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Nationalbank hält an Negativzinsen fest – und trotzt den Kritikern

Andréa Maechler, SNB-Direktionsmitglied, verteidigt das Instrument. Derweil fordern namhafte Wirtschaftsführer dessen Ende.

«Die SNB hat kaum Spielraum, die Zinsen zu erhöhen»: Andrea Maechler, Mitglied des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank SNB, anlässlich der 108. Generalversammlung der Aktionäre in Bern. (29. April 2016)
«Die SNB hat kaum Spielraum, die Zinsen zu erhöhen»: Andrea Maechler, Mitglied des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank SNB, anlässlich der 108. Generalversammlung der Aktionäre in Bern. (29. April 2016)
Peter Schneider, Keystone

Ohne Negativzinsen wäre der Franken deutlich stärker, sagte Maechler im Interview mit dem «SonntagsBlick». Dies hätte negative Auswirkungen auf die Wirtschaft. Die Negativzinsen seien aber weiterhin ein «ausserordentliches Instrument», sagte Maechler weiter. Sie würden aufgehoben, «sobald dies möglich ist».

Maechler lässt allerdings durchblicken, dass die Zinsen wegen des internationalen Umfeldes noch eine Weile unter Null bleiben dürften. Die Finanzmärkte erwarteten in Grossbritannien und in der Eurozone eine weitere Lockerung der Geldpolitik und in den USA gehe die Erhöhung der Zinsen auch nur sehr langsam voran, weshalb die Zinsen auf absehbare Zeit global tief blieben. «So lange dies der Fall ist, hat die SNB kaum Spielraum, die Zinsen zu erhöhen.»

Vincenz widerspricht

Gegenteiliger Meinung als Maechler ist Pierin Vincenz, ehemaliger Chef der Raiffeisen-Bank und nun Präsident der Helvetia Versicherungen. Für ihn ist der Nutzen der Negativzinses «kleiner als der gefühlte und erwartete Schaden, den er langfristig anrichten könnte, insbesondere im Hinblick auf das Sparen und die Vorsorge».

Aus Vincenz' Sicht hat die Nationalbank die Folgen der Negativzinsen falsch eingeschätzt: «Wenn der Kunde auf seinem Sparkapital Negativzinsen fürchten muss und er auch weiss, dass bei seiner Altersvorsorge die Erträge der Zinseszinsen wegfallen, dann steigert er nicht die Konsumausgaben, sondern er spart mehr.» Vincenz spricht sich für eine Anbindung des Frankens an einen Währungskorb aus.

Zudem appellieren namhafte Wirtschaftsführer und Ökonomen in der Zeitung «Schweiz am Sonntag» an die Nationalbank, sie solle die Negativzinsen umgehend abschaffen. Pensionskassen, Banken und Versicherungen setzen sich für die Abschaffung ein. Und auch ein gewichtiger Exportunternehmer schaltet sich ein: Christoph Blocher. Er sagt: «Dass man ausprobiert hat, ob die Negativzinsen etwas bringen, das war in Ordnung. Doch inzwischen ist klar: Sie haben ihr Ziel verfehlt. Man sollte wieder aufhören damit.» Negativzinsen würden mehr Schaden anrichten als nützen.

Ex-UBS-Chef Oswald Grübel schreibt in seiner «Schweiz am Sonntag»-Kolumne, die Negativzinsen hätten Schäden in Milliardenhöhe verursacht – bei AHV, Sozialwerken, Pensionskassen, Banken, Versicherungen und Sparern. Doch was geschieht mit dem Franken bei einer Abschaffung der Negativzinsen? Grübel bezeichnet es als «eher unwahrscheinlich», dass der Export einbrechen und Arbeitsplätze gefährdet würden.

Auch Ökonomen wie Franz Jaeger und Martin Janssen äussern sich sehr kritisch zu den Negativzinsen. Je länger man warte, umso schlimmer werde es, sagt Finanzprofessor Martin Janssen: «Eines Tages wird die Anpassung mit unglaublicher Wucht über die Schweiz hereinbrechen.»

Kampf gegen den starken Franken

Die Schweiz hat laut Maechler aus einem anderen Grund als andere Länder Negativzinsen eingeführt: Während die meisten Länder damit die Nachfrage und die Kreditvergabe stützen wollten, kämpfe die SNB damit gegen den Aufwertungsdruck auf den Franken. «Wir haben keine Kreditklemme. Wir haben die Negativzinsen eingeführt, um die Zinsdifferenz zum Ausland zu erhalten.»

Eine deutliche Absage erteilt Maechler der unter dem Titel Helikoptergeld bekannten Idee, die Wirtschaft mit der Auszahlung von Geld an Bürger oder den Staat anzukurbeln: «Für die SNB ist das ein NoGo.»

Es gebe gute Gründe, warum es in der Schweiz gesetzlich verboten ist, dass die SNB dem Staat Geld gibt. «Auch international setzt sich die Einsicht durch, dass die Geldpolitik bereits sehr viel getan hat. Es ist wichtig, dass auch die Fiskal- und die Strukturpolitik ihren Teil leisten.»

SDA/foa

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