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Nach Stellenabbauwelle: Experten erwarten anhaltenden Trend Von Adrien Kay, sda Hintergrund

Mehrere Schweizer Unternehmen haben kürzlich Stellenabbaupläne angekündigt.

Swisscom und Lonza wollen je 400 Jobs streichen, die UBS deren 10'000 - davon 2500 in der Schweiz. Wirtschaftsexperten befürchten, dass dieser Trend anhält. Letzten Dienstag erst teilte der Basler Zahnimplantatehersteller Straumann eine Reduktion des Personalbestandes um 150 Stellen an, davon ein Drittel in der Schweiz. 80 weitere Jobs fallen bei Rheinmetall Air Defence in Zürich weg, die Hälfte durch Kündigungen. Die Swisscom begründete ihre Abbaupläne damit, dass sie sich auf einen Markt einstellen will, in dem die Telefonie nicht mehr die Haupteinnahmequelle ist. Deshalb werde sie 300 Arbeitsstellen in wachsenden Sektoren schaffen. Anders die Lage beim Feinchemiekonzern Lonza: Die in Visp VS wegfallenden Jobs werden nicht kompensiert. Das Unternehmen verweist auf die mangelnde Rentabilität. Es zieht damit den Zorn der Gewerkschaften auf sich und stösst auf das Unverständnis der Walliser Regierung. Im Gegensatz dazu wurde die Meldung, dass die UBS Tausende Stellen streicht, mehrheitlich gut aufgenommen. Sogar Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf begrüsste die notwendige Strukturbereinigung innerhalb der Grossbank. Sie verringere künftig das Risiko, dass der Staat erneut rettend eingreifen müsste. Kein Zufall Die Häufung dieser Hiobsbotschaften binnen Wochenfrist sei kein Zufall, sagt Bernard Lambert, Chefökonom bei Pictet Wealth Management. Aus einer technischen Warte gesehen, würden die Firmen die Veröffentlichung ihrer Neunmonatsergebnisse nützen, um ihre Umbaupläne anzukündigen. Grundsätzlicher betrachtet habe sich die Krise in der Eurozone verschärft. Selbst die deutsche Wirtschaft habe angefangen zu schwächeln, sagt Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds (SGB). Und da die EU der wichtigste Handelspartner der Schweiz sei, spüre man nun auch hierzulande die Konsequenzen. Die Industrie und im Speziellen exportorientierte Unternehmen würden leiden. «Weitere Stellenstreichungen würden mich keineswegs überraschen», sagt Lampart. Roland Duss, Forschungsleiter bei der Genfer Bank Gonet & Cie., weist zudem auf den Druck der Märkte hin, die immer mehr Rentabilität verlangen. Er erwartet deshalb, dass auch der Basler Chemiekonzern Clariant nach der Verkündung der Quartalszahlen Massnahmen ankündigt. Schwarze Wolken über Bankensektor Bankenangestellte hätten allen Grund, sich über ihre berufliche Zukunft Sorgen zu machen, sagt Duss. Nach dem drastischen Schritt bei der UBS stehe auch die Credit Suisse unter Zugzwang. Anderen Institute wehe ebenfalls ein rauer Wind entgegen: Sollte das Steuerabkommen mit Deutschland in Kraft treten, würde dies am den Margen der Banken nagen, sagt SGB-Experte Lampart. Rund ein Drittel der deutschen Kundengelder dürften dann abfliessen. Duss stösst ins gleiche Horn und sagt, mit der «Aufgabe des Bankgeheimnisses» werde der Schweizer Bankenplatz an Grösse verlieren. «Man darf sich keine Illusionen machen, dass neben Abgängen und Frühpensionierungen nicht auch Stellen ersatzlos gestrichen werden.» Der Tourismus ächzt ebenfalls seit langem unter der der Krise. Das Phänomen sei nicht spektakulär, sagt Lampart, weil es sich über die Zeit hinweg auswirke und auf zahlreiche KMUs verteile. Deshalb sei es aber nicht weniger greifbar. Ungewisse Folgen für Arbeitsmarkt Welche Effekte die Umbaumassnahmen der Unternehmen auf die Beschäftigungslage hat, bleibt vorerst unklar. Der SGB-Wirtschaftler befürchtet, dass ein rascher Stellenabbau bei der UBS mittelfristig zu mehr Arbeitslosigkeit führen würde, da der Arbeitsmarkt in der Branche bereits angespannt sei.

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