aus Sicht des IMD kommen 2018 dennoch verschiedene Herausforderungen auf die Schweiz zu. Vor allem gelte es, protektionistischen Massnahmen entgegenzuwirken und die Märkte offen zu halten, schreibt das Institut. Ausserdem gebe es Reformbedarf bei der Unternehmenssteuer, um konkurrenzfähig zu bleiben. Und schliesslich müsse der Wettbewerb im inländischen Markt angekurbelt werden, wenn die Schweiz ihre im Vergleich mit anderen führenden Wirtschaftsstandorten niedrige Produktivität steigern wolle.

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