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«Wir wollen schauen, ob die Speisekammer unter der Schweiz gefüllt ist»

Gleich mehrere Firmen planen, in der Schweiz nach Gas zu bohren. Bald dürften die ersten Bohrtürme errichtet werden. Betroffene Anwohner sind jedoch nicht glücklich.

Noch wäre dieser Anblick in der Schweiz ungewöhnlich: Bohrturm in Patagonien.
Noch wäre dieser Anblick in der Schweiz ungewöhnlich: Bohrturm in Patagonien.
Reuters

Bald dürften in der Schweiz die ersten Bohrtürme errichtet werden. «Wir sind mit den zuständigen Behörden im Gespräch und möchten mit der ersten Bohrung im zweiten Quartal 2014 beginnen», sagt Patrick Lahusen, Vizepräsident der Schweizerischen Aktiengesellschaft für Erdöl (Seag), zur Zeitung «Schweiz am Sonntag». «Wir planen sechs Bohrungen»: vier im Kanton Waadt, im Gros de Vaud, also im Gebiet zwischen Lausanne und Yverdon, sowie je eine im Berner Seeland und im Zürcher Weinland. Konkretere Angaben will Lahusen nicht machen. Doch er betont: «Die Bohrpunkte sind bereits klar festgelegt.»

Die Hoffnung der Seag: auf Gas zu stossen, das sich traditionell fördern lässt, oder auf Schiefergas, das mit der umstrittenen, vor allem in den USA praktizierten Fracking-Methode gewonnen wird. In den 60er-Jahren machte sich die in der Zwischenzeit liquidierte Swisspetrol Holding erfolglos auf die Suche nach Erdöl, jetzt will ihre übriggebliebene Tochtergesellschaft Seag also Gas fördern. «Wir wollen jetzt schauen, ob die Speisekammer unter der Schweiz gefüllt ist», sagt Mehrheitsaktionär Lahusen. «Werden wir fündig, dann muss die Schweiz vielleicht in den nächsten 100 bis 200 Jahren kein Gas mehr importieren.»

Widerstand der Anwohner

Die Firma Seag ist mit ihren Ambitionen nicht allein. Bereits sechs Unternehmen suchen in der Schweiz nach Gas. Petrosvibri, ebenfalls eine ehemalige Swisspetrol-Tochter, hat von der Gemeinde Noville VD schräg unter den Genfersee gebohrt. «Wir haben Gas gefunden», sagt Präsident Philippe Petitpierre zur Zeitung «Schweiz am Sonntag». «2014 machen wir weitere Messungen. Und wenn es sich finanziell lohnt, dann können wir im besten Fall ab 2016 oder 2017 Gas fördern.»

Auch die britische Celtique Energie hofft in Kürze mit der Gassuche beginnen zu können. «Jetzt fehlt nur noch die Baubewilligung», sagt Thomas Borer, der für den Gaskonzern hierzulande für die Kommunikation zuständig ist. Doch am Bohrpunkt im Val de Travers NE regt sich Widerstand. Die grösste Sorge der Anwohner: Die Bohrung könnte das Trinkwasser verschmutzen. «Unabhängige Umweltstudien haben bewiesen, dass dies nicht möglich ist», sagt Borer. «Auch bei einem Unfall, auch im schlimmsten Fall, hätte das keine grosse Auswirkung auf die Trinkwasserqualität.» Doch die Gemüter lassen sich nicht so schnell beruhigen. Auch weil im Zusammenhang mit der Bohrung von Fracking die Rede war. Celtique Energie bestreitet dies vehement. «Wir suchen konventionelles Erdgas», betont Borer.

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