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Schutz der Kinder im Internet ist Elternsache Kompetenz statt Verbote Von Kurt Haupt, sda/MID Hintergrund

Sollen Kinder und Jugendliche neue Medien sinnvoll nutzen, braucht es Wissen und Regeln.

Technische Hilfsmittel bieten Hilfe beim Schutz der Kinder und dienen als Wegweiser im World Wide Web. Sie können aber nicht Erziehung und Engagement der Eltern ersetzen. Damit Kinder und Jugendlichen einen vernünftigen Umgang mit Internet und Smartphone lernen, braucht es kompetente Eltern. Diese sollten deshalb erstens wissen, was der Nachwuchs überhaupt am PC und auf dem Smartphone treibt. Bis vor wenigen Jahren war es noch recht einfach, die Internetnutzung von Kindern und Jugendlichen zu kontrollieren, da diese ausschliesslich am heimischen PC stattfand. Heute ist das World Wide Web aber praktisch überall und findet sich nicht nur auf PC und Smartphones, sondern auch auf Fernsehern und Spielkonsolen. Es ist also schwieriger geworden, die Nutzung direkt zu kontrollieren. Verändert haben sich auch die Gefahren aus dem Internet und insbesondere auch deren Wahrnehmung. Versuchte man eine erste Generation von jugendlichen Internetnutzern noch hauptsächlich vor Gewaltdarstellung und Pornografie zu schützen, drohen heute weit massivere Gefahren. Diese reichen vom «digitalen Rufmord» mittels Cybermobbing, Kriminellen in Chatrooms, Abzockerseiten mit Abofallen, teure Urheberrechtsklagen nach der Nutzung von Musiktauschbörsen bis zur Spielsucht in unendlichen Rollenspielen. Inhalte kritisch werten Vor diesen Gefahren können Verbote in vielen Fällen nicht direkt schützen, stattdessen bedarf es bei Eltern und Jugendlichen an Medienkompetenz. Medienkompetenz bedeutet, dass man nicht nur weiss, wie man Internetangebote nutzt, sondern deren Inhalte auch kritisch wertet. Ferner müssen sich die Nutzer auch der Wirkung und Auswirkung von Mediennutzung, Preisgabe von persönlichen Daten und öffentlichen Äusserungen bewusst sein. Der Buchautor Thomas Feibel (»Kindheit 2.0: So können Eltern Medienkompetenz vermitteln») hat kürzlich in einem Artikel für ein halbes Dutzend Gefahrenbereiche vorbeugende Massnahmen auf aufgelistet. In vielen Fällen bleibt Eltern allerdings lediglich die Möglichkeit, ihre Sprösslinge rechtzeitig aufzuklären und durch vereinbarte Verhaltensregeln vor dem Gröbsten zu schützen. Technische Massnahmen können dabei bestenfalls flankierend schützen helfen. Insbesondere sorgen sie für die Einhaltung bestimmter Regeln. Gute Internetmodems enthalten beispielsweise Kinderschutzfunktionen, mit denen der Zugang eines Rechners ins Internet auf bestimmte Tageszeiten oder eine bestimmte Stundenanzahl limitiert werden kann. Schutzprogramme scheitern am Dialekt Mit PC-Programmen wie Salfeld Kindersicherung, K9 Web Protection oder dem kostenlose Microsoft Family Safety kann man die Internetnutzung filtern, kontrollieren und limitieren. Auf Smartphones sollen Programme K9 für iPhones oder Android Parental Control vor dem Schlimmsten bewahren. Auch die meisten Virenschutzpakete versprechen, die jugendlichen Surfer vor Gefahren aus dem Internet zu schützen. Fehlende Medienkompetenz können aber auch diese Helfer nicht ersetzen. So zeigte ein Test der Konsumentenzeitschrift K-Tipp auf, dass beispielsweise alle Schutzprogramme an dem von Jugendlichen meist verwendeten Schweizerdialekt scheitern. Zwar filtern die Programme auf Facebook Beschimpfungen wie «Idiot» aus, schützen aber nicht vor helvetischen Schmähbegriffen wie «Tubbel und Schissdräck». Ausreichend Information An Informationen zur Medienkompetenz im Internet mangelt es inzwischen nicht mehr. Informationsseiten wie www.elternet.ch, www.kinderonline.ch, www.handyprofis.ch, www.netcity.org, www.zischtig.ch, www.safersurfing.ch, www.t-ki.ch, www.fit4chat.ch und www.schaugenau.ch wenden sich sowohl an Eltern als auch an Kinder und Jugendliche. Der Frage, wie Jugendliche und Erwachsene den Umgang mit neuen Medien wie dem Internet erlernen können, war auch Thema des ersten nationalen Tags der Medienkompetenz, der Ende Oktober in Freiburg stattgefunden hat. Er ist Teil des vom Bund mit 3 Millionen Fr. mitfinanzierten Programmes «Jugendmedienschutz und Medienkompetenz».

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