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Präzisere Warnung vor Turbulenzen

Die Zahl der Verletzten durch Stürze oder herumfliegende Gegenstände in Flugzeugen hat zugenommen. Mit neuer Technik wollen Airlines künftig auf Luftlöcher reagieren.

Beten für eine sichere Landung: Bei schweren Turbulenzen über Sumatra wurden 2016 über 30 Passagiere einer Maschine der Etihad Airways verletzt. Foto: Screenshot
Beten für eine sichere Landung: Bei schweren Turbulenzen über Sumatra wurden 2016 über 30 Passagiere einer Maschine der Etihad Airways verletzt. Foto: Screenshot

Vielflieger kennen das unangenehme Phänomen, wenn ein Passagierflugzeug zu schütteln beginnt, plötzlich absackt und Kaffeebecher durch die Kabine fliegen. Turbulenzen sind nicht nur unangenehm, sondern auch gefährlich. Vor allem die sogenannten Clear-Air-Turbulence-Vorfälle, die von Passagieren als «Luftlöcher» wahrgenommen werden, sind berüchtigt und gefürchtet.

Die Zahl der schweren Vorfälle habe in den letzten Jahrzehnten «klar zugenommen», sagt Swiss-Sprecherin Karin Müller, es komme zu Verletzungen durch Stürze oder herumfliegende Gegenstände. Zudem gefährden schwere Turbulenzen die Flugsicherheit. Nach Angaben des Internationalen Luftfahrtverbands (Iata) sind Luftverwirbelungen die Hauptursache für Verletzungen von Fluggästen oder Besatzungsmitgliedern an Bord. Turbulenzen seien ein «grosses Problem», sagt Katya Vashchankova, Chefin des Meteorologischen Programms der Iata.

Die Vorhersagen sollen viel zuverlässiger werden

Deshalb startet der Verband im Februar 2019 das Turbulence Data Sharing Projekt, das Turbulenz-Warnungen in Echtzeit mithilfe einer neuen globalen Turbulenzdatenbasis ermöglicht. Dank einer Software, die in den USA von Spezialisten des National Center for Atmospheric Research (NCAR) in Zusammenarbeit mit der US-Luftaufsichtsbehörde entwickelt wurde.

Die «Open source»-Software wird Luftfahrtgesellschaften gratis zur Verfügung gestellt. Die Iata hat für die Testphase bereits Verträge mit den Fluggesellschaften Delta, United und Aer Lingus unterzeichnet. Lufthansa, Swiss oder Air France werden folgen.

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Video – Todesangst im Flugzeug

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Eines der Hauptziele des Projekts ist laut Swiss-Pilot Martin Gerber die Verbesserung bestehender Vorhersagemodelle durch objektive Turbulenzmessungen mithilfe der neuen Software zur Bestimmung des Turbulenzgrades. Gerber sitzt in der Iata Advisory Group und hat über die Zürcher Skylab Foundation ein komplementäres Projekt gestartet.

Die Stiftung richtet ihr Augenmerk dabei auf Vorhersagen zum im Alpenraum auftretenden Phänomen der Leewellenturbulenz, um die Anzahl von Zwischenfällen auf Linienflügen zu reduzieren. Das Schweizer Turbulenzprojekt wird von der ETH Zürich, der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), Meteo Schweiz, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und der Swiss unterstützt.

Swiss rüstet ihre Boeing 777 mit neuem System aus

Die Swiss stattet ab Februar 2019 ihre Boeing-777-Flotte mit der neuen NCAR-Software aus, die auftretende Turbulenzen misst und die Daten in Echtzeit an den Boden und in die Iata-Datenbasis sendet. Auch alle anderen Maschinen sollen nachgerüstet werden.

Die Turbulenzreports der Airlines würden im 30-Sekunden-Takt gesendet, sobald eine bestimmte Schwelle überschritten werde, erläutert Katya Vashchankova. Die Daten unterliegen einer Qualitätskontrolle und werden danach in der offenen Datenbasis anonymisiert. Die heutigen Turbulenzvorhersagen seien «sehr ungenau und unzuverlässig», sagt Martin Gerber, es brauche eine bessere Datengrundlage, um die Modelle zu verbessern.

Ein Delta-Airlines-Pilot konnte bereits erste Erfahrungen mit dem neuen System sammeln. Dank der Echtzeit-Daten konnte er die Kabine sichern. Als von der Flugsicherung nicht erkannte Turbulenzen auftraten, flogen zwar Gegenstände durch die Kabine. Doch weder Passagiere noch Besatzungsmitglieder wurden verletzt. Dank der Warnung waren alle angeschnallt.

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